Auszeichnung Unesco-Urkunde für Ulm

Schmucklos, aber bedeutender Inhalt: Dekan Gohl mit der Unesco-Urkunde.
Schmucklos, aber bedeutender Inhalt: Dekan Gohl mit der Unesco-Urkunde. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Verena Schühly 14.06.2018

Die Urkunde ist jetzt in Ulm: die das Bauhüttenwesen zum immateriellen Unesco-Kulturerbe erklärt. Dekan Ernst-Wilhelm Gohl und Münsterbaumeister Michael Hilbert haben sie am Freitag bei einem Festakt in Bamberg von der deutschen Unesco-Kommission überreicht bekommen und nach Hause gebracht. Im März hat die deutsche Jury sieben immaterielle Kulturformen neu in ihre Liste aufgenommen, neben dem Bauhüttenwesen von Ulm, Freiburg und Köln als gutes Praxisbeispiel unter anderem die künstlerischen Drucktechniken und den Further Drachenstich.

Die Original-Urkunde will Gohl dem Stadtarchiv übergeben: „Dort liegt auch der Originalriss des Münsters, und dort wird sie gut bewahrt.“ Natürlich werden vorher Kopien gemacht für die Münsterbauhütte und die Kirche.

Außerdem ist Ulm schon auf dem Sprung zur nächsten Stufe: Münsterbaumeister Hilbert bereitet federführend den Antrag für die Aufnahme ins internationale immaterielle Unesco-Kulturerbe vor, der von Deutschland, Frankreich, Norwegen, Österreich und der Schweiz ausgeht. „In Zeiten, in denen sich Europa auseinanderdividiert, ist das ein tolles Zeichen der Zusammenarbeit“, findet Ernst-Wilhelm Gohl.

Und eine mit langer Tradition: Schon im Mittelalter haben die Bauhütten über Ländergrenzen hinweg eng zusammengearbeitet. Anhand der Ulmer Hüttenbücher lässt sich nachvollziehen, dass Steinmetzgesellen oft von Ulm nach Straßburg und in andere Städte gewechselt haben. Außerdem wurden häufig für spezielle Aufgaben gezielt Handwerks-Fachleute angeworben. Gohl: „Auf diese Weise wurde Wissen weitertransportiert.“

Beim Festakt in Bamberg haben Gohl und Hilbert auch Bekannte getroffen wie Reiner Meindl, den Geschäftsführer der Glashütte Lamberts in Waldsassen. Die ist der einzige Betrieb, der hierzulande noch bunte Glasfenster nach alter Tradition des Mundblasens herstellt. Von dort haben die Ulmer das Material für das neue Friedensfenster von Thomas Kuzio im Münster bezogen, das jüngst an Pfingsten eingeweiht wurde.

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