Akademiker, soweit das Auge reicht: Die einen schlendern gemütlich durch die Gänge, andere stehen plaudernd in Grüppchen zusammen, Dritte hetzen von einem Hörsaal zum nächsten. Am Dienstagvormittag geht es auf dem Campus der Uni Ulm zu wie in einem Taubenschlag. 9440 Studenten sind in diesem Sommersemester immatrikuliert. 160 von ihnen sind Erstsemester - wie Anastasia Wirth.
Die 24-jährige Ulmerin hat am Tag nach Ostermontag ihr Studium in Wirtschaftsmathematik begonnen. Der Grund, warum sie sich für die Uni Ulm entschieden hat, ist ein ganz pragmatischer: "Ich wollte nicht so weit weg von zu Hause." Außerdem habe sie viele Bekannte, die an der gleichen Hochschule studiert haben. Um eine Unterkunft musste sich Anastasia, die seit 13 Jahren in Ulm lebt, keine Gedanken machen, da sie hier eine eigene Wohnung hat. Ihre "kleine, gemütliche und überschaubare" Heimatstadt hätte sie um nichts in der Welt verlassen wollen. "Ich bin kein Großstadt-Mensch", sagt Anastasia.

Auch Andreas Berger (22) aus Riedlingen und Johannes Elsäßer (19) aus Donau-Eschingen sind neu an der Uni. Genau wie Anastasia haben sie sich für den Studiengang Wirtschaftsmathematik eingeschrieben. Warum ausgerechnet diese Hochschule? "Weil sie einen guten Ruf hat, was dieses Fach betrifft", antwortet Andreas. Für Johannes gab vor allem die Tatsache, dass das Studium im Sommersemester beginnt, den Ausschlag für eine Einschreibung. Mit der Wohnungssuche hatten beide keinerlei Probleme. Andreas darf bei einem Freund unterkommen, bis er seine eigene WG gründet, Johannes hat eine Wohnung für sich allein. Die hat er übers Internet gefunden. "Das war ganz einfach und ging sehr schnell", erzählt der 19-Jährige. Auch Ulm gefällt den beiden Studienanfängern gut.

Obwohl sie das erste Semester bereits hinter sich gelassen haben, haben Sebastian Tobias (19) und Johann Gerber (20) ihre akademischen Anfänge noch in Erinnerung. Beide studieren im zweiten Semester Humanmedizin. Eine Wohnung hatte Johann, der ursprünglich aus Altensteig kommt, zwar schnell gefunden. Allerdings liebäugelt er bereits mit einem Umzug. "Es ist mir einfach zu teuer und zu laut", sagt er. Da hat es Sebastian etwas einfacher. Der 19-Jährige, der früher in Schwäbisch Gmünd gewohnt hat, hat ein Zimmer im Studentenwohnheim und fühlt sich sehr wohl. "Ich kann mir gut vorstellen, dort bis zum Ende meines Studiums zu bleiben." Auch was den Standort der Universität angeht, sind sich die beiden nicht einig. Während Sebastian regelrecht begeistert von Ulm ist, weil die Stadt viele Facetten bietet, stören Johann der Nebel und die Kälte im Winter sowie die Mentalität der Menschen. "Ich hoffe auf den Sommer, vielleicht gefällt es mir dann besser hier", meint der 20-Jährige.

Eigentlich wollte Marina Kelnhofer (23) ihren Master in Molekularer Medizin erst gar nicht machen. Weil sie aber Schwierigkeiten hatte, nach dem Bachelor einen Job zu finden, stand sie dann doch am Dienstag um 10 Uhr vor Raum 2609 der Universität Ost, um der ersten Vorlesung des Masterstudiums zu lauschen. Auch ihren Bachelor hat sie in Ulm absolviert und hatte sich damals bewusst für die Uni Ulm entschieden. Zum einen, weil sie nicht so weit weg von Leutkirch, ihrem Zuhause, sei. "Außerdem garantiert Baden-Württemberg eine gute Bildung", weiß Marina. Kann sie sich noch an ihren ersten Tag erinnern? "Ja, es war damals schwierig, die Räume zu finden", antwortet die 23-Jährige. Doch sie habe das Gefühl gehabt, überall und jederzeit nachfragen zu können. "Man wird gut geholfen", sagt die Studentin und zwinkert.