Lärm Verein „Leise“ klagt über Lärmpegel in urbanen Gebieten

Ulm / cik 10.07.2017
Der Ulmer Verein „Leise“ ist mit der Baugesetzreform und der Begeisterung der Stadträte nicht einverstanden. Die Lärmgrenzwerte in urbanen Gebieten seien zu hoch.

Wohnen und Arbeiten sollen wieder näher zusammenrücken und innerhalb eines Gebietes nebeneinander möglich sein. Dies ist der Kern einer von der Bundesregierung beschlossenen Reform des Baugesetzbuchs und der Einführung von sogenannten „urbanen Gebieten“. Auch die Stadt Ulm will von der Weststadt bis zur Oststadt solche urbanen Gebiete schaffen und damit Wohnen und Arbeiten Tür an Tür ermöglichen. Im Grundsatz findet der Ulmer Verein „Leben in der Stadt“ (Leise) diese Idee vernünftig. Der Vorstand findet aber: Es wird viel zu laut.

„Leise“ stört sich an den Lärmgrenzwerten. In den urbanen Gebieten soll tagsüber ein Grenzwert von 63 Dezibel dB(A) gelten, nachts von 48. Dies sei „eine eindeutige Verschlechterung“ beispielsweise zu den Grenzwerten, die in so genannten Mischgebieten eingehalten werden müssen: tagsüber 60 dB(A), nachts 45. Ein um 3 Dezibel höherer Wert höre sich recht niedrig an, sei es aber nicht, teilt der „Leise“-Vorstand mit. Ein Beispiel: Wenn sich auf einer Straße die Anzahl vorbeifahrender Fahrzeuge gleicher Art und Geschwindigkeit in der gleichen Zeit von 10 auf 20 erhöhe, habe das eine Steigerung des Lärms um diese 3 Dezibel zur Folge.

Verein hat keinerlei Verständnis
„Wenn der Gemeinderat, ohne auf die Lärmproblematik einzugehen, nahezu die gesamte Innenstadt als urbanes Gebiet ausweist, erhöht er die Belastung deutlich“, meint der „Leise“-Vorstand um Ursula Girmond. Schon jetzt befänden sich in den Gebieten zahlreiche Gewerbebetriebe. In Zukunft würden „ohne Not Tausende Stadtbewohner noch mehr Lärm ausgesetzt. Das ist keine menschenfreundliche Politik.“ Der Verein habe dafür keinerlei Verständnis.

Mix Der Stadtentwicklungsausschuss des Gemeinderats hatte am 27. Juni die Neuausrichtung der Stadtplanung beschlossen. Reine Wohngebiete sollen demnach von der Weststadt bis zur Oststadt der Vergangenheit angehören. Wenn irgendwo neue Quartiere entwickelt werden, beispielsweise weil Flächen frei werden, soll ein Mix aus Wohnen und Gewerbe entstehen. Volker Jescheck, der Leiter der Abteilung Stadtplanung, sprach von einem Paradigmenwechsel.

Die Stadt verspricht sich davon lebendigere Quartiere. Die Neuausrichtung soll aber auch dazu beitragen, den Mangel an Gewerbeflächen zu lindern.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel