Wissenschaftler der Universität Ulm haben erstmals eine neue Komponente in der Übertragung von HIV nachgewiesen. So genannte Amyloidfibrillen, die in der Samenflüssigkeit sowohl bei HIV-infizierten wie auch bei gesunden Männern vorkommen, sollen wesentlich zur Verbreitung der Immunschwächekrankheit beitragen. Die klebrigen Stäbchen binden Partikel des Aids-Erregers und erleichtern ihre Anheftung an Zielzellen.

Die Ulmer Wissenschaftler Frank Kirchhoff und Jan Münch entdeckten die Fibrillen bereits vor sieben Jahren eher zufällig - eigentlich hatten sie nach HIV-Hemmstoffen gesucht. Dank einer aufwändigen Methode konnten sie die Fibrillen nun erstmals in menschlichem Sperma von gesunden wie HIV-infizierten Personen nachweisen. Der Nachweis war hochkompliziert. Denn die Peptide, welche die Fibrillen produzieren, schwimmen frei in der Samenflüssigkeit und liegen nicht im Gewebe vor. Deshalb mussten Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen - Virologen, Biochemiker, Reproduktionsmediziner und Spezialisten für Mikroskopie - zusammenarbeiten.

Fibrillen standen bisher vor allem mit Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Diabetes in Verbindung. "Wenn es gelingt, die Interaktion von Fibrillen und Virenpartikeln zu stoppen, könnte die sexuelle Übertragung des Aids-Erregers unterbunden werden", schreiben Jan Münch und Shariq Usmani vom Institut für Molekulare Virologie der Uni Ulm in einem Beitrag des naturwissenschaftlichen Fachmagazins "Nature Communications". In weiteren Versuchen wollen die Forscher nun gemeinsam mit Doktoranden der Molekularmedizin neue Methoden entwickeln, um mehr über die Fibrillen herauszufinden.

Weltweit leben rund 35,3 Millionen Menschen mit dem HI-Virus. Ebenso viele HIV-Infizierte sind bereits an Aids gestorben.