Ulm Viele Verdachtsmomente, keine Beweise

Ulm / KARIN REIMOLD 08.06.2013
Ob die Dornstadter Postagentur überfallen worden ist oder der Überfall nur vorgetäuscht war, konnte das Gericht nicht klären. Das Urteil: Freispruch.

Das Vortäuschen einer Straftat ist einer 63-jährigen Postagentur-Angestellten und ihrer 44-jährigen Tochter vorgeworfen worden. Bei drei Terminen dazu vor dem Ulmer Amtsgericht haben sie ihre Aussage verweigert. Die Angeklagten wurden freigesprochen, der komplizierte Fall bleibt undurchsichtig.

Vor über drei Jahren meldeten die beiden einen Überfall auf ihre Arbeitsstelle, die Postagentur in Dornstadt. Die fehlenden rund 56 000 Euro wurden von der Postbank-Versicherung ersetzt, die Räuber nie gefasst. Der Verdacht kam auf, der Überfall sei nur vorgetäuscht worden. Denn im letzten Quartal 2009 waren der Postaufsicht Geldbuchungen aufgefallen: tausende Euro, teils auch mehrere zehntausend, wurden aus dem Kassenbestand abgezogen und oft schon kurze Zeit später wieder zugebucht. Vor Gericht war deshalb von "Luftbuchungen" gesprochen worden, die andere Vorgänge verschleiern sollen.

Die Aufsicht schickte einen Beamten los in die Agentur, der dort am 24. November 2009 erschien zur "unangekündigten Prüfung". Auch während des Kontrollbesuchs wurden 42 000 Euro aus dem Kassenbestand abgebucht - und wieder zurückgebucht, nachdem der Prüfer die Agentur verlassen hatte. Zwei Tage nach der Überprüfung wurde wegen dieser Buchung beschlossen, die Agentur nochmals zu überprüfen. Morgens vor der zweiten Überprüfung habe er erfahren, dass die Postfiliale tags zuvor überfallen worden war, gab der Prüfer vor Gericht an. Mit einer Kollegin habe er dann bei der Agentur vorbeigeschaut, um nach dem Überfall Inventur zu machen. Dass die Angestellten der Postbank Kassenbestände manipulierten, indem sie Gelder vorübergehend auf einem privaten Konto parkten und zeitnah zurückbuchten, störte die beim Prozess als Zeugen befragten Postbeamten nicht wirklich. Weil es sich wohl um eine nicht unübliche Vorgehensweise handelt, um bei einer Überschreitung des Kassenstands-Tageslimits um eine kostenpflichtige Abholung durch einen Geldtransporter herumzukommen.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft bezog sich auf die erwähnte Buchung während des Kontrollbesuchs des Prüfers. Ungeklärt blieb auch im dritten Prozessdurchgang, wer diese Buchung vorgenommen hat und ob es eventuell einen Fehlbetrag von 42 000 Euro gab, der auf diese Weise kurzfristig vertuscht werden sollte. Die Angeklagten schwiegen bis zuletzt, und trotz einiger Indizien und Ungereimtheiten ließ sich der strafbare Vorwurf nicht erhärten. Die Verdachtsmomente führten zu keiner tragfähigen Schlussfolgerung, um eine Straftat nachweisen zu können, erklärte Richter Walter Waldenmaier. Damit wurde der Prozess abgeschlossen.