Ulm Urologen

RUDOLF KÜBLER 12.07.2016
Die Uni-Klinik für Urologie und Kinderurologie bietet Patienten jetzt ein neues und präziseres Verfahren zur Diagnostik des Prostatakarzinoms an.

Das neue Verfahren kann zur Anwendung kommen, wenn die Standarddiagnostik nicht weiterhilft. Bei Gewebeentnahmen aus der Prostata werden mit dem neuen Verfahren die oft weniger aussagekräftigen Ultraschallbilder mit MRT-Aufnahmen (Magnetresonanztomo- graphen) verschmolzen.

Letztere zeigen mögliche Tumoren viel deutlicher, teilt die Uni-Klinik mit. So könnten die Gewebeproben gezielt aus den verdächtigen Arealen entnommen und untersucht werden. Das sei bei herkömmlichen Gewebeentnahmen nicht der Fall. Das neue Verfahren erhöhe die Aussagekraft von Gewebeproben. Die Uni-Klinik für Urologie und Kinderurologie biete dieses Verfahren als erste in einem großen Einzugsgebiet an.

„Wir erweitern unser diagnostisches Spektrum um die modernste Methode. Dies wird den Patienten zugute kommen, insbesondere wenn sie durch unklare Befunde, die im Rahmen der Standarddiagnostik erhoben wurden, verunsichert sind“, erläutert Prof. Christian Bolenz, Ärztlicher Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie. Bei einer herkömmlichen Gewebeentnahme werden mit Hilfe von Live-Ultraschallbildern zehn bis zwölf Proben aus standardisiert festgelegten Arealen der Prostata mit einer Nadel entnommen. „Zusammen mit den Ultraschallbildern, die bei dem neuen Biopsiegerät an einen Hochpräzisionsarm gekoppelt sind, haben wir damit ein Navigationssystem, das uns zielgenau zu verdächtigen Gewebeteilen führt. Dort entnehmen wir unsere Proben“, sagt Professor Bolenz.

Damit lässt sich die bislang oft mit großen Unsicherheiten verbundene Diagnose von Prostatakrebs wesentlich verbessern. „Je früher wir den Prostatakrebs sicher erkennen und dessen Aggressivität einschätzen können, desto aussichtsreicher und möglicherweise schonender ist eine Therapie“, erläutert Oberarzt Dr. Thomas Martini. „Kann oder soll eine Operation vermieden werden, beispielsweise weil der Tumor wenig aggressiv ist oder ein Patient schon sehr alt ist, lässt sich der Verlauf der Erkrankung mit dem neuen diagnostischen Verfahren auch besser überwachen“, ergänzt Dr. Martini. Prostatakrebs ist bei Männern in Deutschland der häufigste bösartige Tumor und die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache.