Es ist schon am frühen Abend rappelvoll in dem kleinen vietnamesischen Restaurant an der Olgastraße, von dem man derzeit noch auf die Baustelle Sedelhöfe blickt. Es riecht nach Curry und frischem Koriander. Der kleine Raum ist erfüllt von Gemurmel. Lampen aus Bast tauchen die kleinen Tische in ein gemütliches Licht.

„Mir hat in Ulm etwas gefehlt, wo es preiswert und trotzdem schön ist“, sagt Geschäftsführerin Minh Thu Ngo. Die zierliche junge Frau hat vergangenen Sommer die Leitung des Restaurants ihrer Eltern übernommen. Das Asia Wok, eher ein Imbiss, lief nicht mehr besonders gut. Minh Thu Ngo hat es deshalb neu aufgezogen und machte das Myha daraus. Die 27-Jährige gab dem Restaurant ein neues Gesicht: „Nur vier oder fünf Tage hatte ich zum Umbau“.

Minimalistisches Design

Wer den Asia Wok noch kennt, staunt, was die junge Frau, die in Ulm geboren ist, daraus gemacht hat. Wände und Einrichtung sind in Braun und dunklem Grün gehalten, das Flair ist schlicht und modern. Deutlich ist die junge Hand zu erkennen, die das Restaurant jetzt führt: Kunstvoll bemalte Schiefertafeln zieren die Wände. Die Speisekarte in schickem, minimalistischen Design ist auf ein Klemmbrett aus hellem Holz geheftet. Der junge Mann, der die Bestellung aufnimmt, hat keinen Notizblock in der Hand, sondern tippt die Gästewünsche direkt ins Tablet.

Aber es kommen nicht nur Studenten und junge Familien ins Myha, mittlerweile sei das Publikum sehr gemischt, sagt Ngo. Und das nicht nur altersmäßig, sondern auch, was das Essen angeht: Das Myha soll ein Ort sein, „wo Fleischesser, Vegetarier und Veganer zusammen kommen können“. Deshalb gibt es auf der Karte die meisten Gerichte in mehreren Varianten: mit Fleisch, Fisch oder Tofu. Wir sind zu zweit und bestellen Sommerrollen, danach zwei „traditionelle Gerichte“, zum Nachtisch Mango-Creme mit Joghurt. Während wir warten, trinken wir selbst gemachtes Zitronen-Soda aus Einmachgläsern.

Als die Vorspeise kommt, staunen wir. Die Sommerrollen aus hellem Teig und einer Füllung aus Kraut und Karotten sehen nicht nur toll aus, sondern schmecken auch so und sie sind vor allem handgemacht. Ngos Eltern stehen im Myha in der Küche. „Die beiden kochen jedes Gericht einzeln ganz frisch“, sagt die Tochter.

Vielfältige aber übersichtliche Karte

Wenn viel los ist, könne es da schon mal ein bisschen länger dauern, gerade wenn auch noch viele Leute Essen zum Mitnehmen abholen wollen. Manche Gäste würden da ungeduldig. Aber nur so könne man auf die Bedürfnisse einzelner Gäste eingehen wie Allergien, Unverträglichkeiten oder Gemüse- statt Fleischbrühe in der Suppe für Vegetarier. Ngos Konzept von einem preiswerten und schönen Restaurant für alle scheint aufzugehen. Ob ihr Wirtschaftsstudium dabei geholfen hat? Vielleicht, was die finanzielle Verwaltung angehe, meint sie, mehr aber profitiere sie von der gastronomischen Erfahrung, die sie neben dem Studium gesammelt hat.

Die Karte hält sie vielfältig, aber übersichtlich. Manchmal gibt es besondere Gerichte zusätzlich zum regulären Angebot, Mango-Salat zum Beispiel. Das geht aber nur mit den richtigen Mangos: „Im Supermarkt sind sie oft schon zu reif, um sie hobeln zu können.“ Die Ngos kaufen bei Großhändlern und im Asia-Laden ein, außerdem auf dem Ulmer Wochenmarkt. Manche asiatischen Zutaten seien aber nicht leicht zu bekommen. Im Sommer erntet sie die Kräuter auf dem Balkon der Eltern. „Die beiden haben einen grünen Daumen.“

Kassiker aus Nord-Vietnam

Jetzt kommen die Hauptgerichte. zwei vietnamesische Klassiker: „Pho“ (gesprochen wie „fö“) und „Bun“, Ngo zufolge die zwei beliebtesten Gerichte im Myha. Bun, das ist ein Salat aus Reisnudeln und Weißkraut. Im Myha wird dazu Fleisch oder Tofu als Topping bestellt.  Und das Pho? Eine traditionelle Suppe der vietnamesischen Küche aus Fleischbrühe mit Rindfleisch oder Hähnchen, Reisbandnudeln und frischen Kräutern. „Wie Nudelsuppe, nur geil“, lautet das Fazit meiner Begleiterin.

Und als wir zum Abschluss unsere Mango-Creme löffeln, sind wir beide ziemlich glücklich.

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Ulm

Pho und Pot-au-feu


Pho Eine mögliche Wortherkunft dieser in Vietnam überall erhältlichen Suppe ist die landesübliche Aussprache für das französische Gericht Pot-au-feu. Frankreich war lange Kolonialmacht. Pot-au-Feu ist ein Eintopf der ländlichen Küche Nordfrankreichs, mit Rinderbrühe und Gemüse. Für ein Pot-au-feu gibt es etliche Variationen. Zutaten sind Rindfleisch, Möhren, Mairüben, Porree, Sellerie und Zwiebeln.