Natur Urban Gardening in Neu-Ulm

Petra Unseld und Mario Koch freuen sich über die Vielfalt im Gemeinschaftsgarten im „Efeuweg“, denn zu Hause haben sie nur eine Terrasse. Alle zwölf Hobbygärtner hoffen auf Rücksichtnahme der Bürger und Hunde, denn der Garten hat keinen Zaun.
Petra Unseld und Mario Koch freuen sich über die Vielfalt im Gemeinschaftsgarten im „Efeuweg“, denn zu Hause haben sie nur eine Terrasse. Alle zwölf Hobbygärtner hoffen auf Rücksichtnahme der Bürger und Hunde, denn der Garten hat keinen Zaun. © Foto: Volkmar Könneke
Neu-Ulm / Carolin Stüwe 07.08.2018
Wo früher die Stadtgärtnerei stand, betreiben zwölf Neu-Ulmer einen Gemeinschaftsgarten.

Lauch und Karotten sind noch klein, aber der Fenchel hat schon Knollen angesetzt. Dazwischen blüht Phacelia als Bienenweide. Die Beerensträucher sind bereits abgeerntet, und am Apfelbaum hängen Früchte, obwohl dieser Gemeinschaftsgarten im Neu-Ulmer Stadtteil Vorfeld erst im Mai angelegt worden ist. „Der Baum und die Sträucher stammen noch von der Landesgartenschau 2008“, erklärt Mario Koch.

Der 46-Jährige ist einer der zwölf Hobbygärtner, die seit drei Monaten im „Efeuweg“ auf gut 300 Quadratmetern der einstigen Stadtgärtnerei pflanzen, gießen, hacken, jäten, ernten und nochmal gießen. Zum Glück liegt der Garten nachmittags im Schatten einer Reihe hoher Birken.

Kleingärtner schenken Ableger

Die Stadt hat einen Brunnen bohren lassen und Hackschnitzel für die Wege besorgt. „Steine für die Brunnenumrandung und lehmige Erde haben wir über Kleinanzeigen geschenkt bekommen“, sagt Koch. Pflanzgut bringt jeder selbst mit, und die Schrebergärtner der benachbarten Kleingartenanlage Schwaighofen haben den Urban-Gardening-Betreibern übrige Ableger geschenkt.

Rentner Peter Siehler hatte früher selbst einen Garten, der ihm aber zu viel wurde. Jetzt teilen sich die zwölf die Arbeit. „Wir sprechen uns über eine Whats-App-Gruppe ab, wer bereits alles gegossen hat oder was gerade reif ist“, erzählt Petra Unseld (49). CSU-Stadträtin Annette Neulist (51), früher bei den Grünen, wollte schon immer mal gärtnern, traute sich aber einen Eigenanbau nicht zu. Sie findet Urban Gardening „genial gut“, und Mitstreiterin Verena Ochmann (67) baut nun Bohnen und Chinakohl an, obwohl sie weder einen Balkon noch einen Hausgarten hat.

Der biologische Anbau wird großgeschrieben: Das heißt, Blattläuse werden mit Schmierseife bekämpft, Beikraut wird von Hand rausgezupft, und gedüngt wird mit Komposterde vom Breitenhof und mit Brennnesseljauche. Bloß am Montag wurde diese extrem stinkende Jauche nicht angesetzt, denn Oberbürgermeister Gerold Noerenberg hatte seinen Besuch angekündigt. Er brachte Samentütchen etwa für bunte Schnittblumen und Stangenbohnen mit. Er wolle sich das Experiment eine Weile anschauen, und wenn noch mehr Bürger Spaß am Gemeinschaftsgärtnern haben sollten, könne man nach einem weiteren „Fleckchen“ suchen. Übrigens: Der Garten bekommt keinen Zaun. Obwohl es nach wie vor Spaziergänger gibt, die aus alter Gewohnheit von den Gartenschau-Himbeeren naschen.

Mischkultur hat sich bewährt

Wechselwirkungen Die Mischkultur ist der gemeinsame Anbau verschiedenartiger Pflanzen, die sich gegenseitig positiv beeinflussen. So können Zwiebeln die Möhrenfliege vertreiben und Meerrettich lenkt anrückende Kartoffelkäfer zu sich. Da die zueinander passenden Pflanzen verschieden tief wurzeln, konkurrieren sie kaum um Nährstoffe. Borretsch fördert die Befruchtung bei Erdbeeren. Und Kohlrabi mag neben sich Sellerie, Spinat und Salat.

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