Ulm / JÜRGEN BUCHTA  Uhr
Verdi-Geschäftsführerin Maria Winkler geht davon aus, dass heute bis 14 Uhr keine Busse und Straßenbahnen in Ulm fahren. Schwaben-Mobil-Fahrer sind zum Streik aufgerufen. SWU-Fahrer streiken wohl mit.

Wer üblicherweise Bus oder Tram nutzt, um zur Schule oder zur Arbeit zu kommen, der sollte sich für heute eine Alternative suchen. Die Dienstleistungs-Gewerkschaft Verdi hat die Fahrer von Schwaben-Mobil zwischen 4.30 und 14 Uhr zum Warnstreik aufgerufen. 

Derzeit kommt es in Ulm auf den Linien 1 bis 10 zu erheblichen Fahrtausfällen. Nicht vom Streik betroffen sind nach SWU-Auskunft die Linien 11 (Ortslinie Söflingen) und 13 (Schulzentrum Kuhberg – Eselsberg Hasenkopf – Uni Süd). Diese werden von privaten Unternehmen bedient. Auf den Linien 3 (Wiblingen – Wissenschaftsstadt), 5 (Ludwigsfeld – Wissenschaftsstadt) und 7 (Willy-Brandt-Platz – Neu-Ulm – Jungingen) fahren nur einzelne Fahrzeuge.

Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Maria Winkler äußerte sich dahingehend, dass in Ulm bis 14 Uhr kein öffentlicher Nahverkehr stattfinde. "Welchen Umfang diese Fahrtausfälle haben werden, lässt sich nicht vorhersagen", meint dagegen Bernd Jünke von der Pressestelle der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU). "Wir müssen uns überraschen lassen und harren der Dinge, die passieren werden", sagte auch Josef Wackerl, Assissent der Geschäftsführung der Firma Schwaben-Mobil Nahverkehr Service in Bobingen bei Augsburg.

In ihrer Neu-Ulmer Niederlassung, die den öffentlichen Stadtverkehr im Auftrag der SWU betreibt, arbeiten 60 direkt bei dieser Firma angestellte Fahrer sowie 140 Bus- und Tramfahrer, die dem Unternehmen von den SWU "ausgeliehen" sind.

Hier liegt genau der Ansatz für den Ausstand, der nichts mit den sich anbahnenden Tarifkämpfen im öffentlichen Dienst zu tun hat. Schwaben-Mobil bezahlt seine Leute nach dem (mit Verdi ausgehandelten) Tarifvertrag des Landesverbands Bayerischer Omnibusunternehmen. Die SWU-"Leiharbeiter" werden nach dem SWU-Haustarif entlohnt. "Allein der Stundenlohn der SWU-Leute liegt 2,50 Euro höher", erläutert Verdi-Frau Winkler. Beziehe man deren 13. Monatsgehalt mit ein, dann zeige sich der Unterschied zu den Schwaben-Mobil-Kollegen noch krasser.

Ziel der Gewerkschaft sei, die Löhne der Schwaben-Mobil-Fahrer auf das Niveau ihrer SWU-Kollegen anzuheben. Um einen Haustarif mit der Schwaben-Mobil auszuhandeln, sei Verdi auf die Geschäftsführung des Bobinger Unternehmens zugegangen. Diese habe mit Hinweis auf den noch gültigen bayerischen Tarifvertrag für die Omnibusfahrer aber abgelehnt.

Das sieht Verdi völlig anders. Für die Bezahlung der Mitarbeiter sei nicht der Firmensitz entscheidend, betonte Winkler. Ausschlaggebend sei der Ort, an dem sie eingesetzt sind - und der sei eben Ulm.

Heute morgen sind etwa 20 Schwaben-Mobil-Fahrer im Dienst und könnten also streiken. Winkler geht davon aus, dass sich viele ihrer SWU-Kollegen, die nicht zum Streik aufgerufen sind, aus Solidarität daran beteiligen.

Schwaben-Mobil-Geschäftsführer Werner Ziegelmeier betont, dass er nicht wegen des Warnstreiks den "starken Mann" spielen werde. "Ich werde kein Benzin reingießen." Er kündigte aber an, die Auffassung von Verdi bezüglich der Tarifzugehörigkeit rechtlich klären zu lassen. Er werde auch mit Maria Winkler sprechen, sagte er. Aber erst dann, wenn es an der Zeit sei - während der bayerischen Tarif-Verhandlungen.