Intensität“ ist das Thema der am Donnerstagabend im Stadthaus eröffneten „13. Ulmer Denkanstöße“ – und fast möchte man den Organisatoren um Prof. Renate Breuninger vom Humboldt-Studienzentrum der Universität und Kulturbürgermeisterin Iris Mann hellseherische Fähigkeiten bescheinigen. Schließlich sind die vergangenen Tage angesichts der um sich greifenden Coronavirus-Pandemie und den sich geradezu überschlagenden Auswirkungen auf die Gesellschaft die wohl intensivsten seit Jahren. Wenn auch mit umgekehrtem Vorzeichen: Das öffentliche Leben wird zunehmend lahmgelegt.

Zum Auftakt der „Denkanstöße“ war davon allerdings – noch – nichts zu merken. Gut 300 Besucher im vollen Stadthaus lassen darauf schließen, dass in der Ulmer (Bildungs-)Bürgerschaft das Interesse an philosophischer Erkenntnis hoch und die Angst vor einer möglichen Ansteckung niedrig ist. Oder war das der sichtbare Ausdruck einer trotzigen Jetzt-erst-recht-Haltung?

Obwohl eine Krankmeldung das Abendprogramm dann doch durcheinanderwirbeln sollte. Kurzfristig hatte der prominente Hauptredner, der Philosoph, Schriftsteller und Publizist Wolfram Eilenberger, absagen müssen. Sein Vortrag über die „zauberhaften 1920er Jahre“ als Phase der philosophischen Intensität und Innovation fiel ergo ins Wasser.

Was die intensive (!) Suche nach einem würdigen Ersatz erforderlich machte. Der mit Manfred Geier glücklicherweise gefunden wurde. Der habilitierte Sprachwissenschaftler, der dem akademischen Elfenbeinturm vor gut 20 Jahren den Rücken kehrte um sich fortan als Publizist und Autor vornehmlich mit philosophischen Themen zu beschäftigen, räsonierte auf unterhaltsame Weise – angefangen bei Sokrates – ­am Beispiel von vier Denkern über die „Intensität des Philosophierens“ und legte dabei besonderes Augenmerk auf die Persönlichkeiten der Denker im Spannungsfeld zwischen Glücksgefühl und Niederlagen.

Zu Beginn des Abends hatte Moderator Florian Buchmaier auf der Bühne mit Oberbürgermeister Gunter Czisch, Uni-Präsident Michael Weber und Martin Hettich, Vorstands-Chef der die Denkanstöße sponsernden Sparda-Bank Baden-Württemberg, über Intensität, Glück und Angst geplaudert. Wenn der Corona-Krise etwas Positives abzugewinnen sei, so Hettich, dann die Tatsache, „dass alles etwas ruhiger wird und dass wir alle etwas achtsamer werden“. Auch das sei ein Ausdruck von Intensität.

Fortsetzung ungewiss


Programm Zwar hielten die Veranstalter am Donnerstag noch am weiteren Programm fest, das am Freitag mit Vorträgen unter anderem von Liedermacher Konstantin Wecker und Weltrekord-Slackliner Lukas Irmler fortgesetzt werden soll. Nach der Empfehlung der Bundesregierung vom Donnerstagabend, alle nicht notwendigen Veranstaltungen abzusagen, erscheint die Fortsetzung aber fraglich.