"Ist es wirklich heilige Musik (musique sacrée) oder doch vermaledeite Musik (sacrée musique)?" Das schrieb Gioachino Rossini ans Ende seiner "Messe Solennelle", der er das Wort "Petite" voranstellte. Doch ist dieses Werk mit gut 90-minütiger Aufführungsdauer weder klein noch unbedeutend. Auch wenn es mit der sonderbaren Besetzung für Solostimmen, Chor, zwei Klaviere und Harmonium einzig dasteht, auch wenn Rossini zu Lebzeiten nur zwei Aufführungen erlaubte, und auch wenn er bei der späteren Orchestrierung manches nochmals umarbeitete, ist diese Messe, die er 34 Jahre nach seiner letzten Oper komponiert hat, ein Meisterwerk.

Im Haus der Begegnung führte der Universitätschor Ulm unter der Leitung von Albrecht Haupt die Messe mit nur einem Klavier und Akkordeon anstatt Harmonium auf. Was für ein musikalisches Strahlen aber gelang den beiden Musikern Hannes Kalbrecht und Predrag Tomic. In vielen Teilen der Messe, in denen nur die Solisten gefordert waren, spielte Hannes Kalbrecht ohne Hilfe des Dirigenten und führte souverän und virtuos durch die Musik. Ihm zur Seite wusste der Serbe Predrag Tomic auf seinem Instrument mit vielen Klangfarben zu begeistern. Und welch einen besonderen Genuss bereiteten die beiden im Preludio religioso.

Das internationale Solistenquartett hatte allein oder im Ensemble den größten Part zu singen. Die Polin Katarzyna Jagiello ließ bei ihren Soli die angekündigte Erkältung nicht einmal erahnen. Der russische Tenor Alexander Efanov und der kolumbianische Bariton Santiago Garzon überzeugten immer wieder. Nur die deutsch-ungarische Mezzosopranistin Kinga Dobay irritierte manchmal mit störendem Vibrato. Die notwendige Mischung aus Opéra und Missa gelang den Vieren jedoch überzeugend.

Der fast hundertköpfige Chor überzeugte bei seinen wenigen Einsätzen mit schwebenden Piani, präzisen Fugen und sattem Klang. Und auch die deutlich sichtbare Freude an dieser schönen Musik stand den Sängern ins Gesicht geschrieben. Zusammen mit den Solisten und Instrumentalisten gab es bei dieser Aufführung eine Fülle an Wohllaut zwischen religiöser Innigkeit und opernhaftem Frohsinn, für die Haupt und sein Ensemble zu Recht Jubel und Standing Ovations entgegen nehmen durften.