Im Beethoven-Jahr die „Missa solemnis“ – das war der Plan gewesen fürs traditionsreiche Schwörkonzert im Münster. Dann kam die Pandemie, und seither hat Friedemann Johannes Wieland vermutlich so intensiv Corona-Verordnungen studiert, wie er sonst nur Partituren liest. Was geht? Erst in den letzten Wochen, mit den neuen Lockerungsregeln, hat sich ein veritables musikalisches Programm für ein „kleines“ Schwörkonzert am Samstag, 18. Juli, 19 Uhr, ergeben: mit Blechbläsern des Philharmonischen Orchesters der Stadt Ulm unter Leitung von Generalmusikdirektor Timo Handschuh, mit Wieland selbst an der Orgel und dem Motettenchor der Münsterkantorei. 250 Zuhörer sind erlaubt – 200 kostenlose Karten verlost die SÜDWEST PRESSE.

Wieder Chorproben

Nach dem Infektionsschutzkonzept der evangelischen Landeskirche sind jetzt wieder Chorproben möglich: mit zwei Metern Abstand zwischen den Sängerinnen und Sängern. 40 Minuten darf die Probe dauern, dann muss der Saal eine halbe Stunde gelüftet werden, ehe eine zweite Probeneinheit erlaubt ist. Vor zwei Wochen waren erstmals wieder die Tenöre und die Bässe der Münsterkantorei dran, vergangene Woche die Soprane und der Alt. Diesen Dienstag vereinigten sich dann jeweils alle Männer- und alle Frauenstimmen. Im Münster gibt es zumindest kein Raumproblem, es ist der größte Probensaal der evangelischen Landeskirche.
Ein Wiedersehen und -hören nach dreieinhalb Monaten Zwangspause war das, wobei es virtuelle Chorproben gegeben hat oder auch eine Zoom-Konferenz. Aber kein Vergleich zum Klang im Münster: „Das war erhebend, das war Gänsehaut pur, das Live-Erlebnis ist nicht zu ersetzen“, sagt Kantor Wieland und erzählt vom Glücksgefühl der Sängerinnen und Sänger, als sie sich wieder im Chor begegneten.
Nächste Woche dirigiert Wieland den ganzen Motettenchor, von den 106 Mitgliedern werden 72 beim Schwörkonzert mitmachen, sagt der Kantor – ein musikalisches Aufgebot, wie es das in Ulm seit März nicht mehr gegeben hat. Die Blechbläser werden vor dem Kreuzaltar spielen, der a cappella singende Chor stellt sich im Seitenschiff auf – Dirigent Wieland hat dann seinen Part an der großen Walcker-Orgel schon hinter sich (darunter Sigfrid Karg-Elerts Choral­improvisation „Nun danket allen Gott“, Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge d-Moll und die Toccata aus der 5. Orgelsinfonie Charles-Marie Widors).
Es beginnen die Blechbläser: mit Werken von Giovanni Gabrieli und Antonio Lotti, und sie spielen auch das Ave Maria Anton Bruckners und Kompositionen von Eugène Bozza und Paul Dukas. Das Finale bestreitet der Motettenchor: mit dem Sanctus aus der Deutschen Messe Franz Schuberts, Adolf Seiferts Satz „Der Mond ist aufgegangen“ sowie dem Abendlied Josef Gabriel Rheinbergers. Ein kleines Schwörkonzert, aber ein großes Ereignis in Corona-Zeiten.

So könnt ihr Tickets für das Schwörkonzert im Ulmer Münster gewinnen

Die Münstergemeinde hat 200 Karten für eine Verlosung zur Verfügung gestellt. Und so funktioniert‘s: Bitte bis Dienstag, 14. Juli 2020, eine E-Mail senden an kultur-extra@swp.de
Teilen Sie uns mit, ob Sie eine oder zwei Karten haben möchten. Die zweite Person muss im selben Haushalt leben. Teilnehmen kann man nur, wenn die Namen und die Adresse in der E-Mail stehen.
Die Gewinner werden bis 16. Juli 2020 per E-Mail benachrichtigt: mit der zugewiesenen Platznummer. Zudem erhalten die Gewinner ein Formular, das sie mit ihren persönlichen Angaben ausfüllen müssen – wie beim Frisör oder im Restaurant.
Zum Konzert unbedingt pro Person beide ausgedruckten Papiere mitbringen – die E-Mail mit der Platznummer (als Eintrittskarte) sowie den Erhebungsbogen. Ohne diese Papiere ist kein Einlass möglich.
Und wer dann doch verhindert ist: bitte bis Freitag, 17. Juli, 15 Uhr, per E-Mail melden. Dann können noch Nachrücker ins Konzert.
Die Eintrittskarten sind kostenlos. Das Münster aber bittet am Ausgang um Spenden für den Nothilfefonds der deutschen Orchesterstiftung.