Als Konsequenz aus den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche hat die päpstliche Universität Gregoriana in München ein Zentrum für Kinderschutz eröffnet. Unterstützt wird das an der Gregoriana ansässige Institut für Psychologie von der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) des Uniklinikums Ulm. Direktor des Zentrums wird Dr. Hubert Liebhardt, Mitarbeiter am KJP und Forschungsgruppenleiter im Bereich Kinder- und Jugendschutz an der Universität. 

Ziel der neuen Einrichtung ist es, ein mehrsprachiges Online-Lernprogramm für kirchliche Mitarbeiter in aller Welt zu entwickeln, wie Liebhardt erklärt. Das dreijährige Projekt solle die kirchlichen Mitarbeiter im Umgang mit Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch schulen. Zunächst ist geplant, das Programm in Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch aufzusetzen. Auf diese Weise sollen in Zukunft auch Mitarbeiter in den entlegensten Regionen der Welt erreicht werden können.

In zunächst acht Ländern wird das Projekt in den kommenden Monaten angeschoben. In Europa sind Deutschland und Italien vertreten, in Südamerika Argentinien und Ecuador, in Afrika Ghana und Kenia und im asiatischen Raum Indondesien und Indien. "Wir müssen mit den Mitarbeitern vor Ort schauen, was die spezifischen Bedürfnisse sind und das Programm entsprechend entwickeln und modifizieren", erklärt der studierte Erziehungswissenschaftler.

Das Hauptaugenmerk liege darauf, "eine Kultur des Hinsehens zu entwickeln und Schutzmaßnahmen und -konzepte im kirchlichen Handlungsfeld zu etablieren", sagt der 40-Jährige. Ferner gehe es darum, Symptome sexuellen Missbrauchs schneller zu identifizieren und die Kommunikation mit Opfern und deren Angehörigen zu stärken.     

Knapp 50 Prozent der Gesamtkosten von rund 1,2 Millionen Euro übernimmt die Erzdiözese München und Freising. Die übrigen 700.000 Euro werden von den anderen beteiligten Diözesen Augsburg und Osnabrück sowie privaten Sponsoren aus Deutschland und den USA getragen.

Hier lesen Sie ein Interview mit Hubert Liebhardt.