Nachruf Erwin Rentschler: Unternehmer und Kunstfreund

Friedrich Erwin Rentschler, an der Seite seiner Ehefrau Maria Schlumberger-Rentschler bei der Eröffnung Ausstellung „Von der Sehnsucht nach Farbe“ – Klassische Quilts der Amischen.
Friedrich Erwin Rentschler, an der Seite seiner Ehefrau Maria Schlumberger-Rentschler bei der Eröffnung Ausstellung „Von der Sehnsucht nach Farbe“ – Klassische Quilts der Amischen. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm/Laupheim / vs/bmg 25.07.2018
Friedrich Erwin Rentschler ist gestorben. Er hat ein Biotechnologie-Unternehmen geleitet. Seine Leidenschaft war die Kunst.

Der Unternehmer und Kunstsammler Friedrich Erwin Rentschler ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Er war einer der bedeutendsten Unternehmerpersönlichkeiten im Raum Ulm und in Oberschwaben, unter seiner Ägide hat sich die aus der Apotheke gewachsene und 1927 von seinem Vater gegründete und in Laupheim ansässige Dr. Rentschler-Gruppe zu einem weltweit tätigen Biotechnologie-Unternehmen entwickelt. Bei Rentschler handelt es sich um eines der bedeutendsten Unternehmen der Bioregion Ulm.

Rentschler studierte Pharmazie, machte seine Promotion an der Universität München und stieg in den Familienbetrieb ein und entwickelte insbesondere den Bereich Biopharmazeutika weiter. 1959 bis 1999 war er Geschäftsführer und Gesellschafter der Gruppe. Schwerpunkte waren unter anderem Medikamente zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Erkältungserkrankungen. Dann gab er die Leitung an seinen Sohn Nikolaus  ab.  Einer der größten Erfolge für Friedrich Erwin Rentschler war, dass die Firma im Jahr 1983 die weltweit erste Zulassung für ein Interferon-Produkt bekam, das Mittel Fiblaferon. Die Firma befindet sich nach wie vor in Familienbesitz und hat 850 Mitarbeiter.

Mehrfach ausgezeichnet

1998 wurde Rentschler mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Er erhielt 1986 auch die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. Und er war Vorsitzender der Bürgerstiftung in seiner Heimatstadt Laupheim, die ihm auch den Laupheimer Bürgerpokal, den „Laubü“ zu verdanken hat.

Als er die Leitung der Firma abgegeben hatte, widmete er sich seiner großen Leidenschaft: dem Sammeln von zeitgenössischer Kunst. Im Jahr 2009 eröffnete er im Ulmer Stadtregal die „Sammlung FER Collection“, wobei die Abkürzung für seine Initialen stehen. Wer Glück hatte, kam in den Genuss von Führung durch Rentschler selbst.

Warum er seine Sammlung ins Stadtregal gebracht hat, ist einfach zu erklären: In Ulm hat es für Rentschler genügend Initialzündungen dafür gegeben, sich intensiv mit der zeitgenössischen Kunst auseinanderzusetzen. Die ehemalige Hochschule für Gestaltung auf dem Kuhberg mit dem Gründungsrektor und Konkretkünstler Max Bill und dem dort lehrenden Maler Josef Albers hat den Unternehmer sehr beeindruckt. Anstöße für seine Sammlung kamen vor allem aber auch aus Kurt Frieds studio f an der Olgastraße. Fried war für Rentschler ein Vorbild in Sachen  Kunstförderung und Kunstvermittlung.

Hauptinteresse galt immer den Künstlern

 Und Rentschler selbst hat sich in Ulm für Kunstprojekte stark gemacht, wie etwa 1985 mit Leihgaben von Bruce Nauman bis Mario Merz für die Kunstinstallationen bei „Magirus 117“. Im Stadthaus hat er die Malerei der Jungen Wilden präsentiert, dem Ulmer Kunstverein hat er einen seiner Lieblingskünstler, Salvo, ans Herz gelegt.

 Sein Hauptinteresse galt immer den Künstlerinnen und Künstlern, die die Arte Povera, die Minimal Art und die Konzeptkunst  geprägt haben. Rentschler wollte seine Passion für die zeitgenössische Kunst stets mit anderen teilen, wollte seine Leidenschaft für schöpferisches Denken und Tun weitertragen, ein persönliches Gespräch mit Kunstfreunden in seiner Galerie im Stadtregal war ihm immer überaus wichtig.

Sein missionarischer Ehrgeiz, der zeitgenössischen Kunst einen breiten Resonanzboden zu verschaffen, hat ihn auch dazu veranlasst, die großen Installationen seiner FER Collection als Dauerleihgaben in die Schausammlung  des Medienzentrums ZKM nach Karlsruhe zu geben.

Großer Kunst-Sachverstand

Der Verstorbene hatte wegen seines Kunst-Sachverstands auch einige Ämter inne: Rentschler war Mitglied des Präsidiums des Galerievereins der Staatsgalerie Stuttgart (1984 bis 1999), Kuratoriumsmitglied der Akademie Schloss Solitude (1989 bis 1996) und in der Kunststiftung Zeppelinmuseum Friedrichshafen (1999 bis 2004), Sprecher der Sammler im ZKM/MNK Karlsruhe sowie Vorsitzender des Hochschulrats der staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (2000 bis 2006).

Die Biopharma SE mit Sitz in Laupheim

Unternehmen Die Rentschler Biopharma SE mit Sitz in Laupheim ist ein führendes Dienstleistungsunternehmen und ausschließlich auf Kundenprojekte fokussiert. Rentschler Biopharma bietet Bioprozessentwicklung und Produktion von Biopharmazeutika sowie damit verbundene Beratungsleistungen bei der Projektplanung, -durchführung und der Zulassung. Zu den Kunden des Unternehmens gehören innovative Biotech-Unternehmen sowie Pharmakonzerne weltweit.

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