Die Karlstraße in Ulm soll zu einer Stadt-Allee umgebaut werden. Der zuständige Fachausschuss des Ulmer Gemeinderats hat das 8,5-Millionen-Euro-Projekt am Dienstag gebilligt. Welche Veränderungen es in der Karlstraße an Fahrbahn und Gehweg geben soll, ist hier detailliert aufgelistet.

Die Reaktionen auf diese Nachricht, die zahlreich auf der Webseite und der Facebook-Seite der SÜDWEST PRESSE eingehen, reichen von Verwunderung über Zustimmung bis hin zu völligem Unverständnis und Ablehnung. Hier sind einige Kommentare der Diskussion im Überblick.

Marc Hoffmann schreibt auf Facebook: "Ich wohne praktisch direkt an der Straße und finde alle Varianten besser als die momentane Situation, ABER: Wo bitte soll in Ulm der Verkehr, sprich Autos und LKW, noch langfahren? Die Ost-West-Verbindungen sind nach diesem Bauabschnitt bis auf die Olgastrasse kaum noch existent. Unser Baubürgermeister mit allen Fraktionen zusammen ist seit zig Jahren damit beschäftigt aus Ulm eine ihm vorschwebende autofreie Stadt zu machen, mit dem Resultat von immer noch mehr Stau und Chaos. Langsam muss den Herren im Rathaus gesagt werden, dass die Innenstadt und deren Geschäft auf den Verkehr angewiesen ist." Diese Ansicht unterstützen einige andere Leser, was sie durch "Gefällt mir"-Klicks ausdrücken.

Lukász Grósz argumentiert dagegen: "Wer sagt denn überhaupt, dass da so viel weniger Verkehr durchpasst? Ist ja nicht so, dass es bisher eine vierspurige Stadtautobahn ist.. Und diese ständigen Spurwechsel der besonders cleveren und zeitsparenden Fahrer sind erstens unfallgefährdend und zweitens stockt durch jeden Wechsel der Verkehr. Ansonsten Glückwunsch, dass ein Stück der hässlichsten Gegend Ulms (auf jeden Fall im Innenstadtbereich) deutlich verschönert und aufgewertet wird!"

Der Leser Claus Otten findet die Entscheidung, die Karlstraße umzubauen, prinzipiell richtig. Denn: "Das stärkt den Stadtteil, macht ihn attraktiver und hoffentlich wird hier im Wohnungsbau auch mehr investiert." Doch dann folgt ein großes "ABER!!" und er schreibt: "Die Autos müssen auch irgendwie die Stadt sinnvoll durchqueren können. Gerade im Berufsverkehr wird die Karlsstraße für Fahrten von Thalfingen kommend oder von der Heidenheimer Straße Richtung B10 oder Blaubeurer Straße genutzt. Gerade in Söflingen (Stadtregal, etc.) sind ja viele Arbeitsplätze entstanden. Der ÖPNV zur Blaubeurer Straße / Stadtregal etc. ist schlecht. Also geht vieles nur mit dem Auto, was man auch täglich am Blaubeurer Ring sieht." Anschließend schlägt er folgendes vor: "Ausbau Berliner Ring / Kuhbergring (4-spurig und kreuzungsfrei) und Lückenschluss bei Böffingen zur B10/Neu-Ulm!"

Max Braun antwortet auf Claus Ottens Vorschlag: "Ja genau, Lückenschluß der B10 Böfingen Neu-Ulm. Damit die Anwohner in der Karlsstraße es ruhiger haben, wird der Verkehr einfach nach Neu-Ulm abgeleitet. So blöd werden die Neu-Ulmer sein, da zuzustimmen." 

Viele "Gefällt mir"-Klicks brachte der Facebook-Kommentar von Wi Di ein. Sie schrieb kurz und bündig: "Willkommen auf der Dauerbaustelle Stadt Ulm :(" Auch Claudia Koch hat genug von Baustellen. Sie schreibt: "Jetzt wurde doch erst eine Großbaustelle beendet. Muss denn das sein, dass jetzt der fließende Verkehr wieder zum Stehen und damit die Staubildung kommt???? Macht echt keinen Spaß mehr!"

Die Karlstraße nach den genannten Plänen umzubauen, findet Christine Mayer keine gute Idee. Sie schreibt auf Facebook: "Finde ich jetzt unnötig den Umbau. Mehr Platz für Bäume und weniger für die Autos... Wo die Stadt eh schon immer verstopft ist."

