Sechs oder acht Spuren? Das ist die Schlüsselfrage, wenn es um den Neubau der Adenauerbrücke geht. Die 150 Meter lange Brücke ist die wichtigste, am stärksten befahrene Verbindung zwischen Ulm und Neu-Ulm. Sie ist 66 Jahre alt und marode, muss abgerissen und ersetzt werden. In diesem Frühjahr wollte die Stadt den Durchgangsverkehr messen, dann kam die Corona-Krise dazwischen. „Das wäre null komma null aussagekräftig gewesen“, sagt Michael Jung, Leiter der Hauptabteilung Verkehr. Dennoch soll Corona „keine Verzögerung in die Planung bringen“, sagt Jung. Er möchte, dass Ende des Jahres politisch entschieden wird, wie die neue Brücke gebaut wird.
Dabei geht es nicht nur um die Zahl der Spuren und die Breite, sondern auch um die Bauweise. Mittlerweile liegt den Planern in Ulm und Neu-Ulm das Verkehrsgutachten des Staatlichen Bauamts Krumbach vor – der Bund wird die Baulast und die Kosten übernehmen, die derzeit auf 25 Millionen Euro geschätzt werden.

Brücke wird für die nächsten 80 Jahre gebaut

Das Gutachten stellt ausgehend von der aktuellen Belastung der Brücke (nahezu 100.000 Fahrzeuge im täglichen Durchschnitt) Prognosen auf, wie der Verkehr künftig zunehmen könnte und was das für einen Brücken-Neubau bedeutet. Auf Grundlage dieses Gutachtens finden derzeit in den Stadtverwaltungen Vorplanungen statt. Im Herbst soll darüber öffentlich beraten und dann entschieden werden.
Das Schwierige an jeglicher Planung ist, dass eine solche Brücke für die nächsten 80 Jahre gebaut wird, sagt Michael Jung – wer könne schon sagen, was in der langen Zeit alle passiere? Zudem müsse man eine verkehrspolitisch vernünftige Lösung finden, die aber auch als politische Botschaft vertretbar ist.
Das führt zur Spuren-Frage zurück. Denn acht Spuren bedeuten nicht nur mehr Kapazität, sondern auch mehr Flexibilität in der Verkehrsführung. Andererseits wäre eine solch enorme, dann mehr als 40 Meter breite Brücke in Zeiten von Mobilitätswende und Klimakrise auch ein verkehrs- und damit gesellschaftspolitisches Statement. „Es ist sehr komplex, es sind viele Faktoren zu berücksichtigen“, weiß Jung.

Gänstorbrücke muss zuerst fertig werden

Realität werden soll die neue Adenauerbrücke erst, wenn die neue Gänstorbrücke fertig ist, also nicht vor 2025. Sie sollte aber noch im Vorfeld der Landesgartenschau 2030 entstehen, weil der Bau der Brücke die Ehinger Anlagen beeinträchtigen wird, die im Gartenschaukonzept eine bedeutsame Rolle spielen.
Noch ist das Zukunftsmusik. 2021 will Jung erst mal die wegen Corona ausgefallene Erhebung des Durchgangsverkehrs nachholen.

Untersuchungen des Baugrunds beginnen am Montag

Baugrund Zur Planung des Brückenneubaus und der anschließenden Straßenabschnitte muss der Baugrund beurteilt werden. Das geschieht ab Montag, 6. Juli, bis voraussichtlich Mitte August mit Aufschlussbohrungen, Sondierungen und Baggerschürfen, teilt die Stadt mit. Die Aufschlüsse befinden sich im Bereich der unter der Adenauerbrücke verlaufenden Geh- und Radwege (Ziegelländeweg, Jahnufer) sowie im Verkehrsraum der überführten B 10. Mit zwei weiteren Aufschlüssen werden von einem Ponton aus die Untergrundverhältnisse der Donau erkundet.

Einschränkungen Der Fuß- und Radverkehr wird die ganze Zeit aufrechterhalten. Im Bereich der B 10 werden für die Erkundungen einzelne Fahrstreifen gesperrt: in verkehrsschwächeren Zeiträumen, montags bis donnerstags zwischen 9 und 15 Uhr. Mit zwei Baugrundbohrungen im Straßenbereich müssen tiefere Untergrundschichten aufgeschlossen werden. Diese Bohrungen im Bereich der Brückenwiderlager sollen an den Wochenenden 25./26. Juli und 8./9. August stattfinden. Die betroffenen Fahrstreifen werden für jeweils rund zehn Stunden gesperrt.