„UniFee“ heißt die Abteilung für Reproduktionsmedizin des Uniklinikums Ulm seit 2018. Der hintere Teil der Abkürzung steht einerseits wissenschaftlich für „Fertilität und Endokrinologie“, spielt aber auch bewusst mit dem Märchenreich, in dem Feen Wünsche wahr machen.

Ein Wachstumsmarkt

Mit dem neuen Namen und dem vor zwei Jahren ebenfalls neu eröffneten schicken Ambulanzgebäude des Kinderwunschzentrums (wir berichteten) zeigt die Ulmer Universitätsmedizin, dass sie das Feld der Reproduktionsmedizin nicht der privaten Konkurrenz überlassen möchte. Schließlich handelt es sich um einen Wachstumsmarkt im doppelten Wortsinn. Etwa 15 Prozent aller Paare im gebärfähigen Alter bleiben trotz Kinderwunsch kinderlos. Tendenz steigend in einer Gesellschaft, in der das Kinderzeugen und -kriegen altersmäßig immer weiter nach hinten verschoben wird.

Seit kurzem bietet UniFee ungewollt kinderlosen Paaren eine weitere Möglichkeit an, ihren Kinderwunsch zu erfüllen: mithilfe von Spermien aus einer Samenspende. Bislang war dieses Verfahren in der Region nur bei privaten Kinderwunschzentren möglich.

Auskunftsanspruch gesetzlich geregelt

Ausschlaggebend für das neue Angebot sei die mittlerweile eindeutige Rechtslage infolge des neuen Samenspendergesetzes, sagt Prof. Katharina Hancke, Geschäftsführende Oberärztin am Kinderwunschzentrum, auf Anfrage. „Mit diesem Gesetz wird unter anderem ein Auskunftsanspruch für jene Personen festgelegt, die durch Samenspende und künstliche Befruchtung gezeugt worden sind.“

Ob das Verfahren im Einzelfall medizinisch sinnvoll ist, muss allerdings vorab geprüft werden. Schließlich kann ungewollte Kinderlosigkeit viele Ursachen haben. Am Anfang stehe deshalb bei allen hilfesuchenden Paaren eine Analyse der Hormone oder der Spermien durch Experten des Kinderwunschzentrums, so Hancke. Nur wenn sich dabei herausstelle, dass beim Mann nicht genügend intakte und gut bewegliche Spermien produziert werden, biete sich die Samenspende an.

Keine zusätzliche Belastung für Frauen

Für die Nutzung fremder Spermien aus einer Samenbank sei bei Frauen in der Regel keine Hormonbehandlung notwendig. „Die Samenspende kann innerhalb des natürlichen Zyklus verwendet werden, für die Frau besteht somit keine zusätzliche körperliche Belastung.“

Das Kinderwunschzentrum der Uni kooperiert mit zwei Samenbanken in München und Erlangen. Allerdings könne auf Wunsch auch jede andere Samenbank in Deutschland für die Samenspende in Anspruch genommen werden. „Wir klären die Paare ausführlich darüber auf, welche einzelnen Schritte bei einer Samenspende notwendig sind, welche Untersuchungen anstehen und wie das Einsetzen der Spermien aus der Samenspende im Detail abläuft“, sagt Hancke.

Kassen zahlen nur bei heterosexuellen Paaren


Kosten Die Samenspende steht nicht nur heterosexuellen Paaren zur Verfügung. Auch lesbische Paare können in Deutschland das Angebot nutzen. Die Kosten dafür werden von den Krankenkassen aktuell allerdings noch nicht übernommen.

Angebot Im Kinderwunschzentrum UniFee sind sämtliche Methoden der Kinderwunschtherapie möglich: Zyklusmonitoring, Insemination (mit dem Samen vom Partner oder aus einer Samenspende)  sowie die künstliche Befruchtung.

Klinik Die Ulmer Frauenklinik ist die fünftgrößte in Deutschland. Die Abteilung Geburtshilfe rangiert mit jährlich gut 3300 Geburten sogar auf Platz zwei. Der Fokus liegt Chef­arzt Wolfgang Janni zufolge auf einer Stärkung natürlicher Geburten.