So sieht das auch Max Braun. Er zeichnet ein düsteres Bild der Ulmer Verkehrszukunft - nicht ohne sarkastischen Ton: "Das ist die Lösung der Verkehrsprobleme. Wir bauen einfach die Karlsstraße zurück. In der Neuen Straße hat das ja auch so toll geklappt. Der Verkehr steht dort eigentlich nur noch. Jetzt bald das Gleiche in der Karlsstraße. Der Verkehr weicht dann in die Olgasstraße aus, wo dann auch alles steht. Zum Glück wird 2016 das Neue U-Bahn System eröffnet. Da können die Staugeplagten den PKW stehen lassen und mit der U-Bahn fahren. Ein Hoch auf die Ulmer Verkehrsplaner. Wie, es gibt gar kein neues U-Bahn System? Dann kapier ich auch nicht, wieso der Verkehr in Ulm nicht komplett zum Erliegen kommen wird."

Sibylle Gurrieri kommentiert auf Facebook hingegen: "Stadtallee hört sich gut an." Lena Sommer ist verwundert, dass man aus "einer (sorry für den Ausdruck) so versifften Straße" eine Allee machen will. Doch sie schreibt: "Cooler Versuch, vielleicht bekommen ja die Häuser an der Straße ihren alten Glanz zurück. Find es immer, wenn ich durchfahre, sehr schade, in welchem schlechten Zustand die tollen Altbauwohnungen sind..."

Ander Nudel schreibt: "Ich find's gut. Sollen die Leute mal die ÖPNV-Angebote nutzen." In die gleiche Richtung argumentiert Werner Korn. Er findet: "Kein Mensch ist gezwungen mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Es gibt Busse und die Straßenbahn, oft ist das Fahrrad unschlagbar ... und wenn's nicht anders geht, dann eben Taxi oder ein Carsharingangebot. Umdenken, Leute! Das Konzept 'autogerechte Stadt' ist fast 90 Jahre alt und entspricht nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Allerhöchste Zeit für eine lebenswerte Karlstraße."

Auch zur Bauzeit und der Situation währrenddessen geben einige Leser Kommentare ab. "Wie kann man bitte für einen 600 Meter langen Bauabschnitt 3 Jahre brauchen?", fragt Felix Loth. An die Anwohner denkt Oli Via. "Und wo sollen wir Anwohner in dieser Zeit parken??? Gibt ja soviele..", schreibt sie. "Wird Zeit, dass in der Bessererstrasse die Parktickets entfernt werden! Oder bezahlt uns die Stadt in Zukunft die Strafzettel?!" Monika Reichert fragt: "Wie ist das dann mit der Feuerwehr? Kommt die dann noch gut raus? Da mach ich mir aber jetzt wirklich Sorgen um die Sicherheit, wenn das jetzt enger wird."

Und Maria Peters denkt auch an die Bahn-Neubaustrecke und die Bauarbeiten für den geplanten Bahntunnel. Sie fragt: "Wie kann denn 2014 mit dem Umbau begonnen werden, wenn monatlich 640 LKW mit NBS-Tunnel-Aushub über die Karlstraße geleitet werden?" Dazu zitiert sie aus einem unserer Artikel: "(...) Abtransportiert wird das Material unter der Neutorbrücke hindurch bis zum Veitsbrunnenweg. Den durchfahren die Lastwagen bis in die Syrlinstraße hinein und die Karlstraße über die Ludwig-Erhard-Brücke hinweg, um schließlich auf die B 10 in Richtung Norden abzubiegen, berichtet der Projektleiter. So werde die Innenstadt von diesem Baustellenverkehr nicht tangiert. Auch der Transport halte sich in Grenzen, versprach er weiter. Zu rechnen sei mit maximal 650 Fuhren im Monat; bei einer Sechs-Tage-Woche seien das 30 Fahrten am Tag oder drei Fahrten in der Stunde. (...)"

Auch Annette Weinreich, Grünen-Stadträtin in Ulm, meldet sich auf Facebook zu Wort: "Was nicht erwähnt wird: Ich habe mich vehement für die Radfahrer eingesetzt. Auch wenn die eigentliche Fahrradwegachse entlang der Zeitblomstraße verläuft, kann es nicht sein, dass auf der Karlstraße nun GAR keine Radfahrer mehr fahren können. Ich habe nun die Zusage, dass wenigstens "geprüft" wird, ob die Radfahrer auf dem über 3 m breiten Fußgängerweg mit geduldet sind."

Auf die Frage von Werner Korn, ob die Karlstraße für Radfahrer gesperrt werde, antwortet sie: "Eigentlich nicht", doch dann müssten sie auf der Straße fahren - "und die ist zu schmal." Werner Korn hält das "immer noch für besser als auf dem Gehweg. Bis dato gibt's ja auch keinen Radweg."

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