Neu-Ulm Uraufführung der Revue "Das Klassentreffen" im Theater Neu-Ulm

Der Schulkamerad, der in Las Vegas zum Star wurde: Johnny Warrior und Claudia Riese.
Der Schulkamerad, der in Las Vegas zum Star wurde: Johnny Warrior und Claudia Riese. © Foto: Lars Schwerdtfeger
ELVIRA LAUSCHER 12.05.2014
Was ist wohl aus den ehemaligen Schulkameraden geworden? Ein Klassentreffen kann das aufklären. Das Theater Neu-Ulm nutzt diese Szenerie, um Geschichten zu erzählen, die das Leben geschrieben hat.

"Das Klassentreffen" ist eine Eigenproduktion des Theaters Neu-Ulm. In ihr tauchen fünf Frauenfiguren (alle dargestellt von Claudia Riese) und ein Schulkamerad (Johnny Warrior) auf und erzählen ihre Geschichten. Geschichten, die das Leben hätte schreiben können.

Da ist zum einen Luise Häberle, die ehemalige Klassensprecherin, die damals schon immer zu spät kam, auch jetzt wieder erst nach der Begrüßungsrede der Klassenlehrerin (Gerti Weiß) hereinstürmt und nach einem abgrundtief gestöhnten "Jesses" mit dem Publikum - alles ehemalige Klassenkameraden - ins Gespräch kommt. Über ihren Mann etwa, von dem sie sich getrennt hat, seit die Kinder aus dem Haus sind und man plötzlich merkte, dass man sich nichts mehr zu sagen hat. Seitdem lebten sie zusammen in einer Alters-WG, mit Putzplänen und gemeinsamer Küche, aber getrennten Schlafzimmer.

Die grün-bunt gewandete Luise Häberle mit breitem Haarband ist eine Paraderolle für Claudia Riese, in der sie schwäbisch schwätzend völlig aufgeht. Amüsante und humorvolle Szenen boten sich hier dem Premierenpublikum und immer wenn Luise hereinkam, wehte ein frischer Wind über die Bühne.

Ganz anders war das bei der Schriftstellerin Karlo Kraus. Was zu Anfang noch witzig war, verlor schnell an Wirkung. Die stets bescheidene und schüchterne Schriftstellerin, die schon immer lieber schrieb als redete, lamentierte in einem pseudo-literarischen Text über die Angst vor dem eigenen Notizbuch und dem Arbeitszimmer. Was karikierend sein wollte und einen literarischen Text enttarnen sollte, katapultierte sich selbst ins Aus.

In der Regie von Heinz Koch tauchte noch die Ja-Sagerin auf, die immer und alles bejahte, weil ihr ein Gen, das Neinsage-Gen, gänzlich fehlt. "Mein Kopf hat nein gesagt, gesagt habe ich ein Ja." Kein Wunder, dass diese Frau nach 25 Jahren trister Ehe, auf Rache sinnt.

Und dann war da noch die Frau, die niemals alt werden wollte, dem Ideal der Jugend nachhing, obwohl die eigentlich gar nicht interessant war. "Das Revolutionärste was wir getan haben, war die Menschenkette."

Auch Dumas Kameliendame fand einen Platz auf der Bühne. Claudia Riese spielte als Schauspielerin die Kurtisane Marguerite. Und Claudia Riese erinnerte sich - durchaus biografisch - auch an eigene Schauspielerfahrungen, wie ihre Rolle als Marlene Dietrich, deren damaliges Kostüm an einer Schaufensterpuppe wiederzuentdecken war, die auf der sonst eher schlichten Bühne stand.

Zwischen den einzelnen Frauengestalten, die von Riese abwechslungsreich in Kostümen und Mimik dargestellt wurden, sang Johnny Warrior als ehemaliger Schulkamerad, der in Las Vegas ein Star geworden ist, Lieder von Frank Sinatra, aus Musicals und sogar von Prince. Dessen "Kiss" bot er sehr originell und sexy dar.

Insgesamt ein Revueabend der eher etwa biederen Sorte, der auch Längen hat, aber unterhaltsam Kleinkunstatmosphäre mit einem Hauch Las Vegas verknüpft.

Autoren auf der Bühne