Die Batterieforschung in Ulm stößt zur Weltelite auf. Am späten Donnerstagnachmittag gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn bekannt, dass der gemeinsame Antrag von Uni Ulm und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) alle Hürden für die Bewilligung eines Exzellenzclusters im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern genommen hat. Das Forschungsvorhaben „Energiespeicherung jenseits von Lithium – neue Speicherkonzepte für eine nachhaltige Zukunft“ wird ab Januar 2019 mit bis zu zehn Millionen Euro jährlich gefördert. Dies für zunächst sieben Jahre, danach ist eine Verlängerung möglich.

Tröstende Worte

„Wir sind im Establishment der Spitzenforschung angekommen. Das ist für uns als mittelgroße Universität ein Riesenerfolg“, sagte Uni-Präsident Prof. Michael Weber, der die Entscheidung von seinem Büro aus via Live-Stream verfolgt hatte. Gleichzeitig gab es tröstende Worte für die Physiker um den Ulmer Quantenforscher Prof. Fedor Jelezko, die mit ihrem Antrag gescheitert waren. Insgesamt hatte die DFG von deutschlandweit 88 eingereichten Cluster-Anträgen 57 ausgewählt. „Unsere Quantenphysiker hatten es mehr als verdient, dabei zu sein“, so der Präsident, der sich damit fürs Erste von der Vision einer Exzellenz-Universität Ulm verabschieden muss. Denn nur wer mindestens zwei Cluster bewilligt bekommen hat, kann sich auch in dieser Förderlinie bewerben und im Erfolgsfall einen weiteren, auf sieben Jahre verteilt nahezu dreistelligen Millionenbetrag aus dem Fördertopf  einstreichen.

Von Ulmer Seite aus am Batterie-Cluster beteiligt sind neben der Uni auch das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW) sowie insbesondere das 2011 gegründete Helmholtz-Institut für elektrochemische Energiespeicherung (HIU), das wiederum eine Karlsruher Dependance ist. Auch bei dessen Direktor Prof. Maximilian Fichtner, der den Antrag maßgeblich vorangetrieben hatte, war die Freude groß. „Wir sind das einzige Batteriecluster in Deutschland, das ist schon ein Ding.“

Alternativen für herkömmliche Batterien gesucht

Inhaltlich gehe es in erster Linie darum, Alternativen zu den derzeit gebräuchlichen Lithium-Ionen-Batterien zu entwickeln, erklärte Fichtner. „Man hat Sorge, dass ihnen in ein paar Jahren die Luft ausgeht.“ Zum einen, weil eine Kapazitätssteigerung dieser in Smartphones, Laptops und Elektroautos steckenden Batterien mit großen technologischen Schwierigkeiten verbunden sei.  Zum anderen, weil die Lithium-Vorräte endlich sind. In Ulm forscht man bereits erfolgreich an Ladungsträgern auf der Basis von Natrium, Magnesium, Aluminium oder Zink.

Mit den Millionen aus der Exzellenzstrategie – sie gehen etwa hälftig nach Ulm und  Karlsruhe – soll diese Forschung nun signifikant ausgebaut werden. „Wir investieren vor allem in Köpfe“, sagte Weber, der allein für Ulm von etwa 70 neuen Stellen für Wissenschaftler ausgeht. „Die müssen wir auch international rekrutieren“, so der Präsident. Was angesichts der Tatsache, dass Ulm nun in der Batterieforschung eine „weltweite Top-Adresse“ sei, nicht allzu schwierig werden dürfte. Auch baulich wird auf dem Oberen Eselsberg einiges geschehen. So ist für die Batterieforscher ein weiteres Forschungsgebäude unweit des HIU geplant, sagte Fichtner.

Das könnte dich auch interessieren:

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft


Verein Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit Sitz in Bonn ist ein Verein, der als Selbstverwaltungseinrichtung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung in Deutschland fungiert. 2017 hatte die DFG einen Förderungsetat von fast 3,2 Milliarden Euro. Mitglieder der DFG sind größtenteils Hochschulen und Forschungseinrichtungen von „allgemeiner Bedeutung“ sowie die Akademien der Wissenschaften in Deutschland. An der Spitze steht ein Präsident.

Finanzierung Bund und Länder finanzieren die DFG nahezu vollständig (Haushalt 2017: 99 Prozent  Jahresbericht 2017).  Planungssicherheit durch kontinuierliche Etatsteigerungen ist mit dem „Pakt für Forschung und Innovation“ gegeben.