Ein Auto, das von allein fährt? Bisher waren das nur Hollywood-Hirngespinste. Erst am Sonntag konnte man sich das wieder im Fernsehen anschauen. Schauspieler Will Smith ließ sich in „I, Robot“ im selbstdenkenden Schlitten durch die Gegend kutschieren, las Akten und rettete die Welt.

Nicht ganz so heroisch, dafür technisch schon nahe an Hollywood dran ist die Universität Ulm. Ein Team von Ingenieuren hat ein selbstfahrendes Auto entwickelt. Es lenkt, bremst und fährt vollkommen selbstständig. Geblitzt zu werden ist damit unmöglich, denn das Auto hält sich akribisch an die Geschwindigkeitsvorschriften.

Prof. Klaus Dietmayer, Direktor des Instituts für Mess-, Regel- und Mikrotechnik, arbeitet seit zwei Jahren an dem Projekt. Sein Team aus Ingenieuren und Doktoranden hat eine Mercedes-Limousine zu einem hochautomatisierten Fahrzeug umgebaut. „Die meisten Unfälle passieren durch menschliches Versagen. Ein Auto kann nicht am Handy spielen oder müde werden“, sagt Dietmayer. Natürlich soll die Technik den Menschen nicht ersetzen. Denn eines fehlt dem Fahrzeug ganz sicher: Erfahrung. Die Fähigkeit, Situationen schon weit im Voraus einschätzen zu können.

Die Technik ist nicht komplett neu. Schon länger können Fahrzeuge selbsttätig einparken. Neu ist, dass die Ingenieure seriennahe Sensortechnik verwenden und das hochautomatisierte Fahren noch sicherer machen wollen – ein Unterschied zu vielen industriell getriebenen Projekten, ist Dietmayer der Ansicht. „Wir wollen ein Auto konstruieren, das im maximal herausfordernden Umfeld – der Stadt – sicher fährt“, sagt der Professor.

 

Die Automobilindustrie schielt wahrscheinlich schon auf Ulm, besonders die Daimler AG. Der Konzern hat die Wissenschaftler beim Umbau des Fahrzeuges technisch unterstützt. Finanziert wird das Projekt durch Forschungsgelder. Der Wagen wurde mit drei Kameras, drei Lasern, GPS- und Radargeräten ausgestattet. Dadurch erhält das Auto ein genaues Bild seiner Umgebung. Auf Basis dieser Daten planen im Auto eingebaute Computer sinnvolle Manöver.

Ein Beispiel: Der Wagen soll in einen Kreisverkehr einfahren. Er erkennt, ob ein entgegenkommendes Auto aus dem Kreisverkehr abbiegen möchte. Erst wenn sich das Auto vollkommen sicher sein kann, dass der Weg frei ist, fährt es los. Im Zweifel gibt es ein Signal an den Fahrer und bittet um Erlaubnis, starten zu dürfen. Leider spricht das Auto dabei nicht mit dem Fahrer, wie in „I, Robot“.

Seit drei Monaten führen die Ulmer Wissenschaftler Testfahrten zwischen der Albert-Einstein-Allee und dem Berliner Ring durch. Eine Ausnahmegenehmigung des Regierungspräsidiums macht es möglich. Bisher kann das Auto nur auf dieser einen ihm bekannten Strecke fahren. Denn das Fahrzeug muss genau wissen, wie die Straße verläuft. Dazu haben die Techniker jedes kleine Detail der Strecke erfasst – Spurbreite, Bäume und Ampeln.

„Als die Baustelle auf dem Berliner Ring neu war, mussten wir unsere Karte aktualisieren. Das Auto hat zwar gemerkt, dass auf der Strecke etwas anders ist, wusste damit aber nicht so richtig umzugehen“, sagt Dietmayer. In solchen Fällen schreitet der Sicherheitsfahrer ein. Das System schaltet sich ab und übergibt die Kontrolle wieder an den Fahrer. Ziel ist jedoch, dass der Fahrer bald wie Will Smith E-Mails lesen kann.

Doch wer haftet, wenn ein Unfall passiert? „Verantwortlich bleibt der Fahrer“, sagt Dominik Nuss, Doktorand im Forscherteam. Aus diesem Grund mussten die Sicherheitsfahrer Trainingsfahrten absolvieren.

„Je öfter ich mit dem Auto unterwegs war, desto mehr stieg mein Vertrauen“, sagt Nuss. Er ist von dem Projekt begeistert. Unfälle ließen sich nicht ausschließen, aber damit das Fahren im vollautomatisierten Auto noch sicherer wird, arbeitet Dominik Nuss mit seinen Kollegen an verschiedenen Algorithmen. Wie muss sich das Auto bei starken Regen- oder Schneefällen verhalten? Solche Fragen gilt es noch zu beantworten.

Die Visionen der Forscher: 2031 – zum Ruhestand Dietmayers – soll das erste wirklich vollautomatisierte Fahrzeug auf der Straße fahren können. Und ein paar Jahre später sollen Roboter-Taxis Menschen sicher von A nach B bringen.