Exakt zehn Jahre war die Münchner Großmetzgerei Vinzenz Murr am Münsterplatz beheimatet. Seit dem 1. Januar steht das Gebäude leer. „Dass wir den ausgelaufenen Mietvertrag nicht verlängern würden, stand schon seit eineinhalb Jahren fest“, erklärt Vertriebsleiter Rudi Gerstmayer. Hauptgrund dafür sei vor allem die Mietsituation am Münsterplatz. „Der Standort hat nicht das hergegeben, was die zentrale Lage versprochen hat. Wir mussten Umsatz und Mietkosten abwägen“, sagt Gerstmayer. Als weiteren Grund nennt der 44-Jährige auch die Konkurrenz durch andere Metzgereien in der Nähe des Münsterplatzes: Diese Situation habe bei der Entscheidung, nicht zu verlängern, auch mitgespielt. „Wäre der Standort noch näher am Stadtzentrum gewesen, sähe die Lage heute vielleicht anders aus“, sagt Gerstmayer.

Die drei Ulmer Angestellten hat Vinzenz Murr in den Filialen in Günzburg und Illertissen übernommen. Sie arbeiten dort regulär weiter. Eine Neueröffnung an einem andern Ort in Ulm ist bisher nicht geplant. Die Geschäftsführung sei aber bereit, Gespräche bei einem vernünftigen Angebot in Ulm aufzunehmen. „Wir wollen jedoch momentan das Hauptaugenmerk auf unsere Filiale in Söflingen legen“, betont Gerstmayer. Frisch renoviert und neu eingerichtet, soll der moderne Laden die Kundschaft nun in den Westen der Stadt locken.

In den leerstehenden Geschäftsraum am Münsterplatz zieht eine Filiale der Modekette „Tredy“ ein. Diese ist auf Kleidung für Damen mittleren Alters spezialisiert. Das Geschäft wird voraussichtlich im Frühjahr 2016 eröffnet. „Davor wird das gesamte Gebäude im Inneren saniert“, sagt Vermieter Helmut Werdich, der Geschäftsführer des Schuhhaus Werdich.

Die Unternehmensgeschichte

Steckbrief 1902 gründete der Metzgermeister Vinzenz Murr die gleichnamige Metzgerei in München. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Murrs Enkelin Evi Deuringer die Verantwortung im Geschäft. Im laufe der Jahre entwickelte sich das Familienunternehmen zu einer Großmetzgerei, die bis heute in süddeutschen Städten wie unter anderem München, Nürnberg oder Ulm mehr als 200 Filialen betreibt.