Ulm Vereinsleben: Homöopathie als Ergänzung zur Schulmedizin

Elke Klöcker mit einer traditionellen Hausapotheke aus homöopathischen Kügelchen.
Elke Klöcker mit einer traditionellen Hausapotheke aus homöopathischen Kügelchen. © Foto: Clara-Marlene Berger
Ulm / CLARA-MARLENE BERGER 19.08.2015
Irrsinn, Humbug, Quacksalberei - diese Begriffe fallen häufig von Skeptikern alternativmedizinischer Behandlungsmethoden. Der Verein für Homöopathie und Gesundheitspflege Ulm/Neu-Ulm will mit diesen Vorurteilen aufräumen.

Eine kleine Zeitreise in das Jahr 1796: Der deutsche Arzt Dr. Samuel Hahnemann aus Meißen macht bei einem etwas gewagten Selbstversuch eine interessante Entdeckung. Obwohl er selbst nicht an Malaria erkrankt ist, bekommt er durch die regelmäßige Einnahme der Chinarinde - dem damaligen Heilmittel gegen Malaria - genau die Symptome, an denen Malariapatienten leiden. Aus seinen Erkenntnissen formuliert Hahnemann das so genannte Ähnlichkeitsprinzip: "Similia similibus curentur", lateinisch für "Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden". Sein Versuch gilt als Geburtsstunde der Homöopathie. Rund zwei Jahre später führt Hahnemann die Potenzierung ein - das Mischen einer Urtinktur in bestimmten Verhältnissen mit Wasser oder Alkohol.

Der 1903 gegründete Verein für Homöopathie und Gesundheitspflege Ulm/Neu-Ulm klärt Laien über Hahnemanns Lehren auf. "Ziel ist es, die klassische Homöopathie im Sinne Hahnemanns zu pflegen und Anregungen zu gesundheitsfördernden, natürlichen Lebensweisheiten zu geben", sagt Elke Klöcker, die seit 21 Jahren erste Vorsitzende des Vereins ist. "Unser Angebot besteht unter anderem aus Vorträgen und Fortbildungen", sagt Klöcker. Von Heilfasten bis hin zu homöopathischen Schmerzbehandlungen - die Vorträge behandeln unterschiedliche Themen der Gesundheitspflege.

Auch die Handhabung homöopathischer Reise- und Hausapotheken ist regelmäßig Inhalt der Vorträge, die in der Familienbildungsstätte Ulm stattfinden. Die Referenten sind Ärzte, Biologen und andere Experten. Im Publikum werden nicht nur Mitglieder des Vereins Willkommen geheißen. "Unser Angebot ist für jedermann interessant - wir sind eben ein Laienverein. Gäste sind immer herzlich eingeladen", sagt Klöcker.

Diese zahlen für einen Vortrag fünf Euro Eintritt, Mitglieder einen Euro. In den Fortbildungen lernen die Laien über die Anwendungen homöopathischer Arzneimittel bei Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen. Darüber hinaus organisiert der Verein stets einen Jahresausflug und ein Neujahrs-Essen mit Hauptversammlung.

Derzeit zählt der Verein Ulm/Neu-Ulm 107 Mitglieder - Tendenz steigend. "Unser Verein ist zum Glück nicht überaltet. Aber neben den vielen Mitgliedern mittleren Alters möchten wir jetzt gerne besonders junge Eltern erreichen", sagt die Vorsitzende. Denn auch für die jungen Menschen sei es wichtig zu erfahren, dass es neben der Schulmedizin noch mehr gebe.

Elke Klöcker sieht ein Problem im zunehmenden Desinteresse junger Generationen gegenüber Vorträgen in Vereinen. In den Augen vieler junger Menschen gehe eine Selbstdiagnose über das Internet weitaus schneller, als sich in einem Verein über das Thema zu informieren. "Doch die Recherche auf eigene Faust ersetzt keine Anamnese - eine Beobachtung und Befragung des Patienten durch einen Fachmann", erklärt sie. Schließlich habe Hahnemann ebenfalls hinterlassen, "nicht Symptome, sondern den ganzen Menschen zu behandeln".

Neben dem lokalen Verein sitzt auch der Verband klassischer Homöopathen Deutschlands (VKHD) in Ulm in der Wagnerstraße. Der Verband will die berufsspezifischen Interessen von Homöopathen vertreten und fördern sowie die Ausübung der klassischen Homöopathie durch Heilpraktiker auch in Zukunft sichern. Derzeit zählt der Verband rund 1400 aktive Mitglieder. Weitere Informationen zum VKHD im Internet unter www.vkhd.de

Info Bei Fragen und für weitere Infos zum Verein für Homöopathie und Gesundheitspflege Ulm/Neu-Ulm ist Elke Klöcker Ansprechpartnerin, per E-Mail: kloecker@gmx.de oder unter Tel. (0731) 93 87 375.