Konferenz Donau-Netzwerker: Vielfalt macht stark

Ulm / Bernd Rindle 16.07.2018
Teilnehmer sind sich einig: Donau-Netzwerker leisten großen Beitrag für die europäische Identität

Wenn jemand keinen Zweifel am europäischen Gedanken hat, dann sind es die „Danube-Networker“. Vor zehn Jahren ist diese Initiative gegründet worden, getragen von der Hoffnung und dem Ziel, Menschen entlang der Donau zusammen zu bringen, sich kennenzulernen, miteinander ins Gespräch zu kommen und Vorurteile abzubauen. Dass daraus längst mehr als nur ein festes Band geworden ist, wurde bei der Fachkonferenz im Rahmen des Donaufests im Haus der Begegnung mit über 100 Teilnehmern aus 13 Ländern deutlich.

Dass den Donau-Netzwerkern gelingt, was auf politischer Ebene aufgrund von Pfründesicherung und nationaler Egoismen bisweilen scheitert, ist auch andernorts aufgefallen. „Anders als auf der weltpolitischen Bühne gehen Sie aufeinander zu und treten in den Dialog“, lobte Michael Weber, Präsident der Universität Ulm, die Initiative, die für die Landesstiftung zum „wichtigen Projektpartner“ geworden sei, sagte Andreas Weber.

Erste Antworten auf die Frage, ob „immaterielles Kulturerbe ein nationales Gut oder ein Beitrag zur europäischen Identitätsfindung“ sei, lieferte Wolfgang Schmale, Historiker der Universität Wien. Was von national Gesinnten und Rechtspopulisten als bedrohlich ins Feld geführt werde, mache in Wahrheit die wahre Stärke Europas aus: „Die Vielfalt.“ Sie sei ein Wertbegriff und dürfe nicht zum Zwecke der Diskriminierung missbraucht werden. Mehr noch: „Die Vielfalt ist unsere Überlebensgarantie.“

Ein hohes Gut also, das nirgends so mannigfaltig auftrete, wie auf diesem Kontinent. „Die europäische Vielfalt ist wohl einzigartig“ und deren „hohe Dichte ein herausgehobenes Merkmal“. Sie gelte es zu hegen und zu pflegen auf der Basis gegenseitigen Respekts, mahnte der Historiker dazu, das „individuelle und gemeinsame Leben auf dem Werteprinzip der Nicht-Diskriminierung und Verständigung über alle Grenzen hinweg“ zu gestalten.

Ein Beispiel bietet das pflegliche Miteinander der „Danube-Networker“. Die europäische Identität „äußert sich in friedlichem und praktischem Tun, das die Vielfalt fördert“ und basiere auf der historischen Tatsache, dass die „Kulturräume über politische Grenzen hinausreichen“. Diese Balance sei „entscheidend für die Zukunft Europas“. Was, gab er zu bedenken, kein Selbstläufer sei und eines Engagements bedürfe. Denn gerade im Gegensatz zur Einfalt trage „die Vielfalt der Vielfalt entscheidend zu unserem Überleben bei.“

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