Ulm / CHRISTOPH MAYER Der Vorstand verordnet der Ulmer Uni-Klinik eine Diät. Zehn Millionen Euro müssen 2012 eingespart werden. Grund: 2011 schrieb die Klinik mangels Patientenzuwachs rote Zahlen. Sechs Millionen Euro fehlen.
Zum ersten Mal seit acht Jahren ist die Uni-Klinik 2011 in die roten Zahlen gerutscht – im Vergleich zu 2004 sogar deutlich. „Durch ausbleibende Umsätze insbesondere in den letzten Monaten des Jahres wurde unser Umsatzziel gegenüber der Hochrechnung um etwa sechs Millionen Euro verfehlt“, heißt es in einem internen Schreiben des Klinikvorstandes an die Ärztlichen Direktoren, Pflegedienstleiter und den Personalrat.

Als Grund gibt der Vorstand um den Kaufmännischen Direktor Rainer Schoppik und den Ärztlichen Direktor Prof. Reinhard Marre die im Vergleich zum Vorjahr um 11,7 Millionen Euro gestiegenen Personalkosten an, eine Folge der „hohen Tarifabschlüsse“. Zwar seien die Umsätze 2011 gestiegen: aber nur um 1,9 Prozent (5,7 Millionen Euro). In den Prognosen sei man von Umsatzsteigerungen zwischen 6 und 7 Prozent wie in den Vorjahren ausgegangen.

Warum die Patientenzahlen nicht gestiegen, im vierten Quartal sogar zurückgegangen sind? Darauf hat Schoppik keine Antwort. „Man braucht aber stetiges Umsatzwachstum, sonst läuft man in die Kostenschere“, sagt der Kaufmännische Direktor auf Anfrage. Grund zur Sorge sieht er trotzdem nicht. „Die Lage ist nicht zufriedenstellend, aber auch nicht kritisch.“ Mit der Inbetriebnahme der neuen Chirurgie im Juni dürften die Belegungszahlen steigen. Zudem seien andere Uni-Kliniken schlechter dran, aktuelles Beispiel Gießen-Marburg: An dem privatisierten Klinikum will der Betreiber Rhön nach Verlusten von 10 Millionen Euro im abgelaufenen Jahr 500 von 7500 Stellen abbauen.

Auch Schoppik und Co. haben der Ulmer Klinik einen Sparkurs verordnet. So sollen die Ausgaben 2012 um 2,5 Prozent – 10 Millionen Euro – gesenkt werden. Neben einer Wiederbesetzungssperre und einem durch Fluktuation erfolgenden Stellenabbau in zehn besonders defizitären Einrichtungen müssen zahlreiche Projekte auf den Prüfstand: etwa die Sanierung der Inneren Medizin.

Mit dem 240-Millionen-Euro teuren Chirurgie-Neubau, den die Uni-Klinik zur Hälfte selbst schultert und zur anderen Hälfte vorfinanziert, haben die aktuellen finanziellen Turbulenzen nichts zu tun. Alle bisher aufgelaufenen Ausgaben würden erst nach Inbetriebnahme ergebniswirksam, heißt es in dem Schreiben des Vorstandes.

Der Personalrat der Klinik zeigt sich „befremdet“ über die Entwicklung. Man könne die Zahlen nicht beurteilen, da der Vorstand keine Details offenlege, sagt Personalratsvorsitzender Bruno Stemmer. „Wir wollen mehr Transparenz.“ Dass die geringe Umsatzsteigerung nicht absehbar gewesen sei, bezweifelt Stemmer: „Wir haben ja eine große Controlling-Abteilung.“ Er befürchtet, dass die Einsparungen vor allem „an der Basis ausgebadet werden müssen“, dort, wo die Arbeitsverdichtung ohnehin am stärksten zugenommen habe. Und noch eine Spitze kann Stemmer sich nicht verkneifen. Mit der Gründung der nicht tarifgebundenen Dienstleistungsgesellschaft DUU für Hauswirtschafts- und Transportdienste habe Schoppik die Kostenschere in den Griff bekommen wollen. „Das hat offensichtlich wenig gebracht.“