Ulm / HELMUT PUSCH  Uhr
Sie sind zu elft, aber keine Elf, treten vielmehr beim Violinwettbewerb des Donaufests gegeneinander an. Beim morgigen Abschlusskonzert machen sie aber gemeinsame Sache.

2012 waren es die Trompeter, dann die Pianisten und dieses Jahr richtet sich der Instrumentalwettbewerb des Internationalen Donaufests an die Geiger aus den Donau-Anrainer-Staaten. Elf von ihnen sind nach Ulm gekommen und spielen seit Montag um die Preise.

Dabei hätten es eigentlich 20 sein können. Denn Volkmar Clauß, der den Wettbewerb jetzt zum dritten Mal organisiert, hatte jeweils eine Musikhochchschule pro Land eingeladen, ihre jeweils besten zwei Nachwuchs-Geiger nach Ulm zu schicken. „Doch die Jahrgänge sind nicht jedes Jahr gleich stark“, sagt Clauß, und weil der Ulmer Wettbewerb durchaus Renommee habe, „wollen die Musikhochschulen bei uns auch nicht die hinteren Plätze belegen, also überlegen sie sich schon, wen sie schicken.“

Und das mit dem Renommee lässt sich auch an der Zusammensetzung der Jury erkennen: In ihr sitzt Geigen-Professorin Klara Flieder-Pantillon, die am Mozarteum in Salzburg unterrichtet, der rumänische Weltklasse-Geiger Alexander Balanescu, der fürs Donaufest sein choreografisches Musiktheater „Treibgut“ geschrieben hat und Tamas Füzesi, der Konzertmeister der Ulmer Philharmoniker, der wie Clauß schmunzelnd meint, gleich zwei Länder vertritt: Sein Geburtsland Ungarn und Deutschland, wo er seit frühester Kindheit lebt.

Den Wettbewerb eröffnet hat am Montagvormittag Martin Krpan aus Zagreb. Und der trägt einen Namen, den man beim Donaufest kennt, denn vor zwei Jahren war es sein Bruder Ivan, der den zweiten Preis als Pianist holte. „Ich komme aus einer Musikerfamilie, mein Vater ist Geiger, meine Mutter ist Musikwissenschaftlerin“, erzählt Krpan. Der ältere Bruder ist Pianist, da fehlt nur noch ein Cello, um das Krpan-Klaviertrio zu vervollständigen. „Ja, das spielt mein kleiner Bruder.“

Apropos Klavier: Da sitzen während des gesamten Wettbewerbes Alwina Meissner, die Korrepetitorin des Theaters Ulm und der Stuttgarter Alexander Sonderegger, Auch dessen Namen kennt man in Ulm, der Pianist ist der jüngere Bruder von Eduard Sonderegger, dem stellvertretenden Konzertmeister des Orchesters. Eigene Klavierbegleiter durften die Wettbewerbsteilnehmer der Chancengleichheit wegen nicht mitbringen. Die Kehrseite für die Pianisten: Sie probten am Wochenende zwei Tage am Stück mit den Teilnehmern in der Söflinger Außenstelle der Musikschule. Und auch da galt es, Besonderheiten zu berücksichtigen. Etwa den Glauben der moldawischen Teilnehmerin Elena Chiciu, die gehört zur Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Und die feiern wie die Juden den Sabbat, dürfen an diesem Tag nicht tätig sein – also auch nicht proben. „Ich musste ihre Proben alle auf den Sonntag legen und brauchte natürlich das Einverständnis der anderen. Doch das war kein Problem – alle hatten Verständnis“, erzählt Clauß. Und das freundschaftliche Verhältnis der Teilnehmer ist ganz offensichtlich, wenn sie etwa den Wettbewerbsbeiträgen ihrer Konkurrenten lauschen, sie aufmuntern und gratulieren. „Ich bin stolz darauf, dass ich mit diesen Talenten hier sein darf,“ sagt denn auch Dusan Panajotovic aus Belgrad. „Es ist toll, mit ihnen hier Zeit zu verbringen.“

Und was sagt die Jury? „Das Niveau ist hoch“, sagt Balenescu, „aber nicht außergewöhnlich“. Und gibt es Besonderheiten bei Musikern aus dem Donauraum? „Heutzutage ist das nicht mehr so“, sagt Füzesi. „In Zeiten von Youtube nivelliert sich viel, klingt alles internationaler.“ Höchstens bei der Form ließen sich Unterschiede hören, sagt Klara Flieder-Pantillon. Im Klartext: „Im Westen wird schon länger über die historische Aufführungspraxis diskutiert, im Osten begann das später. Und das hört man bei manchen.“

Morgen Preisträgerkonzert

Musikschule Seit 2012 gibt es den Instrumentalwettbewerb des Donaufests. Je eine Musikhochschule aus jedem Donauanrainerstaat ist eingeladen, bis zu zwei Studenten zu schicken.  Den Siegern winken Preise in Höhe von insgesamt 6000 Euro.  Der Wettbewerb findet in zwei Runden statt. Am Montag waren alle elf Teilnehmer im Konzertsaal der Musikschule zu hören, am Dienstag, 10 bis 14 Uhr, werden die sechs Endrundenteilnehmer dort spielen. Der Wettbewerb ist öffentlich, der Eintritt ist frei.Die Preisträger gestalten dann morgen, Mittwoch, 20 Uhr, das Preisträgerkonzert in der Musikschule am Marktplatz. Dabei werden auch alle Teilnehmer zusammen ein Stück spielen, sagt Wettbewerbsleiter Volkmar Clauß. Was das aber sein wird, das bleibe eine Überraschung.