Ulm Unter Tage: Besuch bei den Mineuren im Albabstiegstunnel

Landtagsabgeordneter Martin Rivoir (links) und Dietmar Wegerer, Ortsvorsteher von Lehr, (Mitte) besuchten die Baustelle des Albabstiegstunnels.
Landtagsabgeordneter Martin Rivoir (links) und Dietmar Wegerer, Ortsvorsteher von Lehr, (Mitte) besuchten die Baustelle des Albabstiegstunnels. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / SOPHIE JANJANIN 01.04.2015
Eine Baustelle von großem Interesse: Der technische Projektleiter Matthias Abele führte durch den Albabstiegstunnel in Lehr. Anlass war der Besuch des Ulmer Landtagsabgeordneten Martin Rivoir.

Sicherheitshelm, Warnweste, Gummistiefel, ein Selbstretter, der im Notfall mit Sauerstoff versorgt, und eine kurze Sicherheitsunterweisung - und dann ging es unter die Erde. Matthias Abele, technischer Projektleiter, gab Einblicke in die Baustelle des Albabstiegstunnels im Lehrer Tal. Die Besichtigung fand statt im Rahmen eines Besuchs des Ulmer Landtagsabgeordneten der SPD, Martin Rivoir.

Der Albabstieg ist der Abschnitt der Neubaustrecke Ulm-Wendlingen zwischen Dornstadt und Ulm. Seit Januar 2014 wird auf der 5940 Meter langen Strecke gegraben - etwa ein Drittel wurde bereits freigesprengt. In zwei eingleisigen Röhren werden auf den Baustellen in Dornstadt und Lehr täglich 1600 Kubikmeter Erdmasse - das sind 35 Sattelzüge voll - an die Oberfläche gebracht. Wo wird diese Erde gelagert? Etwa 40 Prozent bleibt in Seitenablagerungen auf der Baustelle in Dornstadt und der Rest kommt auf Deponien beispielsweise in Westerstetten. Ein Fortschritt von viereinhalb Metern pro Tag in jeder Röhre ist der Durchschnitt. Für diesen Fortschritt arbeiten rund 300 Mineure auf der Baustelle, von denen 190 auch dort wohnen. 24 Stunden am Tag wird gearbeitet, an sieben Tagen in der Woche und in Zwölf-Stunden-Schichten. Die Vorgehensweise: Der Weg wird freigesprengt und nicht gebohrt - die traditionelle Art also. Die Sprengstoffanlage in Lehr bietet dafür Lagermöglichkeiten für 4000 Kilogramm Sprengstoff.

Sprenglöcher bohren, Gestein sprengen, die Röhre befestigen: Das ist die Arbeit der Mineure unter Tage. "Hallo, ich bin der Feile", stellte sich ein Mineur den Gästen vor. Seit dem Jahr 1978 arbeitet er bereits unter der Erde. "Viele denken, das muss doch langweilig sein. Aber jeder Berg ist anders. Viel Sonne habe ich in meinem Leben aber nicht gesehen." Die Arbeit der Mineure ist zwar inzwischen automatisiert, aber auf die Technik ist auch nicht immer Verlass. Und siehe da: Als eine Maschine bei der Bohrung der Sprenglöcher versagte, wurde der Vorschlaghammer ausgepackt. Das Tunnelbauen sei trotz technischer Errungenschaften immer noch ein gefährlicher Job, deshalb arbeite auch nie einer allein unter Tage. "Vor der Hacke ist es dunkel", sagte Abele - man weiß also nie, ob sich hinter der nächsten Erdschicht nicht zum Beispiel ein acht Meter hoher Hohlraum verbirgt.

Besonders beim Vortrieb durch Sprengung und nicht Bohrung ist Vorsicht geboten. Die Männer müssen wissen, welches Gestein wie viel Sprengkraft benötigt, erklärte Ingenieur Abele. Die Kraft einer Sprengung ist erstaunlich: Es donnert und wackelt im Tunnel - wie bei einem Erdbeben. Und das alle eineinhalb Stunden. "Gerade wurden ungefähr drei Meter gesprengt."

Wie gehen die Anwohner in Lehr mit den Sprengungen um? "Ich habe bis jetzt nichts Negatives gehört", sagte Dietmar Wegerer, Ortsvorsteher von Lehr. "Wir bekommen kaum etwas mit von den Erschütterungen und kontrollieren die Straßen ständig auf Verschmutzung durch die Lastwägen." Kein Wunder, dass die Straßen sauber sind - auf der Baustelle gibt es eine Reifenwaschanlage, durch die jeder Lastwagen fahren muss, bevor er wieder auf die Straße darf.

Info Das Infocenter Ulm der Bahn an der Kienlesbergstraße ist über Ostern geöffnet: Donnerstag: 14 bis 20 Uhr, Samstag/Sonntag: 12 bis 18 Uhr.

Neubaustrecke Wendlingen-Ulm und Albabstiegstunnel

Bahnprojekt Die Neubaustrecke (NBS) Wendlingen-Ulm ist neben Stuttgart 21 ein Teil des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm. Die sich im Bau befindende Eisenbahnstrecke zwischen Wendlingen (bei Stuttgart) und Ulm hat eine Länge von knapp 60 Kilometern. Die Hälfte der Strecke verläuft in einem Tunnel. Personenfern-, -regional- und Güterverkehrszüge sollen die NBS in der Zukunft mit einer Geschwindigkeit bis zu 250 km/h befahren können. Die geplante Inbetriebnahme ist 2021.

Abschnitte Die Strecke verläuft entlang der A8 und überquert die Schwäbische Alb in vier Planabschnitten: Der Albvorlands-, der Albaufstiegs-, der Albhochlands- und der Albabstiegsabschnitt. Der Albabstiegstunnel zwischen Dornstadt und Ulm ist 5940 Meter lang. Gegraben wird auf der Baustelle in Dornstadt und am "Zwischenangriff" in Lehr. Der Ulmer Hauptbahnhof ist das Ende des Abschnitts und der NBS.

 

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