Wechsel Verkehrsstratege Thomas Feig verlässt Ulm

Ulm / HANS-ULI THIERER 31.08.2016
Mitten hinein in die Großbaustelle Ulm platz diese Nachricht: Thomas Feig, Chef der Hauptabteilung Verkehr, verlässt die Stadt. Richtung München.

„So eine Gelegenheit kommt nicht oft. Und das mit 53. Da muss ich nichts sagen.“ Sagt Thomas Feig. Und sein Chef Tim von Winning: „Erst mal wird’s dramatisch für uns. Gerade jetzt.“ Der Ulmer Baubürgermeister beschreibt damit einen „Verlust, den ich sehr  bedauere – und das nicht nur wegen des Zeitpunkts“.

Thomas Feig verlässt Ulm. Er ist von Winnings Mann an den Fronten der Baustellen, an denen es momentan in Ulm wahrlich nicht mangelt. Jede Baugrube in der Stadt zieht Eingriffe ins bestehende Verkehrsnetz nach sich: Umleitungen, Umstände, Ärger, Proteste. Eine der vielen Aufgaben Feigs und der Mitarbeiter seiner Abteilung ist es, den Verkehr so gut es geht am Laufen zu halten; Strategien zu entwickeln, die die Beeinträchtigungen so maßvoll wie möglich halten.

Jetzt also geht dieser Straßen- und Verkehrsstratege. Mitten in einer Phase, in der Ulm vielen Menschen wie eine einzige Großbaustelle erscheint:  Straßenbahnlinie 2, deren Baustellen sich durch die halbe Stadt ziehen, Sedelhöfe, neue Tiefgarage vor dem Hauptbahnhof kennt jeder. Vieles andere, Kleineres, kommt hinzu: Umbau der Zeitblomstraße in eine Radfahrstraße, Ertüchtigung des Berliner Rings an der Sporthalle Ulm-Nord, Brückensanierungen und -rückbauten . . .

Die Geschichte will es, dass der in die Konsequenzen des Straßenbahnbaus so stark eingebundene Feig in dieselbe Stadt wechselt, wie derjenige, dessen Herzensanliegen dieser Straßenbahnbau über viele Jahre hinweg war: Ingo Wortmann. Der Geschäftsführer der SWU-Verkehrsbetriebe wird am 1. Oktober Chef der Verkehrsbetriebe München. Einen Monat später folgt Feig ihm in die Bayernmetropole.

Feig übernimmt dort im Kreisverwaltungsreferat der Stadt die Leitung der Hauptabteilung Straßenverkehrsbehörde. Ein Posten, deutlich höher dotiert ist als die A-16-Stelle in Ulm. In München sind ihm 600 Mitarbeiter unterstellt. Die Personalverantwortung verdreifacht sich somit  gegenüber den bisherigen 220 Mitarbeitern in der Ulmer Hauptabteilung beinahe.

Vereinfacht gesagt wird Feig Münchens neuer Mann  fürs Verkehrsmanagement. Er ist jedoch nicht nur der wichtigste Schilderaufsteller in der dauerhaft verkehrsüberlasteten Millionenstadt, sondern im Benehmen mit der Polizei außerdem zuständig für den Betrieb der Verkehrsleitzentrale; darüber hinaus wird er noch Chef der Führerschein- und Zulassungsbehörde. „Für diese Aufgaben, die in einer solchen Großstadt natürlich gewaltig sind, wollten sie einen Bauingenieur. Das konnte ich anbieten“, sagt Feig.

Was sich nach großer Bandbreite anhört, ist im Vergleich zu Ulm ein auf den Verkehr beschränktes Feld. Im weit mehr als zehnmal kleineren Ulm hingegen ist  Feigs Zuständigkeitsbereich mit einer Fülle von Aufgaben ausgestattet – wie allein die Bandwurm-Bezeichnung des Amtes  aussagt. Feig ist verantwortlich für die Hauptabteilung Verkehrsplanung, Straßenbau, Grünflächen und Vermessung.

Der aus Regensburg stammende Feig (siehe Infokasten) bewegt sich dabei also auf konfliktträchtigem Terrain. „Schließlich leben in Ulm 125 000 Verkehrsplaner, und die fünf dümmsten sitzen im Rathaus“, sagt  Baubürgermeister von Winning in einem Anflug von Sarkasmus.

Feig habe die Aufgabe in den knapp sieben Jahren seines Ulmer Daseins alles in allem gut gemeistert. Von Winning schätzt am Hauptabteilungschef die  Fähigkeit, „gut abwägen zu können zwischen verkehrlichen  Belangen und anderen Bedürfnissen in der Stadt“. Und auch, dass die Hauptabteilung allen Schwierigkeiten der öffentlichen Hand  bei der Besetzung von Stellen zum Trotz personell und mit sieben Abteilungsleiter/innen auch strukturell tüchtig aufgestellt sei.

Das meint auch Feig, der mit einem lachenden Auge geht. „Wegen der Herausforderung.“. Aber auch mit einem weinenden. „Ich verlasse eine tolle Mannschaft.“ Aber die Chance München kann sich einer ja wahrlich nicht entgehen lassen.

Zur Person

Thomas Feig Er ist 53 Jahre alt und wurde 2009 zum Chef der Hauptabteilung  Verkehrsplanung, Straßenbau, Grünflächen, Vermessung der Stadt Ulm gewählt: Thomas Feig, Bauingenieur. Er trat seine Stelle Anfang 2010 an und kam dazu flussaufwärts von Regensburg nach Ulm. Dort lebt seine Familie – Ehefrau und zwei Töchter im Alter von 14 und 17 Jahren –  bis heute. Wenn es die Dienstpflichten zulassen, pendelt Feig an Wochenenden zwischen beiden Donaustädten. Seine Wegstrecken werden sich künftig verkürzen: Zwar ist Regenburg ähnlich weit weg von München wie Ulm (120 Kilometer), die Straßenentfernung Ulm-Regensburg ist aber an die 100 Kilometer länger.

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