Verkehr Versuch: Marktplatz als Fußgängerzone

Das Abkürzen durch die Herdbruckerstraße ist bald Geschichte. Sie wird für den motorisierten Verkehr gesperrt.
Das Abkürzen durch die Herdbruckerstraße ist bald Geschichte. Sie wird für den motorisierten Verkehr gesperrt. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Christine Liebhardt 15.11.2018
Viele Autofahrer nutzen die Herdbruckerstraße als Abkürzung nach Neu-Ulm. Für zunächst sechs Monate sperrt die Stadt deshalb die Zufahrt vom Marktplatz.

Die Herdbruckerstraße ist zwar ein Schleichweg – was aber noch lange nicht heißt, dass dort tatsächlich geschlichen wird. Im Gegenteil: Auf den Pflastersteinen zwischen Rathaus und Herdbrücke sind nicht nur jede Menge Fahrzeuge unterwegs, die sich auf dem Weg nach Neu-Ulm die Ampel an der Kreuzung Neue Straße/Donaustraße sparen wollen. Viele Fahrer halten sich auch nicht an die Geschwindigkeit in dem verkehrsberuhigten Bereich. Das nervt Anwohner, Geschäftsinhaber und Gastronomen gleichermaßen.

Ab Frühjahr für Autofahrer gesperrt

Mit einer Unterschriftenaktion hatten sie deshalb im Frühjahr 2017 auf die Verkehrssituation aufmerksam gemacht. Denn das Verhalten der Autofahrer verursacht nicht nur Lärm, es gefährdet auch die Fußgänger. Dagegen will die Stadt jetzt etwas unternehmen: Die Durchfahrt in die Einbahnstraße ist dann nur noch von der Schelergasse aus möglich. „Die Überlegung ist, die Fußgängerzone direkt am Rathaus beginnen zu lassen“, erläuterte Ute Metzler im Stadtentwicklungsausschuss, der dem Vorhaben geschlossen zustimmte. Sechs Monate soll der Versuch ab dem Frühjahr 2019 dauern, sagte die Verkehrsplanerin. Mit Videokameras hatte die Verwaltung zunächst den Verkehr an verschiedenen Knotenpunkten rund um Herdbruckerstraße und Schelergasse gezählt. Das Ergebnis bestätigte: Beide Straßen werden als Abkürzung genutzt.

Marktplatz wird fahrzeugfrei

Jetzt wird also gesperrt. Die Pflanzkübelreihe beim Marktplatz wird Richtung Fischkastenbrunnen verlängert. Dazwischen werden entfernbare Poller installiert, damit im Fall des Falles die Feuerwehr durchkommt. Die Schranke, die zurzeit zwischen 22 und 6 Uhr die Durchfahrt in die Herdbruckerstraße sperrt, wird geöffnet, damit sie von der Schelergasse her angefahren werden kann – und zwar nur noch von dort. Die neue Fußgängerzone wird bis zur Einmündung der Neuen Straße verlängert. Damit wird der Marktplatz fahrzeugfrei.

Wobei der Lieferverkehr für die Andienung der Geschäfte und Restaurants zwischen 5 und 11 Uhr gewährleistet bleibt, ebenso die Zufahrt zu den in der Herdbruckerstraße vorhandenen Behindertenparkplätzen. Mit einem Fragebogen soll in den kommenden Monaten erfasst werden, wie sich die neuen Maßnahmen auf Geschäftstreibende und Anwohner auswirken.

„Mutig“ findet Michael Joukov-Schwelling den Vorstoß. So könne auch der Marktplatz besser bespielt werden. Bei Gerhard Bühler, dessen FWG-Fraktion den Antrag gestellt hatte, eine Lösung für die Situation zu erarbeiten, hielt sich die Begeisterung allerdings in Grenzen. Er warnte, dass Hotels und Musikschule abgeschnitten würden und „der ganze Verkehr“ künftig über die Schelergasse komme. „Aber jetzt probieren wir das mal ein halbes Jahr.“ Tim von Winning gab Widerrede: „Man kann die Musikschule immer noch über die Schelergasse erreichen, und zu den Hotels darf man heute schon nicht.“ Der Baubürgermeister hofft auf eine zusätzliche Chance: „Man könnte das Poller- und Kettengewirr vor dem Rathaus wegnehmen.“

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Zählung

794 Kraftfahrzeuge sind am 24. Oktober 2017 innerhalb von 24 Stunden vom Marktplatz kommend in die Herdbruckerstraße gefahren, ergab eine Verkehrszählung der Stadt.

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