Flugblatt Debatte um Walter Feuchts Kolumnen geht weiter

Auch vor den Tafeln der Weißen-Rose-Ausstellung in der Volkshochschule lag die anonym verfasste Hetzschrift.
Auch vor den Tafeln der Weißen-Rose-Ausstellung in der Volkshochschule lag die anonym verfasste Hetzschrift. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Hans-Uli Mayer 13.04.2018
Ein neues Flugblatt diffamiert die Kritiker Feuchts und setzt sich mit der weißen Rose gleich.

Die Debatte um Walter Feuchts Kolumnen und deren Wirkung geht weiter. Nachdem sich die öffentliche Aufregung in den letzten Wochen gelegt hatte, taucht jetzt ein neues Flugblatt auf, das eine schärfere Tonart anschlägt. Anonym verfasst, lag das mit „Widerstandsgruppe „Gelbe Rose“ unterzeichnete Papier unter anderem im DGB-Haus aus, in der Volkshochschule und wurde in die Briefkästen der SPD-Fraktion, des Dritte Welt Ladens und eines Leserbriefschreibers gesteckt. Ein in der Flüchtlingsarbeit engagierter Pfarrer bekam nach einem Feucht-kritischen Leserbrief ebenfalls beleidigende Post.

In diesem auf A-5-Format vervielfältigten Papier wird behauptet, dass die freie Meinungsäußerung und mit ihr sämtliche Grundrechte in Gefahr seien. Feucht wird als jemand bezeichnet, der sich „Wegschauritualen“ widersetze bei Problemen, „die durch die Einwanderung aus vordemokratischen mittelalterlichen Gesellschaften“ entstünden.

Feuchts Kritikern wird dagegen in drastischer Sprache vorgehalten, einem „linksfaschistischen Zeitgeist“ zu folgen. Es ist die Rede von „militanten Alleinherrschaftsansprüchen“ und von „Gesinnungsdiktatur“. Außerdem wird der OB als „Feigling“ bezeichnet, der die „Einwanderer-Schlägereien“ in der Bahnhofstraße schönrede.

Vor allem für den Schreiber eines Leserbriefes an die SÜDWEST PRESSE ist das ein bedenklicher Vorgang. Der Brief wurde nicht per Post zugestellt, sondern direkt am Haus der Privatperson in den Postkasten gesteckt. „Das ist nicht mehr weit entfernt von einer direkten Drohung“, findet der Mann: „Die Botschaft ist doch wohl, wir wissen, wo du wohnst.“

Menschenverachtenden Stimmungsmache

Als gar nicht mehr so harmlos bewertet dies auch Lothar Heusohn, einer der Initiatoren von 38 Organisationen, die mit ihrer Kritik an Feuchts Kolumnen die Kontroverse ausgelöst haben. Darin hatten die Absender Feucht menschenverachtende Stimmungsmache vorgeworfen und einen diffamierenden und hetzerischen Ton beklagt. „Es geht nicht um die freie Meinungsäußerung, sondern um die sprachliche Inszenierung von Hass“, kritisiert Heusohn, der das Flugblatt als eine neue Dimension wertet: „Es brechen Dämme.“

Das beklagt auch die vh-Leiterin Dagmar Engels, in deren Haus die Flugblätter gleich an mehreren Stellen auslagen – und zwar neben der Dauerausstellung über die Weiße Rose, die Ulmer Geschwister Scholl, die von den Nazis hingerichtet wurden. Engels nennt den Versuch infam, sich in einen Kontext mit der hochgeschätzten Erinnerungskultur zu stellen. Es gebe immer wieder politisch rechts stehende Gruppen wie beispielsweise die AfD, die bemüht sei, sich in die Widerstandstradition zu stellen. Engels: „Die versuchen, auf der Welle mitzuschwimmen.“

Andererseits sieht Engels Feucht nicht nur in der Opferrolle. Engels: „Er bestärkt Vorurteile, die dem friedlichen Zusammenleben in unserer Stadt nicht dienen.“

Diskussion respektvoll führen

Zynisch findet es Antje Trosien vom DGB, einerseits den OB Feigheit zu nennen, andererseits aber selber anonym zu bleiben. Auch im DGB-Haus waren die Flugblätter aufgetaucht – just an dem Tag, an dem das Bündnis gegen Rechts tagte. Die Gleichsetzung mit der Weißen Rose sei inakzeptabel. Absurd nennt sie die Angstmache, die Meinungsäußerung stehe auf dem Spiel.

Der beschimpfte Oberbürgermeister Gunter Czisch will sich gar nicht so sehr damit befassen: „Ich habe in den letzten Wochen regelmäßig dafür geworben, diese Diskussion im offenen respektvollen Dialog zu führen. Voraussetzung ist aber, respektvoll miteinander umzugehen.“

Walter Feucht, auf den sich das neuerliche Flugblatt inhaltlich bezieht, lehnt anonyme Zuschriften grundsätzlich ab und will sich auch nicht von rechten Gruppen instrumentieren lassen, wie er der SÜDWEST PRESSE sagt: „Das ist mit mir nicht zu machen.“

Offener Brief der von 38 Organisationen

Erstunterzeichner Den Brief unterzeichnet haben beispielsweise der AK Flucht&Asyl der Uni, das Behandlungszentrum für Folteropfer, die Behindertenstiftung Tannenhof, der BUND, das Doku-Zentrum, die Naturfreunde, der Reha-Verein für soziale Psychiatrie, Terre des hommes, die vh, der Verein für Friedensarbeit und die zentrale Bürgeragentur Zebra.

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel