Martin-Luther-Kirche Volker Bleil verlässt Ulm

15 Jahre lang war Volker Bleil Pfarrer der Martin-Luther-Gemeinde. Am Sonntag wird er verabschiedet.
15 Jahre lang war Volker Bleil Pfarrer der Martin-Luther-Gemeinde. Am Sonntag wird er verabschiedet. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Verena Schühly 10.01.2019

Zurückgekommen, um zu gehen. Auf diese Kurzformel lässt sich die aktuelle Lebenssituation von Volker Bleil bringen: Von Mitte September bis Mitte Dezember war der langjährige Pfarrer der evangelischen Martin-Luther-Kirche zu einer Weiterbildung in Beirut, Weihnachten und Jahreswechsel hat er mit der Gemeinde gefeiert – und nun steht sein endgültiger Abschied an. Der 56-Jährige verlässt Ulm und wird neuer theologischer Leiter des Einkehr- und Bildungshauses Kloster Kappel in der Schweiz. Am Sonntag wird er mit einem Gottesdienst verabschiedet.

„Es ist ein sehr seltsamer Übergang“, findet Bleil selbst. Er ist „noch ganz erfüllt“ von seinen Erfahrungen aus dem Libanon, vom Zusammentreffen mit Muslimen und vom Christsein im Nahen Osten. „Ein bisschen was habe ich in den Gottesdiensten erzählen können“, berichtet er. Denn der interreligiöse Dialog ist ihm ein Anliegen. Bislang ist er ein Sprecher des Ulmer Rats der Religionen. „Kirchen und Stadt sind hier gut aufgestellt. Aus punktuellen Kontakten sind vertrauensvolle, institutionalisierte und belastbare Beziehungen geworden.“

„Ich bin Ulmer geworden“

Im Sommer 2003 hat er seine Stelle als geschäftsführender Pfarrer der Luther-Kirche angetreten, und „ich bin ein Ulmer geworden“, sagt er nach nun 15 Jahren. Er schätzt die Mischung von „offenem Geist und Traditionsbindung – in einer eher unaufgeregten Art“, charakterisiert der gebürtige Stuttgarter die Ulmer. Gleiches gelte für die Zusammenarbeit der Kirchengemeinden.

Die schwierigste und schmerzlichste Phase seiner Zeit hier war für Volker Bleil die Aufgabe der Paul-Gerhardt-Kirche, die letztlich 2007 abgerissen wurde. „Wir haben als Gemeinde dazu unter Schmerzen Ja gesagt – wegen des Versprechens, dass wir das verbleibende Gemeindezentrum an der Luther-Kirche zukunftsfähig machen.“ Das sieht der Theologe auch erreicht mit dem Ensemble von Kirche und neu gebautem Gemeindehaus. Als letzter Baustein hat die Gemeinde an der Straßenbahnlinie 2 eine eigene Haltestelle bekommen. „So ist es gut – und so kann ich jetzt gut loslassen.“

Kirchenführer geschrieben

Sozusagen als Abschiedsgeschenk hat Bleil einen Führer über die Martin-Luther-Kirche, ihre Besonderheiten und die von Architekt Theodor Veil „in Stein gebaute reformatorische Theologie“ geschrieben. Ein Spezifikum ist die Erinnerungsstätte für die Ulmer Schülergruppe der Weißen Rose, die den kleinen Raum in der Orgel dazu genutzt hat, Widerstands-Flugblätter zu verbreiten. „Das ist ein authentischer Ort des Widerstands. Er ist wichtig für die Stadt, nicht nur für die Gemeinde“, betont Volker Bleil, der die Stätte im Treppenaufgang mit aufgebaut hat. Initialzündung dafür war im Jahr 2005 seine Arbeit mit Zeitzeugen von damals.

In diesen Teil der Ulmer Geschichte hat sich Bleil gründlich eingearbeitet, Wissen zusammengetragen und weitergegeben. Zu guter Letzt hat er dafür gesorgt, dass die Erinnerungsstätte eine Videoinstallation bekommt: eine Kurzversion des Films „Verräter der Nation. Ulmer Abiturienten und die Weiße Rose“ von Sibylle Tiedemann. Dieses Engagement hat auch eine berufliche Dimension, erzählt Volker Bleil: „Ich habe gemerkt, dass das insbesondere für die Jugend interessant ist. Weil es für die Mitglieder der damaligen Schülergruppe Ausdruck gelebten Christseins war.“

Ein wichtiger Punkt seiner Arbeit als Pfarrer und Seelsorger ist für ihn schon immer, Angebote für Menschen zu entwickeln, die „nicht so die typischen Kirchgänger sind“. Beispielhaft dafür stehen der ökumenische Abendstern-Gottesdienst und das Tauffest im Münster. Seine Überzeugung lautet: „Ich verkünde eine frohe Botschaft, nicht Moral.“

Fast 30 Jahre lang hat Bleil „die Breite der Gemeindearbeit genossen. Das werde ich sicher auch vermissen. Aber ich freue mich, dass ich mich in den letzten zehn Berufsjahren auf die theologische Arbeit konzentrieren kann“, sagt er. Für ihn geht es darum, im Kloster Kappel „zeitgemäße Formen von Spiritualität zu entwickeln“. Wohnen wird Volker Bleil übrigens in Konstanz, wo seine Frau schon lebt.

Gottesdienst und Empfang zum Abschied

Programm Zur Verabschiedung von Pfarrer Volker Bleil wird am Sonntag, 13. Januar, um 10 Uhr in der Martin-Luther-Kirche ein Gottesdienst gefeiert. Anschließend ist ab 11.15 Uhr ein Empfang im Paul-Gerhardt-Saal mit Grußworten und Beiträgen verschiedener Gruppen aus der Kirchengemeinde.

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