Am Ende waren sich alle einig: Die Friedrich-­Ebert-Straße am Bahnhof bleibt nur in eine Richtung befahrbar, bis die Bauarbeiten für Tiefgarage, Passage und künftige Haltestellen beendet sind – wenn alles gut geht, bis Mitte 2022 also. So eindeutig das Abstimmungsergebnis im Bauausschuss auch war, so unterschiedlich ist die Stimmungslage unter den Stadträten jedoch.

SPD hält Innenstadt für gut erreichbar

Die SPD verbreitete Optimismus. Die ersten Adventssamstage hätten gezeigt, dass die Ulmer Innenstadt attraktiv und erreichbar sei, sagte Martin Rivoir. Sein Appell: „Reden wir gut über Ulm und nicht schlecht!“  Die Grünen übten leise Kritik. Ulm habe sich an dieser Stelle zu viel zugemutet, sagte Michael Joukov-Schwelling. „Aber es bringt nichts, nach Schuldigen zu suchen.“

Die FWG setzte sich mit dem Vorschlag der IHK auseinander, die Fahrtrichtungen in der Friedrich-Ebert-Straße zu drehen, um den Verkehrsfluss zu verbessern. Statt in Richtung Süden wäre die Straße dann Richtung Norden, also zur Olgastraße hin, gesperrt. Die Stadtverwaltung will diesen Vorschlag aufwendig prüfen und im nächsten Jahr die Ergebnisse vorlegen. Ein unnötiger Aufwand, findet Gerhard Bühler. Die Verwaltung wolle damit nur der IHK entgegenkommen.

Veränderte Ampelschaltung am Theater

Die CDU hält die Idee aber nicht für abwegig und ist für eine Prüfung. Die Fraktion stimmte der durchgängigen Sperrung zwar zu, „aber uns ist nicht ganz wohl“, sagte Winfried Walter.

Um den Verkehr an der stark belasteten Theaterkreuzung besser in die Neutorstraße abfließen zu lassen, haben die Verkehrsplaner die Ampelschaltung verändert. Die Stadt gibt der IHK Recht: Mit der Eröffnung der Tiefgaragen am Bahnhof und in den Sedelhöfen werde sich die Situation verschärfen. Entspannung gebe es aber, wenn die Friedrich-Ebert-Straße fertig ist und der Verkehr aus den Parkhäusern auch nach Süden abfließen kann.

Weitere Verzögerung nicht ausgeschlossen

Die Bauverwaltung geht nach dem jetzigen Zeitplan davon aus, dass die einseitige Sperrung bis Mitte 2022 dauert. Allerdings gibt es noch einige Unwägbarkeiten, sagte Harald Walter. Vor allem zwei Themen bergen das Potenzial für weitere Verzögerungen:

  • Leitungen, Kanäle und Zugangsschächte einer Telekomleitung müssen erneuert werden, weil sie nicht mehr ausreichend tragfähig sind. Die SWU rechnen mit einer Bauzeit von vier bis sechs Monaten, während der dort keine anderen Arbeiten erledigt werden können. Im Bereich der Passage muss erst noch geprüft werden, ob die Telekomtrasse in ihrer derzeitigen Höhe bleiben kann. Die Passage wird zudem von einer Fernwärmeleitung gequert. Wenn der Rohbau fertig ist, muss die FUG die neuen Leitungen anschließen. Da diese Arbeiten stark witterungsabhängig sind, würde ein strenger Winter zu erheblichen Verzögerungen führen.
  • Keller und Gewölbe: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Keller nicht verfüllt, sondern nur durch Betonplatten abgedeckt. Dieser Mangel an tragfähigem Baugrund wird nun behoben. „Wir übergeben künftigen Generationen ein vollkommen aufbereitetes Baufeld“, sagte Walter. Allerdings befinden sich zwischen Passage und Post möglicherweise Reste der Stadtbefestigung aus dem 17. Jahrhundert. Jetzt sind erst mal die Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege damit befasst. Ihr Ergebnis steht noch aus – und das Risiko weiterer Verzögerungen damit ebenfalls. Um den Bauablauf möglicherweise weiter zu straffen, holt die Stadt die Expertise eines zweiten Expertenbüros ein.

24 Stunden


So lang ließ die Stadt den Verkehr in der Friedrich-Ebert-Straße zählen. Das Ergebnis: Am 19. November waren auf Höhe C & A 7410 Fahrzeuge unterwegs, Höhe Keltergasse 9740. Das sind etwas weniger als im März 2018, damals noch bei Zweispurigkeit und Gegenrichtungsverkehr.