Literatur Unendliche Geschichte eines Romans

Sympathisch: Mariana Leky im Roxy.
Sympathisch: Mariana Leky im Roxy. © Foto: Maria Müssig
Ulm / Jürgen Kanold 10.09.2018
Mit Witz und Charme, wie ihr Bestseller „Was man von hier aus sehen kann“: Mariana Leky liest im Roxy.

Bereits im Juli vergangenen Jahres ist dieser erstaunliche Roman bei DuMont erschienen. Die inhabergeführten Buchhandlungen wählten „Was man von hier aus sehen kann“ 2017 zu ihrem Lieblingsbuch (die SÜDWEST PRESSE druckte es im vergangenen Herbst in Fortsetzung ab). Aber nach wie vor steht Mariana Lekys wunderbar lakonische Geschichte über Liebe und Tod und über den Zusammenhalt herzlich skurriler Menschen in einem Westerwald-Dorf vorne auf der Bestsellerliste des „Spiegel“, und noch immer tourt die Autorin mit ihrem Roman durch die Republik. Wobei die aus Berlin angereiste Mariana Leky jetzt im Roxy vor rund 150 Zuhörern so charmant, geistreich und humorvoll las und erzählte, als wär‘s die Premiere gewesen. Ein Auftritt, so sympathisch wie der Roman.

Kunden fürs Lesen begeistern

Der Erfolg von „Was man von hier aus sehen kann“ sagt viel aus über den Buchmarkt. Top-Titel sind selten, schon mit einer Auflage von rund 200 000 Exemplaren lässt sich ein Langzeit-Spitzenplatz auf der Bestsellerliste erobern. Andererseits: Gut erzählte Geschichten setzen sich durch, auch ohne Werberummel, solange es noch informierte Buchhändler gibt, die ihre Kunden fürs Lesen begeistern können. Samy Wiltschek gehört dazu, und er moderierte im Roxy einen unterhaltsamen Abend, an dem Mariana Leky verriet, dass ihr Vater ein Gefängnispsychologe war, der Strafgefangene auch zu Hause resozialisierte; ein „Ernte 23“ rauchender Willy sei ihr Babysitter gewesen. Sie selbst gibt in Berlin Schreibkurse für Häftlinge, bald beginne wieder einer: „Man kann sich noch schnell einlochen lassen.“

Das amüsierte Publikum wollte lieber wissen, wann der nächste Roman erscheine beziehungsweise unter welchem Druck sie stehe. Die 45-Jährige wollte, konnte nichts von einem neuen Projekt berichten, aber die Kollegin Dörte Hansen, die mit „Altes Land“ einen ebenso überraschenden Bestseller geschrieben hat, habe sie beruhigt: Eigentlich sei es jetzt einfacher, viel schlimmer wäre es doch, wenn der aktuelle Roman total gefloppt wäre.

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