Offener Brief Verlag stärkt Feucht nach Kritik den Rücken

Verlag stärkt Walter Feucht nach Kritik an seiner Kolumne den Rücken und beurteilt dessen Text.
Verlag stärkt Walter Feucht nach Kritik an seiner Kolumne den Rücken und beurteilt dessen Text. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Ulrike Schleicher 13.02.2018
Der Geschäftsführer des KSM-Verlags, Michael Köstner, reagiert und verteidigt die umstrittene Kolumne von Walter Feucht.

Walter Feucht sei ein integrer Mann, sagt Michael Köstner, Geschäftsführer des KSM-Verlags, der das monatlich erscheinende Ulmer Stadtmagazin „Spazz“ herausgibt. Der 45-Jährige hat am Dienstag auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE mit wenigen Worten zur öffentlichen Kritik an einer Kolumne des TSG-Vorsitzenden Stellung genommen. Sie war in der Dezemberausgabe des Heftes mit dem Titel „Schlaraffiade“ erschienen. Feucht ist seit Jahren Autor der Kolumne.

Wie berichtet, haben rund 38 Organisationen in und um Ulm in einem offenen Brief an den KSM-Verlag auf den ihrer Meinung nach Vorurteile schürenden, fremdenfeindlichen Inhalt des Textes von Feucht hingewiesen und an die Verantwortung des Verlages als Herausgeber appelliert: „Was mag sich der Autor (und der Herausgeber dieses Magazins) dabei gedacht haben mit diesem Artikel, dessen Sprache – und dessen leitende Gedanken – mit Angst- und Hassformulierungen durchsetzt sind und der ganz systematisch und beständig mit unbelegten Behauptungen operiert?“, heißt es darin. Unterzeichnet wurde der Brief unter anderen von der Stiftung Menschenrechtsbildung in Ulm, der Offenen Kirche Ulm/Blaubeuren sowie der Freiwilligenagentur „engagiert in Ulm“.

Quelle benannt

„Walter Feucht hat zum Beispiel keine Zahlen erfunden“, widersprach Köstner den Anschuldigungen und bezog sich auf den Beginn der Kolumne, in der Feucht von „möglicherweise 520.000 Flüchtlingen, Migranten und Zuwanderern“ schreibt, die in Deutschland „spurlos“ verschwunden seien. Die Zahl stamme unter anderem aus der Tageszeitung „Welt“, sagte Köstner.

Letztere hatte – wie einige andere deutsche Medien im November auch – diese Zahl im Zusammenhang mit Menschen aus anderen Ländern genannt. Diese blieben als Asylsuchende, als Touristen, zum Studium, als befristete Arbeitnehmer und ähnliches ohne Aufenthaltserlaubnis weiter im Land.

Diese und andere Quellen will der Verlagschef den Unterzeichnern des Briefes zusenden. Ihn ärgere diese Anschuldigung besonders, sagte Köstner. Der Vorwurf, dass Feucht mit seiner Kolumne Hass sprachlich inszeniert, wie es im Brief heißt. Und so die Bemühungen der Stadtgesellschaft torpediere, Neuankömmlinge zu integrieren, kann der Verlagschef nur bedingt nachvollziehen. „Feucht schreibt pointiert, das kann man so machen.“ Manches könne man vielleicht auch als überzogen bezeichnen. Aber: „Er vertritt seine Meinung. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“

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