Es hatte etwas von Familienfeier, der Festakt zum 125. Geburtstag des Ulmer Ruderclubs Donau (URCD) in der Musikschule, dort, wo einst das erste Bootshaus stand. Schon ohne die Gäste wäre genug Prominenz da gewesen. Die Spanne reichte von Olympiasiegern bis zu Ministerin Annette Schavan.

Allerdings wollten die Olympiasieger nicht reden. Maximilian Reinelt verdrückte sich mit Urs Käufer in die dritte Reihe. Raimund Hörmann, inzwischen Leistungssportdirektor des URCD, saß in der Nähe seiner 84er Gold-Kollegen Albert Hedderich und Michael Dürsch. Um den Gang zur Bühne kam er nicht herum, denn er bekam von der Vorsitzenden des Landesverbandes, Johanna Kienzerle, die Goldene Verdienstnadel angesteckt.

Kienzerle, Hörmann, Reinelt, Käufer - Namen, die für das stehen, was der Präsident des Deutschen Ruderverbandes am URCD schätzt: "Er liefert hervorragende Sportler und Funktionäre." Beide Gattungen, so stellte Siegfried Kaidel fest, seien "sehr durchsetzungsfreudig".

Derzeit kämpfen die Funktionäre mit Kienzerle, Hörmann und dem URCD-Vorsitzenden Andreas Huber an der Spitze um den "Bundesstützpunkt Süd". Denn im Süden herrscht öde Leere. "Wie gut unser Nachwuchs trotzdem ist, sieht man schon an der Tatsache, dass im Gold-Achter von London vier Süddeutsche saßen", sagte Johanna Kienzerle: "Vier der sieben baden-württembergischen Starter kamen aus Ulm. Das ist nicht vielen Vereinen gelungen, die keinen Bundesstützpunkt haben."

Dieses Geschenk hatte keiner im Gepäck, dafür aber ein paar Schecks. OB Ivo Gönner hatte den Anfang gemacht, "mit einem schwäbisch bescheidenen Betrag, so dass für die nach mir folgenden Redner Luft nach oben ist." Das höchste Gebot kam letztlich von der Sparkasse Ulm mit 2000 Euro. Ansonsten gabs viel Lob, vor allem für die Tatsache, dass der URCD Breiten- und Spitzensport unter einen Hut bringt. Huber hatte aber vor allem einen Wunsch: "Einen Partner aus der Wirtschaft zu finden, das ist uns bis jetzt nicht gelungen. An den sportlichen Erfolgen kann es nicht liegen."

Dass Ruderer Rhythmus im Blut haben, ist spätestens seit der Rückfahrt der MS Deutschland aus London und des Einsatzes der Reinelt-Brüder am Schiffsklavier bekannt. Gestern gabs zum Abschluss einen Kanon mit dem Vorchor der Ulmer Spatzen. Die Ruderer wechselten anschließend das Terrain und feierten beim Jubiläumsball.