Wer von der Last des Amtes befreit ist, muss auf diplomatische Etikette keine Rücksicht mehr nehmen. Das galt auch für den Haupt-Laudator beim „Dies academicus“ der Universität Ulm. Alt-Präsident Karl Joachim Ebeling, der beim Uni-Festakt am Freitag die Lobesrede auf die neue, vom Uni-Senat im vergangenen Jahr einstimmig gekürte Ehrensenatorin Annette Schavan hielt, nahm kein Blatt vor den Mund.

Ein schwarzer Tag für Ulm, ja für den gesamten Wissenschaftsstandort Deutschland, sei der 13. Februar 2013 gewesen. An diesem Tag trat die damalige Bundesforschungsministerin Schavan von ihrem Amt zurück, nachdem ihr der Fakultätsrat der Universität Düsseldorf den Doktortitel wegen „vorsätzlicher Täuschung“ entzogen hatte.

Annette Schavan ein „Glücksfall für Ulm“

Ohne auf die Plagiatsaffäre selbst weiter einzugehen, bescheinigte Ebeling der CDU-Politikerin und späteren Botschafterin beim Heiligen Stuhl, als Bundesministerin und Wissenschaftspolitikerin ein „politisches Schwergewicht und ein Glücksfall“ für Stadt und Republik gewesen zu sein. In Schavans Zeit seien „wegweisende Reformen“ gefallen – von der Exzellenzinitiative bis zur High-Tech-Strategie.

Ulm habe ihrem Wirken die Gründung des Helmholtz-Instituts als „Keimzelle des deutschlandweit einzigen Exzellenzclusters“ zur Batterieforschung zu verdanken. Auch für die Batterieproduktionsanlage am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW) habe sich Schavan in ihrem damaligen Wahlkreis Ulm stark gemacht, ebenso für den Ausbau der Traumaforschung – und das seien nur einige Beispiele.

Kritik am Ministerium

Seit Schavans Rücktritt agiere das weiterhin CDU-geführte Wissenschaftsministerium indes lethargisch, ja fast schon gelähmt. Ebeling: „Es wird nur noch taktiert, gezögert und dem Trend hinterhergelaufen.“

Zu Merkels Geburtstag

Ursprünglich hätte die 64-Jährige die Ehrensenatorwürde bereits im vergangenen Juli beim Jahrestag der Uni erhalten sollen, erwähnte der amtierende Uni-Präsident Michael Weber in seiner Begrüßung. Doch just an jenem Tag sei Schavan zum Geburtstag von Kanzlerin Angela Merkel eingeladen gewesen, und das sei nun mal vorgegangen.

Schavan selbst bedankte sich für die Auszeichnung. Sie sei „nun lebenslang mit dieser Universität verbunden und aufgefordert, an ihrem Wohl und Wehe Anteil zu nehmen“.

Bedrohliche Unterfinanzierung

Mit einer neuen Bestmarke hatte Präsident Weber den „Dies academicus“ eröffnet: 2019 haben Uni-Wissenschaftler demnach Drittmittel in Höhe von 110 Millionen Euro eingeworben – Rekord. Gleichwohl mahnte er die mangelhafte Grundfinanzierung durch das Land an. „Leider kann sie weder mit den zunehmenden Drittmitteleinwerbungen noch mit dem von uns geleisteten Ausbau der Studienplätze mithalten.“ Diese Entwicklung sei bedrohlich. „Wir stehen vor großen Herausforderungen, so konkurrenzfähig zu bleiben, wie wir es sind – international und mit Blick nach Bayern auch national.“

Höchste Auszeichnung der Uni Ulm


Ehre Während eine Ehrendoktorwürde  (Dr. h.c.) in der Regel von einer bestimmten Fakultät verliehen wird, handelt es sich bei der Ehrensenatorwürde um eine Auszeichnung, die eine Universität oder Hochschule als Ganzes vergibt. Gewürdigt werden damit nicht universitätsangehörige Persönlichkeiten, die sich um die Hochschule im Bereich Forschung und Lehre besonders verdient gemacht haben oder ihr auf besondere Weise verbunden sind.

Namen Ehrensenatoren der Uni Ulm  waren/sind unter anderem Kurt Georg Kiesinger (CDU, Bundeskanzler von 1966 bis 1969), Lothar Späth  (CDU, Ministerpräsident in Baden-Württemberg von 1978 bis 1991), Hermann Eiselen (Gründer des Ulmer Museums Brot und Kunst) sowie Ivo Gönner (SPD, Oberbürgermeister in Ulm von 1992 bis 2016).