Fluss Verlegung der kleinen Blau abgeschlossen

Die Verlegung der Kleinen Blau ging mit umfangreichen Hochwasserschutzarbeiten einher.
Die Verlegung der Kleinen Blau ging mit umfangreichen Hochwasserschutzarbeiten einher. © Foto: SWP Grafik
Ulm / JULIAN RODEMANN 08.11.2013
Die Bauarbeiten zur Blauverlegung sind nach anderthalbjähriger Bauzeit abgeschlossen. Die Kleine Blau musste dem Projekt „Citybahnhof“ weichen.

Sichtlich stolz zeigte sich Michael Potthast von den Entsorgungsbetrieben der Stadt Ulm (EBU) vor Pressevertretern über den glatten Verlauf der Bauarbeiten zur Verlegung der Kleinen Blau. Der Zeitplan sei eingehalten worden, Zwischenfälle größtenteils ausgeblieben. „Nur einmal war die Natur stärker als wir: Am 4. August 2013 stieg die Blau innerhalb von zwei Stunden so schnell, dass wir zu spät kamen. Eine Gaststube im Fischerviertel stand für kurze Zeit unter Wasser.“

Weil die Sedelhöfe im Rahmen des Projekts Citybahnhof einen unterirdischen Zugang bekommen sollen und der Bahnhof ein neues Parkhaus, stand fest: Die Kleine Blau muss weichen. Der Flussabschnitt von der Schillerstraße bis zur Glöcklerstraße wurde stillgelegt. Statt also wie bislang unter dem Bahnhofsgelände hindurch zu fließen, wird ein Großteil der Wassermasse nun bereits im neu erbauten Hochwasserentlastungskanal entlang der Inneren Wallstraße in die Große Blau geleitet.

Damit die Kleine Blau aber auch Teil des Dichterviertels bleibt, folgt das restliche Wasser dem bisherigen Verlauf bis in die Schillerstraße, wo es dann ebenfalls in die Große Blau fließt – und zwar über einen dort bereits vorhanden gewesenen Regenwasserkanal, zu dem lediglich der Zugang neu gebaut werden musste. Oberste Prämisse des mit 4,8 Millionen Euro kalkulierten Projekts war es, nebst „Erhaltung der Kleinen Blau als Lebensader“, für zukünftige Hochwasser gerüstet zu sein, stellte Potthast klar. Aus diesem Grund waren auch diverse Geländeanhebungen und Objektschutzmaßnahmen Teil der anderthalbjährigen Bauphase, die jetzt endet. So wurden in der Weststadt Radwege erhöht und Schotterflächen angehoben. Auch in der Glöcklerstraße im Fischerviertel, wo bisher die Kleine Blau auf ihre große Schwester traf, waren Baumaßnahmen von Nöten. Dort wurde ein neues Verteilerbauwerk errichtet, um Wasser von der Großen Blau für das Fischerviertel wieder ins Bett der Kleinen zurückzuführen.

Als die Wehranlage am Kobelgraben ausgetauscht wurde, was ebenfalls Teil der Arbeiten war, sah sich das Bau-Team Extrembedingungen ausgesetzt. Während des Hochwassers an den Weihnachtsfeiertagen 2012 mussten ein Baggerfahrer und ein Hochwasserexperte Tag und Nacht vor Ort sein, um mit viel Erfahrung und Feingefühl per Bagger den Hochwasserabfluss an der Blau zu regulieren. Dass das Gros der Ulmer Bürger derweil gemütlich im Wohnzimmer sitzend Weihnachten feiern konnte, war für sie nur zweitrangig.

Einst diente die Blau der Ulmer Wasserversorgung und war wichtige Energielieferantin. Heute ist sie als Lebensader vor allem ein „Ort der Erholung“ (Potthast) – und das eines Tages vielleicht auch entlang der Bahngleise in der Schillerstraße, wo sie dann überirdisch zu sehen wäre. Bedingung für dieses Sahnehäubchen der städtebaulichen Entwicklung ist allerdings, dass die Bahn der Stadt die dortige Fläche verkauft.

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