Ulm Vielfältiges Programm in Ulm zum Tag des Flüchtlings

„Before I die“: Die Tanzgruppe Moving Rhizomes zeigte intensive Bilder und getanzte Emotionen von Fluchtgeschichten zu ausdrucksstarker Musik.
„Before I die“: Die Tanzgruppe Moving Rhizomes zeigte intensive Bilder und getanzte Emotionen von Fluchtgeschichten zu ausdrucksstarker Musik. © Foto: Oliver Schulz Foto: Oliver Schulz
Ulm / LISA MARIA SPORRER 04.10.2016
Als solidarische Stadt und mit einem vielfältigen Programm feierte eine Kooperationsveranstaltung den Nationalen Tag des Flüchtlings.

Strichmännchen, die ins Meer springen; ein Auto als Hoffnungszeichen, dazu ein surrealistisches Herz; und schließlich ein Haus vor dem eine deutsche Flagge weht. Die Bilder der 5- bis 13-jährigen Flüchtlingskinder, die in der Kunsttherapie des Ulmer Behandlungszentrums für Folteropfer und der Caritas entstanden sind, umrahmten das Programm zum Nationalen Tag des Flüchtlings. Die Veranstaltung im Haus der Begegnung stand ganz im Zeichen der Vielfalt.

Zwischen Kunst, Kultur und Speisen eines Kochprojekts der Suso-Kirche, formulierte Bürgermeister Gunter Czisch in seiner Ansprache den Satz, der zum Motto des Ganzen werden sollte: „Ulm ist eine solidarische Stadt und hat die Verantwortung für die Flüchtlinge angenommen.“ In der Konsequenz bedeute das nicht nur eine Vielfalt der Helferlandschaft, sondern eben auch konkrete kommunale Maßnahmen der Stadt, wie etwa sozialer Wohnungsbau.

Der Nationale des Flüchtlings ist Teil der Ulmer und Neu-Ulmer Tage der Begegnung, eine interkulturelle Veranstaltungsreihe die mit verschiedenen Aktionen den Blick auf Internationalität neu zu entdecken versucht. „Je weniger wir in unserem Alltag mit Flüchtlingen zu tun haben, desto mehr verbinden wir das Wort mit Gewalt, Krieg, Tod, mit Lebensgefahr oder aus Seenot geretteten Kindern“, sagte Wolfgang Erler, Vorsitzender des Flüchtlingsrats Ulm/ Alb-Donau-Kreis. „Dabei sind wir aber immer eher ohnmächtige Zaungäste“, meinte er und deshalb brauche es gelebte Solidarität und persönliche Begegnungen, auch als ein Rezept gegen das Unbehagen.

„Die Stadtverwaltung und die Stadtspitze hat dafür sehr schnell und sehr offen mit der Einrichtung eines Runden Tischs Flüchtlinge diese Grundlagen geschaffen“, sagte Erler. Und auch die Idee zu dem erstmals in dieser Form durchgeführten Tag des Flüchtlings als interkulturelle Veranstaltung kam vom Runden Tisch Flüchtlinge. Ende Juni habe Markus Kienle als Mitglied im Sprechergremium in einer Sitzung in die Runde gefragt, ob und was man anlässlich des Nationalen Tag des Flüchtlings machen könne.

„Nach gefühlten zehn Minuten Schweigen habe ich mich dann gemeldet, und so ist in ziemlich kurzer Zeit und unter Mithilfe ganz vieler Organisationen und Vereine diese Veranstaltung hier auf die Beine gestellt worden“, berichtete Manfred Makowitzki vom Behandlungszentrum für Folteropfer.

Insgesamt 17 Veranstalter hatten ein dreistündiges Programm auf die Beine gestellt, bei dem auch die Künstler von Moving Rhizomes mit „Before I die“ durch ihre Performance Raum schafften für die Träume und Bedürfnisse der Menschen. Wie schon im Stadthaus im vergangenen Juli zeigte das Tanzprojekt mit Flüchtlingen und angeleitet von der „Kunstschimmer“-Kuratorin Cecilia Espejo intensive Bilder und getanzte Emotionen von Fluchtgeschichten zu ausdrucksstarker Musik.

„Insgesamt war das eine klasse Sache“, resümierte Lothar Heusohn, der durch den Abend führte. Gleichwohl der Anspruch ein anderer sein muss: „Solche Veranstaltungen sind wichtig und gut, auch um uns untereinander zu verständigen“, sagte Heusohn. Aber über das Kennenlernen der zahlreichen Helfer hinaus und über das gute Gefühl, das nach einer solch bunten Veranstaltung hinaus bleibe, brauche es auch öffentliche Orte, an denen solche Begegnungen stattfinden können.

„Wir müssen uns überlegen, wie man das, was man Diskurse nennt, weiterführen kann“, so Heusohn weiter. Denn: „Wir müssen es schaffen, dass ein Miteinander entsteht, an jedem Ort, auch, um die Geflüchteten nicht zu reduzieren auf dieses Wort und ihnen damit die konkreten Biografien, ihre Träume, Phantasien und Hoffnungen zu nehmen.“

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