Uraufführung Uraufführung: Riesslers Musik zum Film „Der Rote Halbmond“

An der Bassklarinette: Michael Riessler.
An der Bassklarinette: Michael Riessler. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Christoph A. Schmidberger 07.11.2016

Kino vor allem für die Ohren gab es im Stadthaus bei der live dargebotenen Uraufführung von Michael Riesslers Musik zum Stummfilm „Der Rote Halbmond“. Ohrenschmaus deswegen, weil der Film aus dem Jahr 1918 mehr dokumentarischen als künstlerischen Wert besitzt, die Musik des Ulmers Riessler (59) hingegen, der selbst an der Bassklarinette zu hören war, eine überzeugende Lehrstunde in Sachen Jazz und Neuer Musik war.

Riessler hatte im Auftrag des Vereins für moderne Musik Ulm/Neu-Ulm in Kooperation mit ZDF/Arte und dem Staatlichen Ungarischen Filmarchiv für die Stummfilmreihe von Arte eine Filmmusik komponiert, die nicht nur erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, sondern auch mitgeschnitten wurde. Unterstützung bekam der Jazzmusiker von der Cellistin Monika Leskovar (1. Preisträgerin beim ARD-Musikwettwerb 2001), der Cimbalom-Virtuosin Beáta Móri und dem Akkordeonisten Jean-Louis Matinier (unter anderem Langzeitbegleiter von Juliette Gréco). Der ungarische Film nach Motiven eines Romans von Jókai Mór ist die 82-minütige Exportfassung eines ursprünglich mehrere Stunden langen und reichlich gebrochen wirkenden Frühwerks des ungarisch-britischen Regisseurs und Produzenten Sir Alexander, vormals Sándor Korda. Nach abenteuerlichen Verstrickungen in den Krisenjahren des Zusammenbruchs der Donaumonarchie  verantwortete er als Produzent in Großbritannien etwa den Filmklassiker „Der dritte Mann“.

„Der Rote Halbmond“ ist eine Schmonzette an der geografischen Schnittstelle des Osmanischen Reiches und der Doppelmonarchie, an der Freunde von Karl May Freude haben dürften. Spannend für Ulmer sind historische Ansichten der Donau. Die Bilder lebten von der enervierend treibenden, dann wieder elegisch fließenden Musik in ausgewogener Abmischung. Cineasten dürfen am Montag, 5. Dezember, länger aufbleiben, dann zeigt Arte um 23.35 Uhr Kordas Film – mit der Einspielung aus dem Stadthaus.

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