Vocalensemble Hochwang mit Klangkultur

SUSANNE RUDOLPH 10.12.2013

Der Schock saß tief als Paul J. Obermayer 2011 nach schwerer Krankheit starb. Aber lähmen ließ sich sein kleines exquisites Vocal-Ensemble Hochwang, das er 1973 gegründet hatte, davon nicht. "Wir machen weiter, im Sinne Pauls", wurde rasch entschieden und mit Verena Schwarz eine hervorragende Chorleiterin gewählt. Wie kreativ sie Obermayers Erbe verwaltet, war beim festlichen Adventskonzert zugunsten der Aktion 100 000 und Ulmer helft in der fast vollen Martin-Luther-Kirche erneut zu bestaunen.

Gleich beim ersten Stück - und das ist bei Chören keine Selbstverständlichkeit! - sprang der Funke über, so schwerelos schwebte Günter Raphaels "Adventskyrie" in samtenem Pianissimo durch den Raum, gefolgt von den bezwingend ausgefeilten Affekten in Schütz "Meine Seele erhebt den Herren". Auch in Poulencs harmonisch diffizilem Chorwerk und Faurés romantisch fließender "Cantique de Jean Racine" loteten die 23 Sängerinnen und Sänger unter der formenden Hand ihrer Chorleiterin die meditativen Stimmungen wunderbar aus.

Dazwischen sorgte Friedrich Fröschle mit farbig registrierten Orgelwerken von Mozart (KV 594) und Alexandre Guilmant für klangliche Abwechslung. Die Entdeckung des Abends aber war Dvoraks D-Dur- Messe, sehr würdig, sehr ernst und weit entfernt von böhmisch angehauchter Folklore. Kammermusikalisch intim und jeglichem Effekt abgeneigt, schwang sich der Chor, wo nötig, zu strahlender Leuchtkraft auf und fesselte besonders im Credo mit eindringlicher Textverdeutlichung. Die Soli wurden von Chormitgliedern gesungen, was zweifellos Mut erfordert und viel Respekt verdient. Doch nicht jedes Ensemble hat solche kultivierten Stimmen, vor allem keinen solch klaren Tenor und warmen Bass.

Die kräftig applaudierenden Zuhörer entließen das Vocalensemble nicht ohne Zugabe: Nochmals Gabriel Faurés Loblied, fast noch geschmeidiger, noch inspirierter.