Gericht Unter Drogen die Wange aufgeschlitzt

Ulm / cst 13.02.2019

Die Anklagebank war von seinem letzten Prozess fast noch warm, als er am Montag erneut darauf Platz nehmen musste. In der Tat ist der 28-jährige Mann im Landgericht Ulm bestens bekannt. Er hat rund zehn Vorstrafen und ein Problem: Die Neigung zu Drogen. Die hat ihm neben viel Ärger eine zwischenzeitliche Psychose und eine Anklage wegen schwerer Körperverletzung eingetragen. Abgesehen davon, dass er sich gerne mit Kokain, Amphetaminen und Joints beschäftigte, war der ehemalige Hauptschüler, wie Richter Gerd Gugenhan vortrug, „die meiste Zeit ohne Beschäftigung“. Und ohne Drogen immer nur, solange er hinter Gittern weilt. Der Angeklagte selbstkritisch: „Ich werde immer wieder abhängig, wenn ich rauskomme.“

Faustschläge ins Gesicht

So war es auch vergangenen Sommer, kaum dass er aus der Untersuchungshaft entlassen war. Irgendwann, nach Kiffen, Koks und Ecstasy, sei er von der fixen Idee heimgesucht worden, dass sein 35-jähriger Kumpel ihn erniedrigen und „in eine Psychose treiben“ wolle. „Ich weiß nicht warum, wir haben uns gut verstanden“, konnte er sich die Aggression selbst nicht erklären, die sich zunächst in zwei Faustschlägen Bahn brach, die er seinem Bekannten ohne Vorwarnung ins Gesicht verabreichte. Tags drauf eskalierte die Lage vollends, als der 28-Jährige bei dem Mann Zuhause auftauchte, ihn und seine Familie wüst beschimpfte und ihm mit einem Taschenmesser die linke Wange aufschlitzte. Glücklicherweise war die Wunde nicht tief genug, um lebensbedrohlich zu sein, wie der medizinische Gutachter vor Gericht erklärte.

Sein Kollege des Fachgebiets Psychiatrie bescheinigte dem Angeklagten, zur Tatzeit an einer drogenbedingten Psychose gelitten zu haben, was einen maßgeblichen Einfluss auf dessen Schuldfähigkeit ausgeübt habe. So wird der 28-jährige in eine Entzugsklinik eingewiesen.

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