Infoabend Überflutete Keller am Kuhberg: Ursachenforschung im Gange

So wie die Unterführung Ende Mai 2016 am Ehinger Tor unter Wasser stand, so waren auch die Keller am Kuhberg überflutet. Es war nicht das einzige Mal. Viele im Wohngebiet mussten mehrmals Räume trocken legen.
So wie die Unterführung Ende Mai 2016 am Ehinger Tor unter Wasser stand, so waren auch die Keller am Kuhberg überflutet. Es war nicht das einzige Mal. Viele im Wohngebiet mussten mehrmals Räume trocken legen. © Foto: Volkmar Könneke
Ulrike Schleicher 08.11.2017
Beim Infoabend der Stadt über die Ursachen der überfluteten Keller stellt sich heraus: Kuhberg-Anwohner sehen Linie 2-Baustelle als Hauptursache. Die Stadt weist Eigentümer auf ihre Verantwortung hin.

Jahrzehntelang kannte man dieses Problem überhaupt nicht. Und dann liefen die Keller von Kuhberg-Bewohnern gleich mehrmals voll. Welches die Ursachen dafür sind – ob die Bauarbeiten für die Linie 2 damit zusammen hängen, der Schotter und Schmutz davon eine Rolle spielt, ob es verstopfte Kanäle waren, ob es innerhalb kurzer Zeit einfach zu stark geregnet hat und die Kanäle das unter anderem 50-jährliche Regen-Ereignis nicht aufnehmen konnten. Oder, ob die Entwässerungssysteme in den Häusern vieler Geschädigter einfach unzureichend sind – all diese Fragen sollten beim Infoabend der Stadt am Montagabend beantwortet werden.

Das gelang nicht. Was für die Verwaltung von Anfang an klar war. „Manches können wir nicht beantworten. Noch nicht. Die Ursachenforschung ist im Gange“, sagte Baubürgermeister Tim von Winning zu Beginn der Veranstaltung in der vollbesetzten Aula. Er war zusammen mit EBU-Chef Michael Potthast und Straßenbahnplaner Ralf Gummersbach auf dem Podium. „Und manche können wir nie beantworten. Dazu ist das Thema zu komplex. Wir können nur Möglichkeiten aufzählen und einige Ursachen ausschließen.“

So hätten ungewöhnlich starke Regenfälle – Anzeichen des Klimawandels – im Besonderen den Kuhberg und Einsingen getroffen. „Warum wissen wir nicht.“ Klar sei, durch die Starkregen würden sich künftig die Rahmenbedingungen ändern: „Was vor 40 Jahren gegolten hat, gilt nicht mehr.“

Die Unwetter haben zum Teil zur Überlastung des Kanalnetzes geführt. Was aber nicht bedeute, dass die Kanäle zu klein dimensioniert seien. „Wir liegen in der gesetzlichen Norm und haben natürlich einen Puffer.“ Fakt sei: Regenfälle wie die etwa im Mai 2016 muss das Kanalnetz nicht aufnehmen können, erklärte Potthast. So sei nicht nur die Rechtslage, „es gibt in keiner Stadt der Welt ein Kanalsystem, das alle Eventualitäten abdecken kann“.

Er verwehrte sich dagegen, dass die Kanäle verschmutzt gewesen seien, wie seitens der Bürger vehement behauptet wurde. Vor allem Anwohner der Königstraße erzählten von Schotter, der die Kanäle verstopft habe. „Wir reinigen sie alle drei Jahre“, sagte Potthast. Alle zehn Jahre würden sie mit einer Kamera befahren. Lediglich die Anwohner der Römerstraße würden mit der Baustelle überhaupt in Kontakt kommen. Für alle anderen Straßen am Kuhberg existierten eigene Kanäle, Regenwasser von der Wendeplatte oben am Kuhberg werde zur Donau abgeführt.

SWU beauftragen Gutachter

Was die Bewohner der Römerstraße betrifft, so hatten einige davon dieses Jahr im Juni erneut überflutete Keller. Dies nach einem Gewitter, das die meisten als „völlig normal“ wahrgenommen haben. „War es aber nicht“, widersprach von Winning. Der Deutsche Wetterdienst habe Daten geliefert: „Innerhalb kürzester Zeit kam so viel Regen runter wie sonst im halben Monat.“ Trotzdem haben sich die SWU als Bauherr der Linie 2 bereit erklärt, einen Gutachter zu beauftragen. Hintergrund ist, dass im Zuge der Baustelle ein Kanalstück nicht angeschlossen war. Das habe zu einer Überflutung der Baugrube geführt, das Wasser sei daraufhin Richtung Häuser abgeflossen. „Bei uns stand das Wasser einen Meter hoch im Keller,“, hatte damals eine Bürgerin erzählt, die auch beim Infoabend war. Sie habe jetzt eine Rückstauklappe eingebaut, sagte sie. Bei Nachbarn sei das Wasser jedoch zum Teil durch die Wände gedrückt.

Der Einbau einer Rückstauklappe sei verpflichtend für Eigentümer, unterstrich Potthast. Genau so wie die Kontrolle der Entwässerungskanäle alle zehn Jahre. Seiner Erfahrung nach sei eine unzureichende Entwässerung ein Kernproblem: „Wir haben sechs Fälle unter die Lupe genommen. Überall waren Mängel schuld.“ Das gelte auch für Außenwände, die nicht dicht seien. Die Stadt wolle die Verantwortung nicht abgeben – „aber Eigentümer müssen selbst handeln“. Die meisten wüssten nicht, wo sich ihre Leitungen befänden: „Wir sehen nur das Kanalnetz und die Einleitungen – nicht, wo sie enden.“

Natürlich sei der Bürger schuld, höhnte einer der Zuhörer. Und auch andere wollten der Stadt nicht glauben: „Immer wenn am Kuhberg gebaut wurde, ist so was passiert.“

Kuhberg wird als erstes Stadtgebiet untersucht

Maßnahmen Der Kuhberg ist das erste Stadtgebiet, das im Zuge einer Starkregenkonzeption untersucht wird. Dabei wird ein Raster über das Gebiet gelegt und berechnet, an welchen Punkten Wasser wie schnell abfließt, versickert oder sich staut. Auf diese Weise findet man Risikobereiche. Ergebnisse sollen im Frühjahr 2018 vorliegen. Michael Potthast fordert Bewohner auf, Fotos an rueckstau@ebu-ulm.de zu schicken, wenn es wieder Gullideckel nach oben drücke. Zudem hat das Unternehmen ein Video ins Netz gestellt, in dem man den Kanal in der Königstraße 2010 von innen sieht und weist darauf hin, dass er im Mai 2016 gespült wurde und dies jetzt noch einmal geschehe.