Ulm Verein "Leise": Schwörmontag zu laut und zu dreckig

Ulm / HANS-ULI MAYER 09.08.2012
Kritik an der Schwörmontagsparty: Die Feier in der Ulmer Innenstadt wird immer lauter und immer dreckiger. Diese Meinung vertritt jedenfalls der Verein "Leben in der Stadt" - und kündigt Protestaktionen an.

So viele Besucher wie nie, so laut wie nie, so dreckig wie nie. So jedenfalls ist die Einstellung der Innenstadtbewohner zum diesjährigen Schwörmontag. Gut 30 Personen waren der Einladung des Vereins „Leben in der Stadt“ gefolgt und ließen ihrem Ärger freien Lauf. In dieser Form sei der Schwörmontag kein Bürgerfest mehr, sondern ein Kneipenfest, sagte ein Anwohner, der zudem beklagte, dass zwei Drittel der jungen Gäste von auswärts kämen, „um in Ulm die Sau rauszulassen“.

Der Verein, der seit Jahren gegen viele öffentliche Veranstaltungen in der Innenstadt kämpft, will nicht locker lassen und sammelt Argumente für die Auseinandersetzung mit der Stadtverwaltung. An der wird kaum gutes Haar gelassen, die Genehmigungspraxis sei zu lasch, obendrein hätten Verwaltung und Gemeinderat längst vor der Gastronomie kapituliert. Wirte und Bierbrauereien machten „den Reibach“ des Jahres, kritisierte ein Bewohner des Fischerviertels: „Da müssen wir unbedingt ansetzen.“

Die Beschreibungen der Bewohner von den Abendstunden des Schwörmontags in der Ulmer Innenstadt überschlagen sich vor Unappetitlichkeiten. Betrunkene würden sich in Vorgärten erbrechen, in Hauseingänge pinkeln oder in dunklen Ecken ihre Notdurft verrichten. Eine Anwohnerin forderte, beispielsweise die Passage zwischen Pfauengasse und Münsterplatz an dem Abend zu sperren, weil die vorrangig als öffentliche Bedürfnisanstalt genutzt werde.

Ein Unter der Metzig wohnendes Ehepaar berichtete davon, dass es aus der Friedrichsau kommend nicht mehr in sein Haus gekommen sei, weil vor der Tür „völlig betrunkene Männer“ gelegen hätten. Von denen seien die Eheleute angepöbelt und bedroht worden. Eine Frau aus der Herdbruckerstraße brauchte fast eine Stunde mit dem Auto von der Zinglerstraße zu ihrem Haus. Im nächsten Jahr will sie Ulm an Schwörmontag verlassen und auswärts in ein Hotel ziehen: „Der Schwörmontag ist nicht mehr für die Ulmer da.“

Auf wenig Gegenliebe stieß der Vorschlag einer Frau, die Innenstadt einzuzäunen und Eintritt zu verlangen. Ein anderer Vorschlag forderte ein Verbot von DJ und Musik vom Band. Genehmigungen an Wirte sollten die Bedingung enthalten, Live-Bands auftreten zu lassen, andere forderten, eine Obergrenze der Dezibel festzulegen. Eine weitere Stimme verlangte einen Nutzungsplan für die öffentlichen Plätze in der Stadt, anhand dessen viele Nutzungen von vornherein ausgeschlossen werden könnten.

Ein erster Schritt werde sein, die Stadt dazu zu bringen – notfalls mit einer Unterschriftensammlung –, in einem Fragebogen an die Innenstadtbewohner deren Meinung und Einschätzung zum Schwörmontag einzuholen. Eine Rechtsanwältin kündigte an, künftig gegen städtische Entscheidungen wie Genehmigungen von Festen notfalls auch juristisch vorgehen zu wollen.

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