Gögglingen / VERENA SCHÜHLY  Uhr
Zweimal haben Vandalen in den vergangenen Wochen die Maria-Hilf-Kapelle bei Gögglingen heimgesucht und beschädigt. Nun ist eine Kamera in der Nähe installiert, um das abgelegene Häuschen zu schützen.

Ein Altarbild gestohlen, das Ersatzbild kaputt, die Wände mit üblen Graffiti beschmiert. Gleich zwei Mal haben unbekannte Täter seit Dezember die Maria-Hilf-Kapelle bei Gögglingen heimgesucht und dort erheblichen Schaden angerichtet. "Das ist mehr als ärgerlich, und es ist für mich absolut nicht nachvollziehbar, mit welcher Motivation jemand das macht", moniert Anton Walter, dessen Familie die kleine Kapelle an der Straße zwischen Gögglingen und Unterweiler gehört.

Ein Rentner hat Walter kurz nach Weihnachten darauf aufmerksam gemacht, dass Unbekannte das Häuschen beschädigt hatten. Walter ging hin und stellte fest, dass das Marienbild - eine Ikonen-Reproduktion - gestohlen war und die Innenwände mit Hakenkreuzen beschmiert waren. Er erstattete Anzeige bei der Polizei und hängte ein anderes Bild in die Altarnische.

Keine vier Wochen später traute Walter seinen Augen nicht: "Irgendwelche Chaoten" hatten schon wieder zugeschlagen. Dieses Mal war das Ersatzbild aus seiner Verankerung gerissen, der Rahmen lag zerbrochen am Boden, und das Bild war so mit schwarzer Farbe besprüht, "dass man es nur noch wegschmeißen kann". Außerdem gab es neue Schmierereien: Diesmal stand da "Scheiß Kanaken".

Anton Walter ging wieder zur Polizei. Er bekam dort zu hören, was er bereits vermutet hatte: Wahrscheinlich ist es unmöglich, die Täter dingfest zu machen. Den angerichteten Sachschaden beziffert der Eigentümer mit rund 1000 Euro.

"Von den Tätern fehlt jede Spur", sagt der Ortsvorsteher von Gögglingen und Donaustetten, Markus Mendler. Weil die Kapelle etwas abgelegen am Damm liegt, ist sie schwer einzusehen. Niemand hat Verdächtiges beobachtet.

Waren es möglicherweise die selben Täter? "Es ist anzunehmen, trotzdem bleibt es Spekulation", antwortet ein Sprecher des Polizeipostens Wiblingen auf Nachfrage. Die Vermutung liege nahe, weil "all die Jahre nichts war" und dann Vandalen zweimal hintereinander in gleicher Weise zuschlugen.

Inzwischen hat sich auch der Förderkreis zur Erhaltung der Wiblinger Kapellen, Flurkreuze, Bildstöcke und Kleindenkmale in die Sache eingeschaltet: Auf sein Betreiben wurde im Baum neben der Maria-Hilf-Kapelle eine Überwachungskamera installiert. Sie funktioniert mit einer Batterie, ein Bewegungsmelder löst die Aufzeichnung aus. Wie der Vereinsvorsitzende Peter Rau berichtet, gab es vor einigen Jahren Problem mit Sprayern an der Fischhauser Kapelle. Dort hat der Förderkreis auf Anraten der Polizei damals eine solche Kamera installiert, "seither ist Ruhe", so Rau. Die Anschaffung haben Spender finanziert.

Anton Walter ist dankbar für die Unterstützung. Was hält die Polizei davon? "Bestimmt möchte niemand als Privatperson beim Gebet gefilmt werden. Aber auf Privatgrund ist es erlaubt", heißt es von der Wiblinger Polizei. Und "im Sinne der Täterermittlung ist es eine geeignete Maßnahme".

Hilfe haben die Eigentümer auch von anderer Seite erfahren. "Der Rentner hat ungefragt die Schmierereien abgekratzt", berichtet Walter. Der Mann fühle sich der Kapelle wohl aus persönlichen Gründen verbunden. Nach dem Winter will die Familie den Innenraum neu weißeln und wieder ein passendes Marienbild hineinhängen. Anton Walter würde sich zwar wünschen, dass "die Chaoten gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden, aber da hoffe ich wohl vergebens. Na ja".

Im Jahr 1614 errichtet