Ulm Uraufführung mit jazzigem Spaß im HfG-Archiv

Ulm / GOTTFRIED LOTHAR 27.10.2014
Schöner Erfolg für den Ulmer Komponisten Günter Buhles und das Sirius Quartet. Beim Konzert im HfG-Archiv herrschte starker Andrang.

Zum ersten Konzert im Studio des HfG-Archivs, mit den Fotos von Otl Aicher im Hintergrund, mussten gestern ob des Andrangs zusätzliche Stühle für die Besucher aufgestellt werden. Im Mittelpunkt der Matinee stand die Uraufführung der Streichquartetts Nr. 5 "Beaulieu" des Ulmer Komponisten Günther Buhles.

Das viersätzige Werk wurde vom Sirius Quartet aus New York gespielt. Benannt nach dem hellsten Stern am Nachthimmel vereinen die vier Musiker eine klassische Ausbildung mit der unbändigen Lust, neue Wege zu beschreiten, und verließen am Sonntagvormittag, bis auf den Cellisten vor den formal strengen Aicher-Bildern stehend, den vorgegebenen Rahmen immer wieder für virtuose Improvisationen auf atemraubenden Niveau.

Das Quartett von Günther Buhles begann fast klassisch mit einer kinderliedhaften Melodie. Doch alsbald brach die 2. Violine mit jazzigen Klängen aus dem gestrengen Schema aus und öffnete das verspielt swingende Tor weit. In derart klug gesetzten Wechseln spielte sich das ganze Werk ab, überraschte im zweiten Satz mit einem wunderbaren Viola-Solo, welches Ron Lawrence stupend gelang, und endete schließlich im vierten Satz nach kleinem Kampf zwischen Minimalmusic und Kantilene im langsam ausklingenden Morendo.

Nach der großartigen Interpretation der Uraufführung erklang ein weiteres viersätziges Quartett, diesmal vom gebürtigen Stuttgarter und zweiten Geiger Gregor Hübner. Die Auftragskomposition für die Gattin des Herausgebers der New York Times vereinte klassische Elemente aufs Beste mit Jazz, Tango und israelischer Folklore.

Eingebettet wurden die beiden Quartette von Werken des ersten Geigers Fung Cherm Hwei und des Cellisten Jeremy Harman. Während Cherm Hwei in seiner sehr kunstvollen Musik trotz aberwitziger Soli eher konventionell schreibt, loten die Stücke Harmans einen Schritt weitergehend die Grenzen des Quartettspielens aus. Die Mitglieder des Sirius Quartet waren mit ihrer sichtbaren Lust am gemeinsamen Spiel, mit ihrer brillanten Spieltechnik zwischen Klassik, Klezmer und Sinti-Romantik zu Recht bejubelte Virtuosen und wurden erst nach einer Zugabe entlassen.

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