„Wohnung zu vermieten. Auch für erotisch-gewerbliche Nutzung.“ Der 61-jährige Ingenieur las die Anzeige und war empört. Der Makler hatte tatsächlich versucht, eine der Wohnungen in dem Gebäude an Nutzer aus dem Rotlichtmilieu zu vergeben. „Das war das Letzte“, sagt der Ingenieur. Er habe die Anzeige unterbunden. Doch obwohl es eng ist auf dem Ulmer Wohnungsmarkt, ist es oft nicht einfach, Mieter für das Gebäude zu finden. Dabei liegt es in der Innenstadt, die Wohnungen haben einen Balkon und bieten einen atemberaubenden Ausblick: Die Rede ist vom Universumcenter am Ehinger Tor.

„Wir Wohnungseigentümer haben seit Jahren Probleme mit  Vermietung und Verkauf von Wohnungen“, sagt der 61-Jährige. Das liege nicht am Zustand der Räumlichkeiten, sondern hauptsächlich am Ambiente: Eingangsbereich, Ladenpassage, Innenhof und der Bereich um und in der Tiefgarage seien komplett vernachlässigt.

Tatsächlich liegt viel Müll in den Grünanlagen und vor den Schnellimbissen und Lebensmittelgeschäften in der unteren Passage. In der von der Straße her verdeckten zweiten Reihe stehen Läden leer, Taubenschutznetze hängen von den Türen herab. Lampen funktionieren nicht – alles in allem ein trostloser Anblick. Der Ingenieur wundert sich nicht, dass der Anblick potenzielle Mieter abschreckt: „Der erste Eindruck ist entscheidend, und da nützt es auch nichts, dass im Haus und in den Wohnungen meist alles tiptop ist.“

Zum Teil hohe Investitionen

Höchste Zeit, dass sich was ändert. Zum Besseren. Das meinen nicht nur er, sondern auch andere Eigentümer und haben deshalb im Juli vergangen Jahres einen Arbeitskreis gegründet. Ihr Ziel: das Hochhaus wieder attraktiv zu machen. Auf ihrer ambitionierten Liste steht unter anderem: die Sanierung der Tiefgarage, alle notwendigen Kleinreparaturen, die Aufgaben des Hausmeisters zu evaluieren und eine schönere Gestaltung. Ein dickes Brett sind die Läden: „Da wollen wir vieles in Ordnung bringen“, sagt der 61-Jährige. Unter anderem sollen die fünf Spielcasinos verschwinden. Auch die Hausverwaltung solle ihren Teil zur Verbesserung beitragen.

Er begrüße die Verschönerung, sagt Hausverwalter Olaf Lechner auf Anfrage. Aber vieles sei nicht so einfach. So habe er wegen der störenden Werbeschilder an der Fassade Briefe an die Betriebe geschrieben. „Aber offenbar geht da freiwillig gar nichts.“ Nun habe er eine Firma beauftragt, die sie entferne. Gleiches gelte für den Abfall der Lebensmittelhändler. Die Instandsetzung werde zum Teil richtig viel Geld kosten. „Die Tiefgarage muss statisch nachgebessert werden, das kostet etwa eine Million Euro.“

An einem schöneren Outfit für das Universumcenter haben aber nicht nur Teile der Eigentümer ein Interesse. Auch die städtische Sanierungstreuhand, respektive ihr Chef Dirk Feil, hat bereits ein Auge auf das markante Gebäude geworfen. „Das Universumcenter ist das Eingangstor zum Dichterviertel, das wir gerade aufwendig sanieren.“ Logisch, dass man an einer Verschönerung interessiert sei.

Feil hat deshalb das Treffen des Arbeitskreises besucht und die Mitglieder über Förderungen informiert. Die Stadt selbst bezahlt für die Sanierung des Dichterviertels 40 Prozent, der Rest kommt von Land und Bund. Feils Ansicht: „Der gesamte untere Bereich ist dunkel und grenzt sich sehr von der Umgebung ab.“ Mauern müssten weg, auch um Handel und Gewerbe für Passanten attraktiver zu machen. So könne man vielleicht  auch den Leerstand beseitigen.

Aufwendige Veränderungen brauche es gar nicht, meint Feil. „Schon mehr Licht und Farbe machen das Gebäude zu einem Eyecatcher.“

Laut Gesetz zu viele Spielcasinos 


Gesetz Das Landesglücksspielgesetz, 2012 erlassen, regelt einen Mindestabstand zwischen Spielhallen: 500 Meter Luftlinie von Eingang zu Eingang. Die Stadt Ulm hat angekündigt, das Gesetz restriktiv umzusetzen. Das heißt, die fünf Spielhallen im Universumcenter müssen bis auf eine verschwinden. Die Bescheide an die Betreiber sind vor kurzem  raus, sagt Rainer Türke vom Ordnungsamt.

Gebäude Das 22-stöckige Universumcenter ist 60 Meter hoch und 1971 fertig gestellt worden. Es hat 41 Läden und Büros, 121 Wohnungen und  einen Innenhof mit Brunnen.