Für die Staatsanwältin hat es bei einem Überfall auf ein Fast-Food-Restaurant in der Ulmer Innenstadt einen „Kampf ums Überleben“ gegeben. In dem am Montag zu Ende gegangenen Prozess steht für sie denn auch fest, dass es sich bei dem Überfall um einen versuchten Mord handelte, der aus Habgier begangen und heimtückisch ausgeführt worden sei. Sechs Jahre und neun Monate Haft fordert sie als Strafe gegen einen 29-jährigen Drogenabhängigen, der überdies zwingend in einer Entzugsklinik untergebracht werden soll.

Angestellte mit Messer bedroht

Hintergrund ist ein Vorfall vom 17. Mai vergangenen Jahres. An jenem lauen Vorsommerabend war der 29-Jährige zielgerichtet in das Lokal am Eingang der Platzgasse gegangen, hatte ein Messer gezückt und es schnurstracks auf den einzigen Mitarbeiter gerichtet, der sich abends wenige Minuten vor 23 Uhr noch in dem Laden aufgehalten hatte. Wortlos  sei der junge Mann vorgegangen und habe anschließend wahllos und blindlings um sich gestochen, wobei er dem Gegenüber mehrere oberflächliche Stich- und Schnittverletzungen zugefügt hatte, wie die Vertreterin der Anklage hervorhob.

Wiewohl der Täter kein einziges Wort von sich gab und mithin auch nicht die Herausgabe des Geldes gefordert hatte, geht die Staatsanwaltschaft dennoch davon aus, dass es der Mann auf das Bargeld aus der Kasse abgesehen hatte, um seine Drogensucht zu finanzieren. Tatsächlich sind im Blut des unmittelbar am Tatort festgenommenen Täters Spuren verschiedener Drogen und obendrein 1,8 Promille Alkohol nachgewiesen worden.

Gemisch aus Alkohol und Drogen

Verteidiger Martin Henrich hält das Strafmaß für viel zu hoch – vor allem sieht er kein einziges Mordmerkmal erfüllt. Weder sei sein Mandant heimtückisch vorgegangen, noch gebe es einen Beweis für Habgier. Vielmehr klare Angaben darüber, wonach ein Vollrausch aus einem Alkohol-Drogen-Gemisch vorgelegen habe.

Er bezog sich auf den psychiatrischen Sachverständigen, der in seinem mündlichen Vortrag von einer verminderten Schuldfähigkeit sprach, in einer ersten schriftlichen Einschätzung aber sogar eine Schuldunfähigkeit nicht ausgeschlossen hatte. Henrich wollte deshalb eine Verurteilung wegen Vollrausches mit dreieinhalb Jahren Haft.

Das Urteil soll am kommenden Montag, 14 Uhr, verkündet werden.

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