Auktion Versteigerung: Großer Benefiz-Spaß für die ganze Familie

Birgit Eberle 05.12.2016

Auweia! Kaum hat Susanne Rothfuß-Wamsler um 16 Uhr auf ihrem Barhocker im Kornhaus Platz genommen und die ersten Lose aufgerufen, da versagt ihr die Stimme. Frosch im Hals. Wie soll sie so bloß zehn Stunden durchhalten? Die Auktionatorin greift zu Lutschbonbons und weiter geht’s. Pausenlos bis zwei Uhr morgens.

Vom Trio Dekorations-Waffen über den Tablet-PC und Geschenkkörbe bis zu Eintrittskarten für den Table-Dance-Club: Die schräge Mischung an Waren und Gutscheinen und die kabarettistischen Sprüche der „Hammerfrau“ ziehen die Menschen magisch an. Viele haben seit Jahren ihre Stammplätze, manche bringen sogar Verpflegung mit. Es raschelt hier, es raschelt dort  – jegliche Art von „Doping“ ist erlaubt, wenn’s ums Durchhalten geht, wobei die kräftigende Gulaschsuppe, die im Foyer für den guten Zweck verkauft wird, an erster Stelle steht.

„Wenn ich nicht zum ersten und zweiten sage, bin ich noch im Steigermodus“, zeigt Susanne Rothfuß-Wamsler, wo’s lang geht. Das Publikum folgt brav, selbst dann, wenn’s schon fast weh tut. „Der isch gar so hässlich“, beschreibt die Auktionatorin den Bambustisch mit Glasplatte und bekommt ihn trotzdem noch los – für fünf Euro.

Ihre Hartnäckigkeit macht sich bezahlt. Bereits kurz nach 18 Uhr sind 10 000 Euro in der Kasse, gegen 23 Uhr werden es 50 000 sein. Klar, der dickste Brocken ist das Auto, das satte 10 000 Euro einspielt, aber jeder Euro zählt. Das Publikum gibt alles. Die Oma aus Witzighausen beschenkt Enkelin Valentina mit einem riesengroßen Kuschel-Pinguin, die Beamtin ersteigert ein Hackebeil, Uwe Biskup wird zum bekennenden „Wiederholungstäter“. Der Quality-Manager reißt sich das aufwendig gearbeitete Modell eines Mississippi-Dampfers unter den Nagel. „Ich liebe so ausgefallene Sachen“, sagt der 56-jährige Böfinger. Ausgefallen ist auch der Hocker, den die Wendlingerin Monika Röhm nun im wahrsten Sinne des Wortes be-sitzt. „Er könnte auch ein großes Nadelkissen sein“, meint sie und lacht.

Mit einem langen „Oooooh“ quittiert das Publikum den Wert des Mohair-Mini-Teddys von 300 Euro, das gedoppelte Raunen „Ahhhhh, ooooooh“, das sonst nur bei Feuerwerken zu hören ist, fordert einer der Überraschungskoffer heraus, als er von der neuen Besitzerin geöffnet wird und sie die afrikanischen Masken und Puppen einem Siegerpokal gleich in die Höhe reckt.

Und weiter zieht Susanne Rothfuß-Wamsler die Strippen, wobei sie für ihre Auktionisten  nur das Beste will. Den schwarzen Ledermantel gibt sie mit der Warnung „Da laufet Se lieber ned en Ludwigsfeld rom, sonst wered Se abknallt“ heraus, und als wegen der beliebten Obst-Joghurt-Gutscheinpakete vor dem Podium ein gerangelähnlicher Zustand entsteht appelliert sie unverzüglich: „Bringt Euch ned um, für so eine Tüte mit Seeberger-Walnüssen.“

Info Die Online-Auktion startet am Mittwoch, mehr dazu im Internet unter www.aktion100000.de und am Dienstag gedruckt auf der Aktions-Seite.

Ein Ulmer überrascht sich selbst: Spontan das Auto für 10 000 Euro ersteigert

Spannende Minuten Es war ja schon von vorneherein klar, dass die Versteigerung des Autos der Höhepunkt des Abends werden würde. Dass es aber so spannend werden würde, hätte wohl niemand gedacht. „Wo kommat Sie denn auf einmal her?“, fragte Susanne Rothfuß-Wamsler, als sich plötzlich Peter Matousek in das Bieterduell einschaltete und mit 10 000 Euro das höchste Gebot ablieferte. Der Rentner war mit Frau Zdenka und Tochter Miriam da und ein bisschen von sich selbst überrascht. „Ich hab’ einfach spontan mitgeboten. Mein Auto macht gerade Probleme,  da kam die Chance gerade recht“, sagte er froh. Die Freude teilt er mit seiner Frau. Deren Auktions-Beute fiel jedoch bescheidener aus: „Ich hab’ Kosmetikgutscheine geholt – wie immer.“