Ulm Vinci-Konzern wird neuer Eigentümer von Fritz & Macziol

Heribert Fritz: Froh, dass jetzt Klarheit herrscht.
Heribert Fritz: Froh, dass jetzt Klarheit herrscht. © Foto: Fritz & Macziol
FRANK KÖNIG, HANS-ULI THIERER 27.08.2014
Fritz & Macziol, mit 1000 Arbeitsplätzen ein großer Arbeitgeber in der IT-Branche, bekommt im französischen Vinci-Konzern einen neuen Eigner. Er kauft für 255 Millionen Euro die IT-Sparte der Imtech-Gruppe. Mit Kommentar von Hans-Uli Thierer: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

"Ich bin zuversichtlich, dass wir unsere Identität und unser selbstständiges Handeln erhalten können. Das gehört bei Vinci zum dezentralen Modell. Vor allem bin ich froh, dass wir als Gruppe weiter bestehen und die Mannschaft erhalten bleibt." So der Kommentar von Heribert Fritz, Vorsitzender der Geschäftsführung (CEO) der Ulmer Fritz & Macziol-Gruppe (FuM).

Seit der Vertragsunterzeichnung am Dienstagmorgen steht - vorbehaltlich des grünen Lichtes durch die Kartellbehörde - fest: Die mehr als 1000 Beschäftigten der Ulmer Hard- und Software-Gruppe werden in Zukunft unter dem Dach des global agierenden französischen Bau- und Infrastruktur-Großkonzerns Vinci arbeiten.

Der bisherige Eigentümer, der holländische Gebäudeausrüster Imtech, verkauft zum Abbau seiner Schulden nun für 255 Millionen Euro seine gesamte Sparte für Informationstechnologie (IT), deren Kernunternehmen Fritz & Macziol ist. FuM hatte im vergangenen Jahr 396 Millionen Euro Umsatz erzielt, die restliche IT-Sparte der Holländer erwirtschaftete mit 1400 Mitarbeitern 340 Millionen Euro Umsatz. Nach Angaben von Imtech soll die Transaktion deutlich vor dem Jahresende über die Bühne gehen.

Die Holländer hatten FuM 2006 von den beiden Firmengründern Heribert Fritz und Eberhard Macziol erworben, die als Geschäftsführer an Bord blieben. Macziol ist inzwischen ausgeschieden, Fritz amtiert als Vorsitzender der Geschäftsführung der F&M-Gruppe, die über 19 Standorte verfügt. Firmensitz ist im Hörvelsinger Weg.

Vinci will die IT-Aktivitäten in seine Energie-Sparte integrieren. Dies werde die Konzernposition auf dem Feld der Telekommunikation erheblich verbessern, teilte der in mehr als 100 Ländern tätige Konzern mit, der seine Zentrale bei Paris hat. Es gelte, die Märkte für Telekommunikation stärker abzudecken, bis hin zum Nutzer und samt kompletter Infrastruktur bis hin zu Cloud- und Datencentern. FuM betrachtet sich als Spezialist für Cloud Computing, bei dem Daten in einer "Wolke", also auf großen externen Servern, ausgelagert werden.

Überlegungen, die FuM-Gruppe wieder in den eigenen Besitz zu bringen, seien in der finanziellen Größenordnung und in der notwendigen Schnelle nicht zu realisieren gewesen, sagte FuM-Chef Heribert Fritz. Er bezeichnete den Verlauf des Geschäftsjahrs 2014 trotz nicht optimaler Bedingungen (Imtech angeschlagen, Strafverfahren in der Schweiz wegen Bestechung) als gut. Zur Jahresmitte liege man im Plan und werde den 2013 erzielten Umsatz am Ende wohl leicht überbieten können; es zeichne sich ein besserer Ertrag ab. Die Beschäftigtenzahl bleibe stabil.

"Mannschaft und Kunden stehen zum Unternehmen", nannte Heribert Fritz einen Grund dafür, dass das FuM-Schiff schwere Gewässer gemeistert habe. Nicht zuletzt seien neue Kunden gewonnen worden, darunter mit den Wieland-Werken ein gewichtiges Unternehmen in der Region. Dem Kupferverarbeiter in Ulm und Vöhringen liefert FuM ein Speichersystem, das alle weltweit bei Wieland anfallenden Daten verarbeitet.

Ein Kommentar von Hans-Uli Thierer: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Was wäre das für ein Herkulesakt gewesen: Fritz & Macziol, in Ulm ein Großer der IT-Branche, in der großen IT-Welt aber ein Kleiner, löst sich selber heraus aus dem Imtech-Konzern und steht fortan wieder auf eigenen Beinen.

Zu diesem Coup kommt es nun nicht. Zu groß das Finanzvolumen, zu stark der Zeitdruck, um sich rasch von der Brust der kränkelnden Mutter in Holland zu trennen. Stattdessen landet FuM unterm Dach eines noch weitaus größeren Unternehmens: des französischen Multi-Konzerns Vinci.

2006 konnten Heribert Fritz und der mittlerweile nicht im Frieden ausgeschiedene Eberhard Macziol als Firmengründer der begehrten, weil enorm wachstumsstarken Ulmer Firma mitsteuern, Bedingungen formulieren. Diesmal saß Fritz zwar noch am Tisch, aber eben nicht mehr als der eigene Herr im Haus. Am Ende siegten dann auch in der ob ihrer Nischen oft gerühmten IT-Branche die Gesetze des Marktes, die bestimmt sind durch Größe, Finanzkraft, Globalität.

Im Raum stehen nun eine Zusicherung und die Hoffnungen der 1000 FuM-Mitarbeiter, dass die neue Mutter Vinci Wort hält. FuM soll innerhalb des Weltkonzerns seinen bisher zweifellos erfolgreichen Kurs als eigenständiges Unternehmen mit eigenständigen Marken und eigenem Profil fortsetzen. Hoffen wir im Sinne der Ulmer Arbeitsplätze, dass dieses Versprechen in der Konzernzentrale in Paris nicht so schnell in Vergessenheit gerät.

Vinci und FuM

Der Neue Die französische Vinci-Gruppe ist die Nummer 188 in der Fortune-500-Liste der international umsatzstärksten Unternehmen. Der weltweite Umsatz wird mit 40 Milliarden Euro (darunter 17 Milliarden im Baubereich) beziffert, den 191 000 Mitarbeiter erwirtschaften. Vinci betreibt nach eigenen Angaben die Hälfte des französischen Autobahnnetzes, zudem Flughäfen, Bahnstrecken, Stadien. Bei der Tochter Vinci Energies sind 63 000 Menschen beschäftigt. Bei 9,2 Milliarden Euro Umsatz wird ihr operatives Ergebnis (Ebitda) mit rund 500 Millionen Euro beziffert.

Die FuM-Gruppe Die im 1987 gegründete Software- und Systemhausgruppe Fritz & Macziol besteht aus den Firmen FuM Software und Computervertrieb und der Infoma Software Consulting (beide in Ulm); außerdem international aus der Fritz & Macziol Asia Inc. (Manila, Philippinen) sowie der IT&T AG (Rotkreuz, Schweiz). FuM gehört künftig zu Vinci Energies in Deutschland - zweitgrößter Markt der Konzernsparte -, mit 14 000 Beschäftigten und bisher 1,7 Milliarden Euro Umsatz.