Umwelt Verursacher der Sandplage steht fest

Der Sand beunruhigt die Anwohner.
Der Sand beunruhigt die Anwohner. © Foto: Matthias Kessler
Beate Rose 19.05.2017
Die Laboranalyse bestätigt den Verdacht der Bewohner des Sandhakens: Für den Dreck, der aufs Wohngebiet rieselt, ist ein Asphaltmischwerk verantwortlich.

Auf die Post von der Stadt, Abteilung Umweltrecht und Gewerbeaufsicht, haben die Anwohner des Wohngebietes Sandhaken monatelang gewartet. Schließlich hatten sie Ende vergangenen Jahres die städtische Gewerbeaufsicht informiert, dass auf ihr Wohngebiet immer nachts Sand niedergeht. Der Sand lagert auf den Häusern, vor der Haustür, in den Häusern. Wo kommt er her?

Um das herauszufinden, hatten die Anwohner Proben des Sandes gesammelt und der städtischen Abteilung Gewerbeaufsicht übergeben. Deren Leiter Olaf Schwark hat die Proben in einem Umweltanalyselabor untersuchen lassen. Am Mittwoch erfuhren die Anwohner per Brief: Der Verursacher ist das Donau-Asphalt-Mischwerk (DAM) im benachbarten Donautal.

Freuen können sich die Anwohner des Wohngebiets Sandhaken angesichts dieser Nachricht nicht. Denn: Inzwischen rieselt es wieder auf die Menschen nieder. Vor allem in der letzten Woche sei das der Fall gewesen, berichtet Anwohnerin Nicole Renner. Die Plage sei zwar nicht so schlimm wie im Dezember, aber deutlich sichtbar. An Türen, an der Gartenbank, auf Autos.

Die Geschäftsführung des DAM wird dagegen Einspruch erheben, dass sie die Verursacher der Verschmutzung sein sollen. Das lassen die Geschäftsführer durch Joachim Vinzelberg, Betriebsleiter des Mischwerks, ausrichten. Für Vinzelberg steht fest: „Das Gutachten taugt  nichts.“ Demnach arbeitet das Mischwerk mit Sanden, die aus dem Erbacher Kieswerk stammen, eine Firma, die zur Heim-Gruppe gehört, wie das Donau-Asphalt-Mischwerk auch. Die Kiese stammen aus der Donau. „Die benutzen andere Firmen auch“, sagt Vinzelberg. Im Donautal und in Betriebe von Memmingen bis Reutlingen.

Produktion seit 1. März

Der Produktionsbeginn ist für ihn ein weiterer Beleg, dass der Sand, der auf den Sandhaken niedergeht, nicht aus dem Schornstein des Asphalt-Mischwerkes stammen kann. Nach einer Winterpause, in der die Anlage gewartet wurde, begann das Mischwerk mit der Produktion zum 1. März. Die Anwohner am Sandhaken haben im März und April wenig bis keinen Niederschlag festgestellt. Dafür aber in der vergangenen Woche. „Dann können wir es ja gar nicht sein. Wir produzieren schon länger.“

Laut Vinzelberg „kommt bei uns aus dem Schornstein nichts raus als Wasserdampf“. Zudem seien in den Sandproben, die vom Wohngebiet Sandhaken untersucht wurden, keine schwarzen Anhaftungen gefunden wurden. „Wir produzieren mit Asphalt.“ Würde das Asphalt-Mischwerk Sand ausstoßen, müssten darin schwarze Partikel zu finden sein. Das habe die Umweltanalyse jedoch nicht ergeben.

Schwark beruft sich freilich auf die Analyse. Gleichwohl liege kein gesetzlicher Verstoß des Werkes vor, da der gesetzlich vorgeschriebene Emissionswert nicht überschritten wurde. Ein Rätsel für ihn bleibt: „Warum jahrelang Ruhe war und im letzten halben Jahr so viele Niederschläge runterkamen – ich weiß es nicht.“ Erklärungen bietet Betriebsleiter Vinzelberg an: Er verweist auf die vielen Baustellen in Ulm, auf den Schwerlastverkehr, und auf Staub, der weit weht wie der Wüstensand.

Staubmessanlage angeordnet

Schwark hat angeordnet, dass ins Asphalt-Mischwerk eine Staubmesseinrichtung eingebaut wird. Mehr, sagt er, könne er nicht tun. Seine Möglichkeiten seien ausgeschöpft. Feinstaubmessungen etwa sind Landessache. Er verweist darauf, dass Anwohner klagen könnten.

Die Anwohner sind sauer. Nicole Renner, die von älteren Nachbarn gebeten wurde, die Beschwerde gegenüber der Stadt weiter zu vertreten,  macht ihrem Unmut Luft: „Wir alle werden verdonnert, Umweltplaketten fürs Auto zu kaufen und auf uns prasselt munter Sand nieder?“ Natürlich sei der Schaden nicht irrsinnig hoch und eine Analyse eines Labors habe ergeben, dass der Sand nicht gesundheitsschädigend sei. Aber die Anwohner wollen, dass es aufhört. Für sie steht fest, dass es sich bei den Niederschlägen nicht nur um Staub handelt. Dafür braucht sie nur mit dem Finger über ihre Tür zu fahren: „Da liegt Sand drauf. “

DAM betreibt die Anlage genehmigungskonform

Emission Olaf Schwark von der Gewerbeaufsicht hat die Anwohner informiert, dass der Sand vom Donau-Asphalt-Mischwerk (DAM) stammt. Der Ausstoß ist rechtlich in Ordnung. Ein Ausstoß an Staub sei beim Werk bis 20 Milligramm je Kubikmeter Abluft zulässig. Die Messungen belegen, dass der Wert nie überschritten wurde. „DAM betreibt die Anlage genehmigungskonform.“ Alle drei Jahre prüft die Emissionsbehörde, das nächste Mal in zwei Wochen.Betriebsleiter Vinzelberg sieht dem Termin gelassen entgegen.