Förderung Uni Ulm bei millionenschwerer Exzellenzstrategie im Rennen

Ulm / Von Rudi Kübler 11.09.2018
Die Uni Ulm ist mit zwei Projekten bei der millionenschweren Exzellenzstrategie im Rennen – und könnte Exzellenz-Universität werden.

Sie steigt, die Nervosität – schließlich liegen Millionen Euro im Topf. Vergleichbar mit dem Jackpot beim Lotto. Der entscheidende Unterschied zu der Ver­an­staltung mit den 49 Kugeln: Dort ist das Glück mit den Doofen. Hier, bei der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen, bewirbt sich die Crème de la Crème der Unis um Geld. Viel Geld. In dem Topf liegt etwas mehr als eine halbe Milliarde Euro, die jährlich für rund vier Dutzend Forschungsprojekte und ein Dutzend Exzellenz-Unis ausgeschüttet wird.

Und die Uni Ulm ist noch mit zwei Projekten im Rennen, wenn in wenigen Tagen die Entscheidung fällt. Uni-Präsident Michael Weber schätzt die Chancen als sehr gut ein, wohl wissend, dass jetzt nur mehr die absoluten Top-Teams vertreten sind. „Wir haben aber dennoch ein positives Gefühl. Unsere Anträge haben viel Potenzial.“

Das eine heiße Eisen, das die Uni im Feuer hat: das Forscherteam um den Ulmer Quantenphysiker Prof. Fedor Jelezko. Der Leiter des Instituts für Quantenoptik arbeitet mit Kollegen der Uni Stuttgart und des dortigen Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung daran, die Erkenntnisse der Quantenwissenschaften in die Anwendung zu bringen. Im speziellen Fall: Physiker, Chemiker, Lebenswissenschaftler, Ingenieure und Mediziner wollen mithilfe der Quantentechnologie bildgebende Verfahren auf eine neue Stufe heben. Profitieren kann davon die Medizin, indem sie Vorgänge im Körper besser, sprich: zum einen in einer höheren Auflösung und zum anderen nicht als Momentaufnahme, sondern in einem zeitlichen Verlauf aufdecken kann.

Fördermittel in Millionenhöhe

Viel Kohle ist im Spiel. Sagt der Uni-Präsident. Cluster wie die zu den Quantenwissenschaften erhalten bei einem positiven Bescheid zwischen 5 und 10 Millionen Euro an Fördermitteln. Pro Jahr, wohlgemerkt, und zunächst auf die Dauer von sieben Jahren. Nach einer Evaluation kann die Förderung um weitere sieben Jahre verlängert werden.

Dem zweiten Eisen kommt vor dem Hintergrund der Energiewende und der E-Mobilität herausragende Bedeutung zu. Im Exzellenzcluster „Energiespeicherung jenseits von Lithium – neue Speicherkonzepte für eine nachhaltige Zukunft“ erforschen Experten aus Elektrochemie, Materialwissenschaften und Ingenieur­wissenschaften alternative Ladungsträger, die große Energiemengen sicher und kostengünstig speichern können. Auch dieses Projekt geht über reine Grundlagenforschung hinaus, die gewonnenen Erkenntnisse sollen auf Batterie-Vollzellen übertragen und diese auf Leistungsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Sicherheit überprüft werden.

Forschung in Kooperation

Partner der Elektrochemie der Uni Ulm sind das Karlsruhe Institute of Technology (KIT), das 2011 gegründete Helmholtz-Institut Ulm Elektrochemische Energiespeicherung (HIU), eines der führenden Zentren der Batterieforschung, das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Und da ist noch ein drittes Eisen im Feuer: Sollte die Uni Ulm nämlich mit beiden Forschungsprojekten erfolgreich sein, kann sie sich in der Förderlinie „Exzellenzuniversität“ bewerben. Mit der Möglichkeit, weitere 10 bis 12 Millionen Euro pro Jahr zur dauerhaften Stärkung der Universität und zum Ausbau ihrer internationalen Spitzenstellung in der Forschung zu erhalten. Wie hier die Chancen stehen? Uni-Präsident Weber setzt sein verschmitztes Lächeln auf, „an den Eckpunkten dieses Antrags wird gerade geschrieben. Dann werden wir sehen ...“

Das erste Exzellenzprojekt: die Graduiertenschule

2007

Die Projektanträge scheitern, die Uni Ulm ist dennoch exzellent: Die 2006 gegründete Internationale Graduiertenschule für Molekulare Medizin ist 2007 bei der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder erfolgreich. 1 Million Euro pro annum erhält sie auf die Dauer von fünf Jahren.

2012

Die Internationale Graduiertenschule übersteht die Begutachtung durch eine Expertenkommission. Das heißt: Die Förderphase innerhalb der Exzellenzinitiative wird um weitere fünf Jahre verlängert, die Fördermittel werden auf 1,5 Millionen Euro im Jahr aufgestockt.

2017

Die Förderung durch die Exzellenzinitiative läuft aus. Um Struktur, Qualität und Standard der Doktorandenausbildung zu erhalten, gibt es für 2018/19 eine Auffangfinanzierung. Von 2020 an werden Uni/Medizinische Fakultät und Land die Graduiertenschule finanziell unterstützen.

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